Silber kennen die meisten als Edelmetall für Schmuck und Besteck. Seit Langem wird ihm auch eine keimhemmende Wirkung zugeschrieben, und bereits in der Antike nutzten Menschen Silbergefäße, um Wasser und Speisen länger frisch zu halten. Heute wird „kolloidales Silber“ im Internet als Mittel gegen Erkältungen, Entzündungen und viele andere Beschwerden angeboten.
Hier erfahren Sie, was kolloidales Silber ist, was über seine Wirkung bekannt ist und warum Behörden und Verbraucherschützer dringend von der Einnahme abraten. Stand Oktober 2026.
Silber in der Geschichte der Medizin
Silber wurde schon in der Antike zur Versorgung von Wunden verwendet, etwa als Blattsilber auf Verbänden. Bis ins 20. Jahrhundert hinein kamen Silberverbindungen auch in Arzneien zum Einnehmen vor. Mit der Entdeckung der Antibiotika verschwanden sie weitgehend, auch weil die Nebenwirkungen bekannt wurden.
Heute setzt die Medizin Silber gezielt äußerlich ein: in silberhaltigen Wundauflagen und in Cremes zur Behandlung von Brandwunden. Das sind geprüfte Medizinprodukte oder Arzneimittel mit festgelegter Zusammensetzung, die in der Regel ärztlich oder pflegerisch angewendet werden. Mit den frei verkauften Silberlösungen zum Trinken haben sie wenig gemeinsam.
Was genau ist kolloidales Silber?
Kolloidales Silber, lateinisch „Argentum colloidale“, ist eine Flüssigkeit, in der winzige Silberteilchen in Wasser verteilt sind. Sie wird auch „Silberwasser“ oder „Silbersol“ genannt. Ein Teil dieser Teilchen ist so klein, dass er als Nanomaterial gilt. Die Konzentration wird meist in ppm (parts per million) angegeben: 10 ppm bedeuten 10 Milligramm Silber pro Liter.
Wofür wird kolloidales Silber beworben?
Anbieter und Ratgeber im Netz nennen eine lange Liste von Anwendungen, oft zum Einnehmen. Typisch sind:
- Erkältung und Infekte der Atemwege
- Halsschmerzen und Virusinfekte
- Bakterielle Entzündungen
- Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden
- Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch
- Allergien
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
Für keine dieser Anwendungen ist eine Wirkung beim Menschen durch Einnahme belegt. Das gilt auch für die Behauptung, kolloidales Silber könne Fremd- und Giftstoffe ausleiten, etwa Amalgam aus Zahnfüllungen, oder die Regeneration von Haut und Knochen fördern. Stiftung Warentest weist darauf hin, dass manche Anbieter das Mittel sogar gegen das Coronavirus empfohlen haben, ohne dass es dafür einen Beleg gab.
Wie wirkt Silber auf Keime?
Im Labor wirken Silberionen gegen viele Bakterien: Sie lagern sich an Eiweiße und Enzyme der Keime an und stören deren Stoffwechsel. Darauf beruht der Einsatz in Wundauflagen, wo das Silber direkt an der Wunde wirkt.
Aus Laborversuchen lässt sich aber nicht ableiten, dass eine getrunkene Silberlösung Infektionen im Körper heilt. Silber unterscheidet nicht zuverlässig zwischen Krankheitserregern und körpereigenen Zellen, und es reichert sich im Gewebe an. Die Behauptung, Nebenwirkungen seien „nicht zu befürchten“, ist falsch.
Welche Risiken hat die Einnahme?
Die bekannteste Folge ist die Argyrie: Silber lagert sich in Haut, Schleimhäuten und Nägeln ab und färbt sie dauerhaft grau bis blaugrau. Diese Verfärbung bildet sich in der Regel nicht zurück. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies bereits 2011 darauf hin, dass viele ältere Studien zu kolloidalem Silber nicht den Standards moderner Toxikologie entsprechen und neuere Untersuchungen nach oraler Aufnahme krankhafte Veränderungen etwa in der Leber zeigten. Das BfR rät von einem breiten Einsatz von Nanosilber in Verbraucherprodukten ab.
Silber kann außerdem die Aufnahme bestimmter Arzneimittel stören, zum Beispiel mancher Antibiotika oder von Schilddrüsenhormonen. Wer kolloidales Silber statt einer wirksamen Behandlung nimmt, riskiert zudem, dass eine ernsthafte Infektion verschleppt wird.
