Zahnmedizin für Praxis und Labor

Zahnverlust und Mundgesundheit im Alter – Neue Herausforderungen und Präventionsstrategien

eine zahnprothese die in einem glas wasser auf einer holzunterlage neben einem zusammengefalteten handtuch einer zahnbürste und zahnpflegeartikeln einweicht

Immer mehr Menschen erreichen das höhere Lebensalter mit eigenen Zähnen. Dieser Erfolg verändert die zahnärztliche Praxis: Während die Zahnerhaltung steigt, nehmen gleichzeitig Karies, Parodontitis und weitere orale Erkrankungen bei älteren, oft multimorbiden Patienten zu. Deshalb sind präventive und individuell abgestimmte Konzepte unverzichtbar, um die Mundgesundheit und damit die Lebensqualität im Alter zu sichern.

Steigende Zahnerhaltung im höheren Lebensalter

Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6, Erhebung 2023, veröffentlicht 2025) macht den Trend deutlich: Zahnlosigkeit ist bei den jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) auf wenige Prozent gesunken, und die meisten Menschen in diesem Alter haben noch viele eigene Zähne.

Diese Ergebnisse belegen, dass die Zahnbewahrung in Deutschland stark zugenommen hat. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Risiken, die gezielte Prävention erfordern.

Zunehmende orale Erkrankungen bei älteren Patienten

Obwohl mehr ältere Menschen ihre natürlichen Zähne behalten, steigt die Prävalenz oraler Erkrankungen:

  • Karies tritt vermehrt bei älteren, häufig multimorbiden Patienten auf.
  • Parodontitis ist bei Seniorinnen und Senioren weit verbreitet.

Der Anstieg von Karies und Parodontitis verdeutlicht, dass die bloße Zahnerhaltung nicht automatisch gleichbedeutend mit guter Mundgesundheit ist.

Bedeutung präventiver Maßnahmen im Alter

Prävention ist der zentrale Hebel, um die steigende Krankheitslast zu bremsen. Ohne gezielte Maßnahmen kann ein Anstieg oraler Erkrankungen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Präventive Maßnahmen reduzieren das Auftreten von Karies und Parodontitis deutlich und verbessern damit die Lebensqualität älterer Menschen. Ein Mangel an Prävention kann dagegen zu einem Rückgang der Lebensqualität führen.

Die Studie DMS 6 unterstreicht, dass Präventionsstrategien notwendig sind, um die neu entstandenen Risiken bei einer alternden Bevölkerung mit mehr eigenen Zähnen zu adressieren.

Individuell abgestimmte Präventions- und Betreuungskonzepte

Ein praxisnahes Beispiel für die Umsetzung präventiver Maßnahmen bietet das Webinar “Mehr Zähne im Alter – neue Herausforderungen für die Mundgesundheit”, das am 07.07.2026 stattfand und von Barbara Lipsz (DH), Prevention & Care Consultant bei Ivoclar, geleitet wurde. Das Webinar richtete sich an Zahnärzte und Praxisteams und behandelte folgende Inhalte:

  • Herausforderungen der Mundgesundheit im höheren Lebensalter
  • Häufige orale Erkrankungen bei älteren und multimorbiden Patienten
  • Bedeutung präventiver Maßnahmen im Alter
  • Individuell abgestimmte Präventions- und Betreuungskonzepte
  • Zusammenarbeit von Praxisteam, Pflegekräften und Angehörigen
  • Erhalt von Mundgesundheit und Lebensqualität im Alter

Teilnehmer erhielten einen Fortbildungspunkt gemäß BZÄK/DGZMK und konnten die vorgestellten Konzepte direkt in ihrer Praxis umsetzen.

Zusammenarbeit von Praxisteam, Pflegekräften und Angehörigen

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Prävention:

  • Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen ermöglichen frühzeitiges Erkennen von Karies und Parodontitis.
  • Einbindung von Pflegekräften reduziert den Unterstützungsbedarf und minimiert akute zahnmedizinische Probleme.
  • Einbeziehung von Angehörigen stärkt die häusliche Mundpflege und unterstützt die Umsetzung individueller Präventionspläne.

Durch diese Kooperation lässt sich die Gefahr von Komplikationen deutlich verringern und die Mundgesundheit langfristig erhalten.

Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit

Ein unzureichender Fokus auf die Mundgesundheit im Alter kann zu einem Rückgang der allgemeinen Lebensqualität führen. Im Gegenteil: Präventive Maßnahmen, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind, fördern nicht nur die Zahngesundheit, sondern haben auch positive Effekte auf das allgemeine Wohlbefinden. Regelmäßige Kontrollen und die Zusammenarbeit mit Pflegekräften können den Unterstützungsbedarf verringern und die Gefahr akuter zahnmedizinischer Probleme minimieren.

Fazit

Die Daten der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigen eindeutig, dass immer mehr Menschen über 65 Jahre ihre eigenen Zähne behalten; Zahnlosigkeit ist bei jüngeren Senioren selten geworden. Damit bleiben aber auch mehr Zähne, an denen Karies und Parodontitis entstehen können. Diese Entwicklung macht klar, dass die bloße Zahnerhaltung nicht ausreicht. Präventive Maßnahmen, individuell abgestimmte Betreuungskonzepte und eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt, Praxisteam, Pflegekräften und Angehörigen sind unerlässlich, um die Mundgesundheit und damit die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu sichern.

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