Aktuelle Erkenntnisse zur Kariesprävention im bleibenden Gebiss

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Die Prävention von Zahnkaries ist ein zentraler Baustein für die orale Gesundheit und hat direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen. Aktuelle Daten zeigen, dass weltweit Milliarden Menschen von Karies in den bleibenden Zähnen betroffen sind. Deshalb ist es wichtig, evidenzbasierte Maßnahmen – sowohl persönliche als auch professionelle – konsequent umzusetzen.

Globale Prävalenz von Zahnkaries

Laut dem 2021 veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden 2,3 Milliarden Menschen an Karies in den bleibenden Zähnen. Diese Zahl verdeutlicht die Dringlichkeit effektiver Präventionsstrategien und bildet den Kontext für die nachfolgenden Handlungsempfehlungen.

S3-Leitlinie zur Kariesvermeidung: Grundlagen und Bedeutung

Die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) haben 2025 die S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“ (AWMF-Register 083-021) veröffentlicht. Sie ist die aktualisierte und auf S3 hochgestufte Fassung einer S2k-Leitlinie aus dem Jahr 2016, gilt bis Januar 2030 und definiert ein abgestimmtes Zusammenspiel persönlicher und professioneller Maßnahmen. Die Leitlinie betont, dass Präventionsstrategien ganzheitlich und lebenslang gedacht werden sollten.

  • S3-Leitlinie zur Kariesprävention bei bleibenden Zähnen (2025, gültig bis 2030)
  • Gilt für Fachkräfte, Erziehende, Multiplikatoren und Patienten
  • Keine Rangfolge der Maßnahmen – praktisch orientierte Reihenfolge

Ernährungsmaßnahmen: Zuckerreduktion und Speichelförderung

Ein zentraler Risikofaktor für Karies ist die Aufnahme freier Zucker. Die Leitlinie empfiehlt, dass der Anteil freier Zucker an der täglichen Energiezufuhr unter 10 % liegen sollte; im Einzelfall sogar unter 5 %. Als „frei“ gelten zugesetzte Zucker sowie natürlicher Zucker in Honig, Fruchtsäften und Sirup. Süße Zwischenmahlzeiten und zuckerhaltige Getränke, insbesondere vor dem Zubettgehen, sollten vermieden werden.

Der Speichel spielt eine schützende Rolle, indem er kariesverursachende Säuren puffert, die Mundhöhle reinigt und remineralisierend wirkt. Der Speichelfluss kann durch kauaktive Ernährung, speichelflussfördernde Medikamente und zuckerfreien Kaugummi nach den Mahlzeiten unterstützt werden.

  • Freier Zucker < 10 % der täglichen Energie (individuell < 5 %)
  • Vermeidung von süßen Snacks und Getränken, besonders abends
  • Förderung des Speichelflusses durch kaubare Lebensmittel, zuckerfreien Kaugummi

Mundhygiene und Fluoridanwendung

Persönliche Mundhygiene

Die regelmäßige, vollständige Entfernung des Biofilms von den Zahnoberflächen ist wirksamer als rein chemische Maßnahmen. Empfohlen wird das zweimal tägliche Zähneputzen für mindestens zwei Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Der Zahnbürstentyp und die Putztechnik sollten individuell angepasst werden. Für die Interdentale Reinigung eignen sich Bürstchen oder Zahnseide – Bürstchen zeigen laut Leitlinie eine „biologisch plausible“ kariesprotektive Wirksamkeit.

  • Zweimal täglich mindestens zwei Minuten putzen
  • Fluoridhaltige Zahnpasta (1.000-1.500 ppm)
  • Interdentale Reinigung mit Bürstchen (empfohlen) oder Zahnseide

Fluorid – Dosierung und professionelle Anwendung

Fluorid ist ein bewährtes Mittel zur Reduktion des Kariesrisikos. Studien zeigen, dass die Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta die Kariesrate deutlich senken kann. Die Leitlinie empfiehlt für Personen mit erhöhtem Kariesrisiko Zahnpasten mit 5.000 ppm Fluorid. Kinder ab sechs Jahren können zusätzlich mit Fluoridlösungen gespült werden. Professionell wird zweimal jährlich (bei erhöhtem Risiko viermal jährlich) Fluoridlack appliziert.

  • Zahnpasta: 1.000-1.500 ppm Fluorid
  • Hochrisiko-Pasten: 5.000 ppm Fluorid
  • Fluoridlösung ab 6 Jahren, Fluoridlack zweimal bis viermal jährlich

Strukturierte Präventionsprogramme und professionelle Maßnahmen

Die Leitlinie hebt erstmals die Bedeutung lebenslanger, strukturierter Präventionsprogramme hervor. Solche Programme kombinieren Verhaltensänderungen, Aufklärung und regelmäßige Kontrollen und zeigen besonders bei Kindern, Jugendlichen und Personen mit erhöhtem Risiko hohe Wirksamkeit. Professionelles Biofilm-Management, Fissuren- und Grübchenversiegelungen sowie regelmäßige Fluorid-Applikationen sind integrale Bestandteile.

  • Programme mit Verhalten, Aufklärung und Kontrollen sind besonders wirksam
  • Fissuren- und Grübchenversiegelungen bei Kindern und Jugendlichen mit hohem Risiko
  • Professionelles Biofilm-Management: mindestens zweimal jährlich
  • Keine Rangfolge der Maßnahmen – praktische Umsetzung im Vordergrund

Ein Gegenpunkt ist, dass die Leitlinie gesellschaftliche Gesundheitsprogramme nicht berücksichtigt. Eine breitere Einbindung könnte die Effizienz individueller Maßnahmen weiter steigern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft sollte ich Zähne putzen?

Es wird empfohlen, die Zähne mindestens zweimal täglich für mindestens zwei Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Zum richtigen Zeitpunkt des Zähneputzens nach säurehaltigen Mahlzeiten lesen Sie mehr im Beitrag Zähneputzen nach säurehaltigen Mahlzeiten: Warum die 30-Minuten-Regel überholt ist.

Welcher Fluoridgehalt ist optimal?

Für die allgemeine Bevölkerung 1.000-1.500 ppm; bei erhöhtem Kariesrisiko nach zahnärztlicher Empfehlung 5.000 ppm.

Wie viel freier Zucker ist zulässig?

Unter 10 % der täglichen Energiezufuhr, idealerweise unter 5 %.

Welche Rolle spielt der Speichel?

Er puffert Säuren, reinigt die Mundhöhle und unterstützt die Remineralisierung.

Fazit

Die Kombination aus einer evidenzbasierten S3-Leitlinie, klaren Ernährungs- und Mundhygieneempfehlungen sowie strukturierten Präventionsprogrammen bietet ein umfassendes Rahmenwerk zur Reduktion von Zahnkaries. Die globale Prävalenz von 2,3 Milliarden Betroffenen unterstreicht die Dringlichkeit, diese Maßnahmen konsequent umzusetzen. Fluorid bleibt ein Schlüsselwirkstoff, der nachweislich die Kariesrate senken kann. Durch die Integration persönlicher Gewohnheiten, professioneller Interventionen und, wo möglich, gesellschaftlicher Gesundheitsprogramme lässt sich die orale Gesundheit nachhaltig stärken.