Die Krankheitsmechanismen des Körpers

krank maedel fieber
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Bis ins 20. Jahrhundert galten Krankheitserreger wie Viren, Pilze, Bakterien, Protozoen oder Parasiten als wichtigste Ursache von Krankheiten. Die Medizin war im Kampf gegen Tuberkulose, Cholera und andere Infektionskrankheiten sehr erfolgreich, Impfungen, Hygiene und Antibiotika haben Millionen Leben gerettet.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass viele Krankheiten nicht durch Erreger entstehen. Heute wissen wir, dass die meisten Erkrankungen mehrere Ursachen haben, die zusammenwirken.

Die Medizin unterscheidet heute unter anderem folgende Faktoren, die Krankheiten verursachen oder begünstigen:

  • Krankheitserreger
  • Genetische Veranlagung durch Vererbung
  • Alterungsprozesse (degenerative Erkrankungen)
  • Fehlfunktionen des Immunsystems (Autoimmunkrankheiten)
  • Unkontrolliertes Zellwachstum (Krebs)
  • Entzündliche Prozesse
  • Physikalische oder chemische Einflüsse (wie extreme Hitze oder Kälte, Strahlung oder Chemikalien)
  • Fehl- und Mangelernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol

Wie die Alternativmedizin Krankheitsursachen sieht

Genetische Vererbung

Die genetische Veranlagung ist ein wichtiger Einflussfaktor für Krankheiten und für die Widerstandskraft eines Menschen. Eine Veranlagung führt aber nicht in jedem Fall zur Erkrankung: Bei vielen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entscheidet der Lebensstil mit, ob und wann sie ausbrechen. Die Behauptung mancher alternativmedizinischer Richtungen, selbst erblich bedingte Krankheiten ließen sich durch Entgiftungsbehandlungen bessern, ist dagegen nicht belegt.

Degenerative Erkrankungen

auge rentner

Viele degenerative Erkrankungen und Beschwerden treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, darunter Osteoporose, Gelenkverschleiß, Arteriosklerose, Bluthochdruck, das Nachlassen des Sehvermögens, die Trübung der Augenlinse (Grauer Star), das Nachlassen von Gehör, Geruchs- und Geschmackssinn sowie Gedächtnisstörungen. Viele davon lassen sich heute gut behandeln oder zumindest bremsen, etwa durch Medikamente gegen Bluthochdruck oder eine Operation beim Grauen Star.

Unvermeidlich sind diese Erkrankungen nicht. Wie früh und wie stark sie auftreten, hängt neben den Genen auch von Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol und Körpergewicht ab.

Epidemiologische Vergleichsuntersuchungen zeigen, dass in Ländern, in denen sich westliche Lebens- und Ernährungsgewohnheiten verbreiten, auch Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden und bestimmte Krebsarten zunehmen.

Das spricht dafür, dass Umwelt und Lebensstil, besonders die Ernährung, das Risiko für viele Alterskrankheiten beeinflussen. Für manche Krebsarten wird ein Zusammenhang mit der Ernährung diskutiert, etwa mit viel rotem und verarbeitetem Fleisch beim Darmkrebs. Wer sich ausgewogen ernährt, sich bewegt und nicht raucht, senkt sein Risiko, kann Krankheiten aber nicht sicher verhindern.

Beispiel: Krebs

Krebs gehört zu den schwersten Erkrankungen überhaupt. Behandelt wird er je nach Art und Stadium mit Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, Hormon- oder Immuntherapie und zielgerichteten Medikamenten. Diese Behandlungen haben die Heilungschancen bei vielen Krebsarten deutlich verbessert. Die Medizin behandelt dabei nicht nur Symptome: Eine Operation entfernt den Tumor selbst, Früherkennung und Vorbeugung setzen bei den Ursachen an, etwa beim Rauchstopp oder bei der HPV-Impfung.

