Zusammenhang zwischen Atemwegserkrankungen und zahnmedizinischen Befunden

medizinische modelle des kopfes des rachens und des mundes sind neben einem stethoskop und zahnärztlichen instrumenten auf einem tisch ausgestellt

Die Atemwegsgesundheit spielt eine zentrale Rolle für die Qualität zahnmedizinischer Behandlungen. Sie beeinflusst das Wachstum, die Funktion und die Lebensqualität der Patient*innen. Ein umfassendes Airway-Management ist deshalb kein Spezialthema einzelner Disziplinen, sondern ein integraler Bestandteil jeder zahnärztlichen Diagnostik und Therapieplanung.

Warum die Atemwegsgesundheit in der Zahnmedizin relevant ist

Atemwegsprobleme zeigen sich häufig bereits im Mundbereich, bevor sie in anderen medizinischen Fachgebieten diagnostiziert werden. Typische Befunde sind Mundatmung, ein schmaler Kiefer, auffällige Zahnstellungen, Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer. Diese Erscheinungen können zu Karies, Gingivitis, Parodontitis und sogar zu Schlafapnoe führen. Wie Dr. Fabian von Rom betont, sind Hauszahnärzte oft die ersten, die relevante Hinweise auf Atemwegsprobleme erkennen und Patienten gezielt weiterleiten können.

Wissenschaftliche Befunde zu Atemwegserkrankungen und oralen Erkrankungen

Studien belegen einen engen Zusammenhang zwischen Atemwegserkrankungen und oralen Befunden. So zeigen Daten der Weltgesundheitsorganisation, dass die Prävalenz von Schlafapnoe im Jahr 2021 bei etwa 4 % lag. Gleichzeitig liegt die Prävalenz von oralen Erkrankungen, die mit Atemwegsstörungen assoziiert sind, bei 47 % (2022, Quelle S1). Darüber hinaus geben 35 % der zahnärztlichen Überweisungen im Jahr 2021 an, dass ein Verdacht auf Schlafapnoe bestand (Quelle S2).

Die Studie „Zahnärztliche Gesundheit und Schlafapnoe: Eine Übersicht“ (S1) zeigt, dass Atemwegserkrankungen wie Schlafapnoe häufig mit Parodontitis verknüpft sind. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer interdisziplinären Betrachtung.

Auswirkungen von Mundatmung

  • Karies
  • Gingivitis
  • Parodontitis
  • Schlafapnoe

Gewichtsreduktion als Therapieansatz bei Schlafapnoe

Eine gezielte Gewichtsreduktion hat nachweislich positive Effekte auf den Schweregrad von Schlafapnoe. Forschungen zeigen, dass eine Reduktion des Körpergewichts um 10 % den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) um bis zu 50 % senken kann (2020, Quelle S2). Für übergewichtige Patient*innen ist diese Maßnahme ein wichtiger Bestandteil der zahnärztlichen Behandlung, insbesondere wenn eine Unterkieferprotrusionsschiene oder andere orofaziale Therapien geplant sind.

Interdisziplinäres Airway-Management – Rollen und Zusammenarbeit

Ein effektives Airway-Management erfordert die enge Zusammenarbeit von Zahnärzt*innen, Kieferorthopäd*innen, HNO-Ärzt*innen, Logopäd*innen und Schlafmediziner*innen. Ohne ausreichende interdisziplinäre Kooperation können Atemwegserkrankungen unentdeckt bleiben und die Patientenversorgung beeinträchtigen (Counterpoint: Mangelnde interdisziplinäre Kooperation). Dr. Fabian von Rom weist darauf hin, dass HNO-Ärzte häufig die ersten Ansprechpartner für Betroffene sind, während Kieferorthopäden spezielle Behandlungsmöglichkeiten bieten, die jedoch nicht immer im Bewusstsein der HNO-Kollegen sind.

Fortbildungsangebote, spezialisierte Kurse und Kongresse wie der Vienna Airway Congress fördern den Austausch und die Vernetzung der Fachrichtungen. Dennoch bestehen strukturelle Hürden, etwa die fehlende Aufnahme von airway-spezifischen kieferorthopädischen Maßnahmen im GKV-Katalog, was zu privaten Finanzierungsaufwendungen führen kann.

Was jede Praxis beitragen kann

In vielen Praxen wird die Atmung zwar anamnestisch abgefragt, die Informationen fließen jedoch nicht immer systematisch in Therapieentscheidungen ein. Dr. von Rom plädiert dafür, Atemwegsaspekte bewusst mitzudenken: „Wenn verschiedene Therapieoptionen gleichwertig sind, sollte man diejenige wählen, die funktionell am günstigsten für die Atmung ist.“

Beobachtungen zur Mundatmung während der Untersuchung, Hinweise auf nächtliche Symptome im Anamnesebogen, die Beurteilung von Zungenraum und Weichgewebe oder Tagesmüdigkeit liefern wertvolle Informationen. Ferner können Fernröntgen- und DVT-Aufnahmen als ergänzende Orientierung dienen. Die definitive schlafmedizinische Diagnostik bleibt spezialisierten Fachrichtungen vorbehalten, doch Zahnärzt*innen nehmen eine wichtige Rolle in der Früherkennung ein.

Die Mundgesundheit ist eng mit der Atemwegsgesundheit verbunden. Studien haben gezeigt, dass etwa 47 % der Patient*innen in zahnmedizinischen Praxen an oralen Erkrankungen leiden, die im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen stehen, einschließlich Schlafapnoe (S1, 2022). Zudem kann eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patient*innen den Apnoe-Hypopnoe-Index um bis zu 50 % verringern (S2, 2020). Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, therapeutische Ansätze zur Gewichtsreduktion in die zahnärztliche Anamnese zu integrieren.

Häufige Fragen von Patient*innen

  • Wie häufig sind Atemprobleme in der Zahnmedizin? Atemprobleme, insbesondere Mundatmung und Schlafapnoe, sind häufig und betreffen bis zu 47 % der Patient*innen in zahnärztlichen Praxen.

Fazit

Atemwegsfragen sind kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil einer modernen, ganzheitlichen Zahnmedizin. Sie beeinflussen das Wachstum, die Entwicklung und die Therapieentscheidungen von Kinderzahnheilkunde bis zur Prothetik. Durch das frühzeitige Erkennen von Mundatmung, die Integration von Gewichts- und Lifestyle-Interventionen sowie die engen interdisziplinären Zusammenarbeit können Zahnärzt*innen die Lebensqualität ihrer Patient*innen nachhaltig verbessern. Wie Dr. Fabian von Rom zusammenfasst: „Bei jeder zahnärztlichen Behandlung sollte der Blick auch auf die Atmung gerichtet sein.“

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