Gründung einer Zweitpraxis für Seniorenzahnmedizin – Fokus Pro-Age-Zahnmedizin

eine moderne zahnarztpraxis mit einem zahnarztstuhl geräten auf einem holztisch einem glas wasser einem tablet und einer topfpflanze in der nähe eines fensters

Der demografische Wandel in Deutschland führt zu einer stark wachsenden Gruppe älterer Menschen, die spezialisierte zahnmedizinische Versorgung benötigen. Insbesondere Bewohner von Pflegeheimen und Menschen in häuslicher Pflege mit den höchsten Pflegegraden stehen vor erheblichen Versorgungsdefiziten. Vor diesem Hintergrund hat Zahnarzt Matthias Krecker im Januar 2026 eine Zweitpraxis mit dem Schwerpunkt Pro-Age-Zahnmedizin in Extertal eröffnet, um die Lebensqualität dieser vulnerablen Patientengruppe nachhaltig zu verbessern.

Statistische Grundlagen der Alterszahnmedizin in Deutschland

  • Pflegebedürftige insgesamt: rund 5,7 Millionen Menschen (Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023).
  • Ein Teil von ihnen lebt in Pflegeheimen, die meisten werden zu Hause versorgt, darunter viele mit hohem Pflegegrad.

Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial für zahnmedizinische Leistungen im Seniorenbereich. Die Versorgung von Menschen mit hohem Pflegebedarf ist bislang nur unzureichend gedeckt.

Pro-Age-Zahnmedizin: Konzept und Bedeutung

Pro-Age-Zahnmedizin fokussiert sich auf die zahnmedizinische Versorgung älterer Menschen mit besonderen Bedürfnissen, etwa bei eingeschränkter Mobilität, kognitiven Beeinträchtigungen oder hohen Pflegegraden. Das Ziel ist, regelmäßige, nicht nur anlassbezogene Behandlungen sicherzustellen, um Schmerzen zu vermeiden, die Mundgesundheit zu erhalten und damit die allgemeine Lebensqualität zu steigern. Zur Schmerztherapie bei Senioren lesen Sie mehr im Beitrag Schmerztherapie in der Zahnmedizin.

  • Regelmäßige, aufsuchende Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen (Paragraf 119b SGB V).
  • Integration von Vollnarkose für Patienten, die nicht kooperativ sind.
  • Nachsorgende Mundpflege durch geschultes Praxispersonal.

Motivation und Zielsetzung von Dr. Matthias Krecker

Dr. Krecker betont, dass die Alterszahnmedizin bislang „stiefmütterlich“ behandelt wird. Er sah die Notwendigkeit, eine spezialisierte Praxis zu schaffen, die sowohl baulich als auch organisatorisch auf die Bedürfnisse von Pflegeheimbewohnern und Menschen in häuslicher Pflege zugeschnitten ist. Ziel ist es, ein zweites Standbein zu etablieren, das nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig ist.

Praxisplanung und bauliche Herausforderungen

Die neue Praxis entstand aus einer bestehenden Zahnarztpraxis, deren Innenwände erhalten blieben, während die restlichen 500 m² komplett kernsaniert wurden. Besonderheiten der Planung:

  • Ein voll ausgestattetes zahntechnisches Labor in derselben Etage.
  • Barrierefreie Zugänge: breite Schiebetüren, stufenfreie Wege und ein behindertengerechtes WC.
  • Spezieller Transportbereich mit überdachter Zufahrt für Krankentransportfahrzeuge, die Patienten innerhalb von drei Metern direkt in den Behandlungsraum bringen.
  • Moderne Ausstattung: deckenmontierte OP-Leuchte, mobiliertes intraorales Röntgengerät, integrierte Absaugung und großzügige Hinterkopfschränke.

Die baulichen Änderungen erforderten eine komplette Baugenehmigung, da das Gebäude zuvor als Fahrschule genutzt wurde. Die Zusammenarbeit mit dem Bauamt und den anderen Eigentümern des Hauses war notwendig, um die Nutzungsänderung zu realisieren.

Kooperation mit Pflegeheimen und häuslicher Pflege

Dr. Krecker hat bereits Kooperationsverträge mit zwei Heimen abgeschlossen – eines davon ein Vorzeigeheim für autistische Menschen. Die Zusammenarbeit basiert auf einem eigens entwickelten Formular, das Kontaktdaten von Angehörigen, gesetzlichen Betreuern und behandelnden Ärzten erfasst. So können schnelle Abstimmungen und eine reibungslose Dokumentation gewährleistet werden.

  • Regelmäßige Aufsuchungen vor Ort, um Befunde zu erstellen.
  • Erstellung individueller Pflegeanleitungen für das Heimpersonal.
  • Koordination mit Hauszahnärzten und Anästhesisten für Vollnarkose-Behandlungen.

Die Praxis plant, das Team aus fünf Personen (Behandler, Verwaltungsmitarbeiterin, zwei Assistentinnen, Azubi) zu den Heimen zu entsenden, um Vor-Ort-Mundpflege zu etablieren – ein Konzept, das an Friseur- oder Fußpflegedienste angelehnt ist.

Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsperspektiven

Die Finanzierung der Praxis wurde gemeinsam mit Gerl Dental und Achim Oldemeier erarbeitet. Ein Praxismanager mit diplomierter Wirtschaftsausbildung unterstützt die betriebswirtschaftliche Steuerung, sodass Dr. Krecker mehr Zeit für die klinische Arbeit hat. Die Praxis sieht sich als „zweites Standbein“, das langfristig durch Mitarbeitende und eigene Einnahmen finanziell tragfähig sein soll.

  • Finanzierungshilfen durch klare Controlling-Leitfäden.
  • Erwartete Alleinstellung durch Vollnarkose-Angebot in ländlicher Region.
  • Schwerpunktpraxen bündeln Erfahrung und Ausstattung für diese Patientengruppe.

Die Praxisplanung berücksichtigte zudem die langfristige Rentabilität, indem sie auf ergonomische Raumgestaltung und effiziente Arbeitsabläufe setzt.

FAQ zur Pro-Age-Zahnmedizin

Was ist Pro-Age-Zahnmedizin?

Ein Ansatz, der sich speziell auf die zahnmedizinische Versorgung älterer Menschen mit besonderen Bedürfnissen konzentriert.

Wie viele Senioren benötigen in Deutschland zahnärztliche Betreuung?

Ende 2023 waren laut Pflegestatistik rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig. Viele von ihnen, im Heim wie zu Hause, sind auf eine aufsuchende zahnärztliche Betreuung angewiesen.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Finanzierung?

Unsicherheit bei der Abrechnung von zahnmedizinischen Leistungen in Heimen kann die Verfügbarkeit und Qualität der Versorgung beeinträchtigen.

Fazit

Die Gründung der Zweitpraxis von Dr. Matthias Krecker demonstriert, wie gezielte Planung, enge Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen und ein klarer wirtschaftlicher Fokus die Versorgungslücken in der Pro-Age-Zahnmedizin schließen können. Die Pflegestatistik zeigt einen enormen, bislang unzureichend adressierten Bedarf. Durch barrierefreie Infrastruktur, integriertes Labor, Vollnarkose-Möglichkeiten und ein spezialisiertes Team wird nicht nur die medizinische Qualität gesteigert, sondern auch die Lebensqualität der Seniorinnen und Senioren nachhaltig verbessert. Die Praxis dient als Modell für weitere Schwerpunktpraxen, die in Deutschland dringend benötigt werden, um den demografischen Herausforderungen gerecht zu werden.