Für wen ist kolloidales Silber ungeeignet?
Von der Einnahme raten Fachleute grundsätzlich ab, bei Schwangeren, Stillenden und Kindern gilt das ganz besonders, weil hier keine Daten zur Sicherheit vorliegen. Auch bei Tieren sollten Sie kolloidales Silber nicht auf eigene Faust einsetzen, sondern bei Beschwerden die Tierarztpraxis fragen.
Wie ist kolloidales Silber rechtlich eingeordnet?
Der Markt für natürliche Heilmittel ist groß, und kolloidales Silber ist online leicht zu bekommen. Rechtlich ist die Lage aber eindeutig: Laut Stiftung Warentest ist kolloidales Silber in Deutschland weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Silber gehört nicht zu den Mineralstoffen, die Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden dürfen. Behörden haben Produkte zurückrufen lassen und warnen vor gesundheitsschädlichen Wirkungen.
Viele Anbieter weichen deshalb aus und verkaufen ihre Lösungen etwa als „Raumspray“ oder für technische Zwecke. An den Risiken einer Einnahme ändert das nichts. Auch in den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA bereits 1999 festgestellt, dass rezeptfreie Präparate mit kolloidalem Silber nicht als sicher und wirksam gelten.
Hinweise auf „Reinheit von 99,9 %“, bestimmte ppm-Werte oder besonders klares Wasser sagen nichts über Sicherheit oder Nutzen aus. Folgende Konzentrationen werden typischerweise angeboten:
- Kolloidales Silber mit 10 ppm
- Kolloidales Silber mit 25 ppm
- Kolloidales Silber mit 40 ppm
- Kolloidales Silber mit 50 ppm
- Kolloidales Silber mit 100 ppm
- Kolloidales Silber mit 250 ppm
Je höher die Konzentration, desto mehr Silber nehmen Sie auf. Eine „beste“ Konzentration für die Einnahme gibt es nicht, denn ein Nutzen ist für keine davon belegt.
Eine Qualitätsprüfung wie bei Arzneimitteln findet für diese Produkte nicht statt. Auch die Bezeichnung „Apothekenqualität“ ist kein Beleg für eine geprüfte Wirkung.
Wenn Sie eine Infektion oder anhaltende Beschwerden haben, lassen Sie sich in einer Arztpraxis oder Apotheke zu geprüften Behandlungen beraten.
Was ist bei Lagerung und Entsorgung zu beachten?
Falls Sie noch kolloidales Silber im Haus haben, gilt vor allem eines: nicht einnehmen. Für Lagerung und Entsorgung sind diese Punkte wichtig:
- Bewahren Sie die Flasche für Kinder unerreichbar auf, da sie leicht mit Wasser verwechselt werden kann.
- Licht kann die Silberteilchen verändern und verklumpen lassen. Angaben zu „elektromagnetischen Feldern“ etwa vom Kühlschrank sind dagegen ohne Grundlage.
- Reste gehören nicht ins Abwasser, da Silber für Wasserorganismen giftig ist. Fragen Sie bei Ihrem Wertstoffhof oder in der Apotheke nach der Entsorgung.
Was ist bei der Anwendung von kolloidalem Silber zu beachten?
In Ratgebern wird zwischen innerer und äußerer Anwendung unterschieden. Für beide gilt: Frei verkauftes kolloidales Silber ist kein geprüftes Arzneimittel, und eine Wirkung ist nicht belegt.
Innere Anwendung: davon wird dringend abgeraten
Stiftung Warentest rät dringend von der Einnahme ab. Die versprochenen Wirkungen sind nicht belegt, die Einnahme kann zu einer bleibenden Grauverfärbung der Haut (Argyrie) führen. Ratschläge wie „nicht mit dem Metalllöffel einnehmen“ oder „30 Sekunden im Mund behalten“ ändern daran nichts.
Besonders kritisch ist die Behauptung, kolloidales Silber habe keine Wechselwirkungen und könne Antibiotika unterstützen. Silber kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika verringern. Nehmen Sie verordnete Arzneimittel immer wie besprochen ein und setzen Sie sie nicht zugunsten von Silberwasser ab.
