Gesundheit

E-Zigaretten-Liquids: Gesünder ohne Nikotin?

Viele Raucherinnen und Raucher steigen auf die E-Zigarette um, weil sie als weniger schädlich gilt. Doch wie steht es um Liquids ohne Nikotin: Sind sie wirklich gesünder, oder ist auch nikotinfreies Dampfen mit Risiken verbunden? Wir fassen den aktuellen Wissensstand zusammen.

Warum Menschen zur E-Zigarette greifen

Wer von der herkömmlichen Zigarette wegkommen möchte, versucht es oft mit der E-Zigarette. Sie wird mit einem Liquid befüllt, das eine Heizspirale erhitzt und verdampft. Genau genommen spricht man deshalb nicht vom Rauchen, sondern vom Dampfen.

Gleichzeitig ist das Rauchen bei Jugendlichen über die Jahre deutlich zurückgegangen. Laut der verlinkten Quelle griffen im Jahr 2021 nur noch 12 Prozent der 14- bis 18-Jährigen zur Zigarette. Aktuelle Zahlen zum Rauch- und Dampfverhalten Jugendlicher veröffentlicht das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA).

Liquids gibt es mit verschiedenen Nikotinstärken und ohne Nikotin. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, beginnt meist mit nikotinhaltigen Liquids. Daneben werden nikotinfreie Liquids für E-Zigaretten oft als „gesunde Liquids“ beworben. Ob diese Bezeichnung zutrifft, klären die folgenden Abschnitte.

Nikotinfreie Liquids gibt es in vielen Geschmacksrichtungen, von Tabakaroma bis zu süßen Fruchtsorten. Gerade die Aromen machen das Dampfen für junge Menschen attraktiv, was Fachleute kritisch sehen. Für E-Zigaretten und Liquids, auch nikotinfreie, gelten in Deutschland Werbeverbote, unter anderem im Internet und seit 01.01.2024 auch auf Plakaten.

Nikotinfreie Liquids: Was sie leisten können

Wer von der Zigarette auf die E-Zigarette umgestiegen ist, kann die Nikotinmenge schrittweise verringern, bis er schließlich bei nikotinfreien Liquids ankommt. Für manche Menschen ist das ein Weg, sich von der Nikotinabhängigkeit zu lösen, während die gewohnte Handbewegung zunächst erhalten bleibt.

Ziel sollte dabei sein, am Ende ganz auf das Dampfen zu verzichten. Wer dauerhaft weiterdampft oder Zigarette und E-Zigarette parallel nutzt, profitiert gesundheitlich deutlich weniger.

Studien haben untersucht, wie gut die E-Zigarette beim Rauchstopp hilft. Raucher, die eine E-Zigarette bekamen, hörten

nach einem Jahr häufiger mit dem Rauchen auf als Raucher, die Nikotinpflaster erhielten. Ein Teil von ihnen

dampfte allerdings weiter. (Quelle)

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, findet außerdem Unterstützung in Beratungsangeboten, Kursen der Krankenkassen und bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Für Gelegenheitsdampfer, die nie geraucht haben, gilt dagegen: Auch nikotinfreie Liquids sind kein harmloses Genussmittel, und wer nicht dampft, sollte gar nicht erst damit anfangen.

Häufig heißt es, das Aroma nikotinfreier Liquids sei intensiver als das nikotinhaltiger. Das ist eine Frage des Geschmacks, ein gesundheitlicher Vorteil folgt daraus nicht.

Sind „gesunde Liquids“ für E-Zigaretten wirklich gesund?

Kurz gesagt: nein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt klar, dass auch nikotinfreie Liquids nicht unbedenklich sind. Sie enthalten dieselben Grundstoffe und Aromen wie nikotinhaltige Liquids und bergen ähnliche Risiken.