Manche Vertreter der Alternativmedizin behaupten, man könne die Selbstheilungskräfte des Körpers mithilfe diverser Maßnahmen reaktivieren und so auch Krebs heilen. Dafür gibt es keinen Beleg. Komplementäre Verfahren können eine Krebsbehandlung allenfalls begleiten, sie ersetzen Operation, Strahlen- oder Chemotherapie nicht. Wer auf eine wirksame Krebstherapie verzichtet, riskiert, dass eine heilbare Erkrankung unheilbar wird. Sprechen Sie ergänzende Mittel immer mit Ihrem Behandlungsteam ab, denn auch pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel können Wechselwirkungen mit der Therapie haben. Die ärztliche Leitlinie zur Komplementärmedizin in der Onkologie bewertet, welche begleitenden Verfahren sinnvoll sind und welche schaden können.

Beispiel: Grauer Star

Der Graue Star, eine Trübung der Augenlinse, ist im höheren Alter sehr häufig. Die Operation des Grauen Stars, bei der die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird, gehört zu den häufigsten Operationen bei älteren Menschen und gilt als sicher und wirksam.

Schon früh wurde vermutet, dass die Ernährung beim Grauen Star eine Rolle spielt. So schrieb das Journal of the American Optometric Association im Jahr 1993:

Möglicherweise könnte der Schaden verhindert oder eingedämmt werden, wenn die Ernährung durch bestimmte antioxidative Vitamine und Mineralstoffe ergänzt würde, die die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers gegen freie Radikale stärkenJournal of the American Optometric Association, 1993

Diese Vermutung hat sich in späteren großen Studien nicht bestätigt: Vitamin- und Mineralstoffpräparate konnten den Grauen Star dort nicht verhindern. Schützend wirken dagegen, soweit bekannt, Sonnenbrillen mit UV-Schutz, der Verzicht aufs Rauchen und eine gute Einstellung eines Diabetes.

Sichtweise der Alternativmedizin

Medikamente nur als Symptomkiller?

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Manche Vertreter der Naturheilkunde bezeichnen Medikamente pauschal als giftige Chemikalien mit Nebenwirkungen. Richtig ist: Jedes wirksame Arzneimittel kann Nebenwirkungen haben. Deshalb wird es nur zugelassen, wenn sein Nutzen die Risiken überwiegt, und es wird nach der Zulassung weiter überwacht.

Die Behauptung, Medikamente würden nur Symptome lindern und nicht die Ursachen der Krankheiten behandeln, greift zu kurz. Antibiotika töten Bakterien ab, Impfungen verhindern Infektionen, Insulin ersetzt ein fehlendes Hormon. Andere Mittel, etwa Schmerzmittel, lindern tatsächlich vor allem Beschwerden. Setzen Sie verordnete Medikamente nie ohne Rücksprache ab.

Übermäßiger Stress als weiterer Grund für Krankheiten

Studien zeigen, dass dauerhafter, übermäßiger Stress das Immunsystem schwächen kann. Chronischer Stress gilt außerdem als Risikofaktor für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen. Belastend sind dabei nicht nur seelische Faktoren wie emotionale Krisen oder Erschöpfung, sondern auch körperliche wie Verletzungen oder Schlafmangel.

Schlussfolgerung: Was Sie selbst tun können

Die Alternativmedizin führt nahezu alle Krankheiten auf drei Hauptursachen zurück:

  • Nährstoffmangel
  • Ansammlung von Giftstoffen
  • Übermäßiger Stress

Diese Sicht ist zu einfach. Ernährung und Stress sind wichtige Einflussfaktoren, die Vorstellung einer „inneren Vergiftung“ ist aber wissenschaftlich nicht belegt: Leber und Nieren entgiften den Körper fortlaufend. Trotzdem lohnt es sich, bei den Faktoren anzusetzen, die Sie selbst beeinflussen können:

  • Ernährung mit möglichst wenig stark verarbeiteten Nährstoffen und vielen Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, also viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn
  • Bewusste Auszeiten vom Alltag, auch Fasten- oder Detoxkuren werden dafür genutzt. Eine entgiftende Wirkung ist nicht belegt, sprechen Sie längere Kuren ärztlich ab
  • Weniger körperlicher und seelischer Stress, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung

Ein gesunder Lebensstil ersetzt aber keine ärztliche Behandlung. Nehmen Sie Vorsorgeuntersuchungen wahr und lassen Sie Beschwerden ärztlich abklären.