Tag der Zahngesundheit 2026 – Gesund beginnt im Mund: Warum Kauffähigkeit entscheidend für Gesundheit ist
Am 6. August 2026 steht der Tag der Zahngesundheit unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“. Das Motto lenkt den Blick auf die zentrale Rolle der Kauffähigkeit – also die Fähigkeit zu kauen – für die physische, kognitive und allgemeine Gesundheit in allen Lebensphasen. Wissenschaftliche Metaanalysen, aktuelle Daten der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) und Expertenmeinungen zeigen, dass eine funktionierende Kauffunktion nicht nur die Nahrungsaufnahme unterstützt, sondern auch das Demenzrisiko senkt und damit ein wichtiger Präventionsfaktor ist.
Kauffähigkeit und kognitive Gesundheit – Evidenz aus Studien
Eine Metaanalyse von Cerutti-Kopplin et al. (2016) hat den Zusammenhang zwischen Zahnverlust, eingeschränkter Kauffunktion und kognitivem Verfall eindeutig belegt. Menschen mit weniger als 20 funktionstüchtigen Zähnen weisen ein um 22 % erhöhtes Demenzrisiko (Hazard Ratio = 1,22) und ein um 26 % erhöhtes Risiko für kognitiven Verfall (Hazard Ratio = 1,26) auf. Diese Zahlen stammen aus acht Kohortenstudien und verdeutlichen, dass die mechanische Belastung des Kausystems ein entscheidender Faktor für die Hirngesundheit ist.
Neurologischer Mechanismus des Kauens
Der Kauprozess stimuliert sensorische Nervenbahnen, erhöht die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung im Hippocampus – einem Hirnareal, das für Gedächtnis und Lernfähigkeit zentral ist. Durch diese Stimulation wird die neuronale Aktivität gefördert und ein möglicher Schutz vor kognitivem Abbau geschaffen. Die Metaanalyse untermauert damit die Annahme, dass ein gesundes Gebiss über den Mundraum hinaus positive Effekte auf die Gehirnfunktion hat.
Gruppenprophylaxe als Grundstein für lebenslange Mundgesundheit
Die gesetzlich verankerte zahnmedizinische Gruppenprophylaxe (§ 21 SGB V) erreicht jährlich 4,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Grundschulen (GKV-Spitzenverband, 2023). Durch spielerische Anleitung zu täglichem Zähneputzen, gesunder Ernährung und kaubaren Lebensmitteln wird bereits im frühen Alter die Kauffähigkeit trainiert. Die Wirkung dieser Prävention spiegelt sich in den Ergebnissen der DMS 6 wider: Im Jahr 2023 waren 77,6 % der zwölfjährigen Kinder in Deutschland vollständig kariesfrei.
Praxisbeispiele und Expertenmeinungen
„Idealerweise gehen dafür bereits in der Kindheit gesunde Ernährung, regelmäßige Mundhygiene und Gesundheitsbildung Hand in Hand“, betont Dr. Christian Rath, Geschäftsführer des Vereins für Zahnhygiene (VfZ). Dr. Justine Röhmel vom GKV-Spitzenverband ergänzt: „In der Gruppe und mit der richtigen Anleitung kaut und putzt es sich einfach besser. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen die Gruppenprophylaxe, damit alle Kinder die Chance haben, die Grundlage für eine lebenslange gute Mundgesundheit früh zu erlernen.“
Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), hebt hervor: „Richtig zubeißen kann so viel für die Gesundheit bringen. Ernährung und Kauen verdienen mehr Aufmerksamkeit. Gesunde Zähne sind das Ergebnis bewusster Ernährung, funktionierender Kauffähigkeit, frühzeitiger Prävention und klarer politischer Rahmenbedingungen.“
Herausforderungen: Parodontitis und soziale Ungleichheiten
Trotz der Erfolge der Gruppenprophylaxe bleiben bedeutende Risiken bestehen. Laut DMS 6 leidet ein erheblicher Teil der Bevölkerung an schwerer Parodontitis – 14 Millionen Menschen in Deutschland (2023). Parodontitis ist das Hauptrisiko für späten Zahnverlust und damit für den Verlust der Kauffähigkeit im Alter.
Der Anteil vollständig zahnloser Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren ist von 12,5 % im Jahr 2014 auf 5,0 % im Jahr 2023 gesunken – ein deutlicher Rückgang, der jedoch noch nicht das Ziel einer vollständig erhaltenen Kauffunktion erreicht hat.
Gleichzeitig bestehen soziale Ungleichheiten: Kinder aus bildungsfernen Schichten und pflegebedürftige Senioren tragen weiterhin eine überproportional hohe Karies- und Parodontitislast. Reine Aufklärungsappelle reichen ohne zielgruppenspezifische Vor-Ort-Angebote oft nicht aus, und der reine Erhalt von Zähnen garantiert keine vollkommene Kauffunktion, wenn Fehlbelastungen, Schmerzen oder mangelhafter Zahnersatz vorliegen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Kauen und zur Prophylaxe
- Wie genau beeinflusst Kauen die Gehirngesundheit und das Demenzrisiko?
Kauen aktiviert die Sensorik des Kauapparates und steigert die Durchblutung sowie die Sauerstoffversorgung in kognitiv relevanten Hirnarealen wie dem Hippocampus. Fehlen mehr als 12 Zähne (weniger als 20 verbleibende Zähne), steigt laut Metaanalyse das Demenzrisiko um rund 22 %. - Welche Rolle spielt die Gruppenprophylaxe nach § 21 SGB V?
Die Gruppenprophylaxe führt Kinder in Kitas und Schulen spielerisch an das tägliche Zähneputzen, gesunde Ernährung und den Wert von Kauaktivität heran. Sie erreicht jährlich rund 4,6 Millionen Kinder und gleicht gesundheitliche Startchancen aus. - Warum schaden hochverarbeitete, weiche Lebensmittel dem Kauapparat?
Sehr weiche Nahrung fordert die Kiefermuskulatur kaum, was zur Schwächung der Kaumuskulatur und zu verringertem Speichelfluss führt. Zudem enthalten diese Produkte oft viel Zucker und Säuren, was Karies und Zahnerosionen begünstigt.
Fazit
Der Tag der Zahngesundheit 2026 macht deutlich, dass die Kauffähigkeit ein zentrales Bindeglied zwischen Mundgesundheit und allgemeiner, insbesondere kognitiver, Gesundheit ist. Die evidenzbasierten Zahlen – ein um 22 % erhöhtes Demenzrisiko bei weniger als 20 Zähnen, 77,6 % kariesfreie Zwölfjährige und ein Rückgang der kompletten Zahnlosigkeit bei Senioren auf 5 % – zeigen den Erfolg präventiver Maßnahmen und gleichzeitig die Notwendigkeit, bestehende Risiken wie Parodontitis und soziale Ungleichheiten gezielt anzugehen. Durch konsequente Gruppenprophylaxe, bewusste Ernährung und den Erhalt einer funktionierenden Okklusion kann die Kauffähigkeit lebenslang gesichert werden – und damit ein wichtiger Beitrag zur Prävention von kognitivem Abbau und Demenz geleistet werden.
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