Im Netz kursieren Empfehlungen für diese Anwendungsformen:
- Lösung zum Einnehmen
- Ohrentropfen
- Inhalationsspray
- Inhalation
- Augentropfen
Keine davon ist für frei verkauftes kolloidales Silber geprüft. Gerade an Augen, Ohren und Atemwegen können nicht sterile oder ungeeignete Lösungen Schäden anrichten. Bei Beschwerden an Augen oder Ohren gehört die Behandlung in fachärztliche Hände. Auch Dosierungstabellen nach Körpergewicht, wie sie im Internet und früher auch auf dieser Seite zu finden waren, sind keine Grundlage für eine sichere Einnahme. Stattdessen hier die Einschätzungen der Fachstellen im Überblick:
| Stelle | Einschätzung |
| Stiftung Warentest | Von der Einnahme ist dringend abzuraten, Wirkungen sind nicht belegt. |
| Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) | Rät von breitem Einsatz von Nanosilber in Verbraucherprodukten ab, Hinweise auf Gewebeveränderungen nach oraler Aufnahme. |
| Rechtsstatus in Deutschland | Weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. |
| US-Arzneimittelbehörde FDA | Rezeptfreie Präparate mit kolloidalem Silber gelten seit 1999 nicht als sicher und wirksam. |
| Häufigste Nebenwirkung | Argyrie: bleibende Grauverfärbung von Haut, Schleimhäuten und Nägeln. |
| Wechselwirkungen | Möglich, unter anderem mit manchen Antibiotika und Schilddrüsenhormonen. |
Die Argyrie ist keine harmlose Kosmetikfrage: Sie gilt als dauerhaft und lässt sich kaum behandeln. Wenn Sie kolloidales Silber eingenommen haben und eine Verfärbung bemerken oder sich unwohl fühlen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Äußerliche Anwendung: geprüfte Produkte bevorzugen
Für die äußerliche Anwendung werden unter anderem diese Formen angeboten:
- Sprays
- Pflaster
- Verbände oder Umschläge
- Cremes und Salben
- Badezusätze
Silberhaltige Wundauflagen und Cremes aus der Apotheke sind als Medizinprodukte oder Arzneimittel geprüft und haben ihren Platz, etwa bei schlecht heilenden Wunden oder Verbrennungen, meist nach ärztlicher Empfehlung. Für selbst gemischte Umschläge, Badezusätze oder Silberwasser auf der Haut gibt es keine belastbaren Belege. Bei Hauterkrankungen, entzündeten Wunden oder Muskelbeschwerden lassen Sie sich besser ärztlich beraten.
Kolloidales Silber selber machen?
Im Internet gibt es Anleitungen und Geräte, um kolloidales Silber selbst herzustellen. Dafür werden genannt:
- Destilliertes Wasser
- Ein Generator
- Silberelektroden
- Ein Messgerät
Dabei wird Strom durch Silberelektroden im Wasser geleitet, wodurch sich Silberteilchen lösen. Durch das Anlegen der Spannung lösen sich allerdings unkontrolliert unterschiedlich große Teilchen und Silberionen. Wie viel Silber am Ende tatsächlich in der Lösung ist, lässt sich mit einfachen Haushaltsmessgeräten nicht zuverlässig bestimmen. Selbst hergestelltes Silberwasser ist deshalb noch weniger kalkulierbar als gekaufte Produkte. Wir raten davon ab.
Fazit zu kolloidalem Silber
Silber hat in der Medizin eine lange Geschichte und wird bis heute gezielt äußerlich eingesetzt, etwa in Wundauflagen. Kolloidales Silber zum Einnehmen ist dagegen kein Heilmittel.
Der Wunsch nach natürlichen Behandlungsmethoden ist verständlich. „Natürlich“ heißt aber nicht harmlos: Für die beworbenen Wirkungen fehlen Belege, die Einnahme kann eine bleibende Grauverfärbung der Haut auslösen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben.
Kolloidales Silber ist in Deutschland weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, und Stiftung Warentest rät dringend von der Einnahme ab. Das gilt für Erwachsene, für Schwangere und Kinder erst recht.
In die Hausapotheke gehört kolloidales Silber deshalb nicht, auch nicht für Haustiere. Bei Infekten, Entzündungen oder anhaltenden Beschwerden sind Arztpraxis, Tierarztpraxis und Apotheke die richtigen Ansprechpartner für eine geprüfte Behandlung.