Beim Erhitzen können krebserzeugende Stoffe wie Formaldehyd und Acetaldehyd sowie das zellschädigende Acrolein entstehen. Wie viel davon im Dampf landet, hängt vom Gerät, der Leistung und dem Füllstand ab. Der Dampf kann außerdem das Herz-Kreislauf-System belasten. Häufige Beschwerden beim Dampfen sind ein trockener Mund und Reizungen von Hals und Atemwegen.

Einige Aromastoffe können Allergien auslösen. Hauptbestandteile jedes Liquids sind Glycerin und Propylenglykol. Diese Stoffe sind zwar auch in Kosmetik und Lebensmitteln zugelassen, dort werden sie aber gegessen oder auf die Haut aufgetragen und nicht erhitzt und eingeatmet.

Auch hochreines Propylenglykol in pharmazeutischer Qualität ändert daran nichts:

Die Langzeitfolgen des Einatmens von Propylenglykol und Glycerin sind laut BfR nicht bekannt.

Richtig ist: Ohne Nikotin fehlt der Stoff, der abhängig macht und Herz und Gefäße zusätzlich belastet. Nikotinfreie Liquids sind deshalb weniger riskant als nikotinhaltige, aber nicht risikofrei.

Im Vergleich zur Tabakzigarette gilt: Bei der E-Zigarette wird nichts verbrannt, sondern verdampft. Beim Verbrennen von Tabak entstehen sehr viele giftige und krebserzeugende Stoffe, der Dampf von E-Zigaretten enthält davon deutlich weniger. Dampfen ist daher weniger schädlich als Rauchen. Auch Passivdampfen ist aber nicht folgenlos: Umstehende atmen Stoffe aus dem Dampf ein. Das BfR rät, im Beisein von Kindern, Schwangeren und kranken Menschen nicht zu dampfen.

Vitamin E in Liquids: Was steckte hinter den Lungenschäden in den USA?

Im Zusammenhang mit E-Zigaretten taucht immer wieder das Thema Vitamin E auf. Was hat es damit auf sich?

In den USA erkrankten 2019 und Anfang 2020 nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC mehr als 2.800 Menschen an schweren Lungenschäden, 68 starben. Die Betroffenen hatten E-Zigaretten genutzt.

Im Verdacht steht vor allem Vitamin-E-Acetat, ein öliger Zusatzstoff, der in vielen der betroffenen Produkte gefunden wurde. Vitamin E ist in Lebensmitteln ein wichtiger Nährstoff, eingeatmet kann diese Verbindung die Lunge jedoch schädigen. Eindeutig als alleinige Ursache nachgewiesen ist Vitamin-E-Acetat laut BfR nicht.

Gefunden wurde der Stoff vor allem in THC-haltigen Liquids, oft vom Schwarzmarkt, in denen er als Verdünnungsmittel diente. In Deutschland sind Vitamine als Zusatz in Liquids verboten. Eine Untersuchung des BfR aus dem Jahr 2020 fand nur in einer Probe Spuren von Vitamin-E-Acetat.

Für Verbraucher heißt das: Kaufen Sie Liquids nur im regulären Handel und verzichten Sie auf selbst gemischte oder illegale Produkte. Unbedenklich sind nikotinfreie Liquids deshalb trotzdem nicht.

Fazit

Auch nikotinfreie Liquids sind nicht unbedenklich. Beim Erhitzen können krebserzeugende Stoffe wie Formaldehyd und Acetaldehyd entstehen, Aromastoffe können Allergien auslösen, und die Langzeitfolgen sind nicht geklärt. Der Dampf enthält Stoffe, die auch Umstehende einatmen. Dampfen ist weniger schädlich als Rauchen, aber nicht risikofrei.

Für Raucher kann der vollständige Umstieg auf die E-Zigarette ein Zwischenschritt zum Rauchstopp sein. Das gesündeste Ziel bleibt, weder zu rauchen noch zu dampfen. Wer nie geraucht hat, sollte auch mit nikotinfreien Liquids nicht anfangen. Liquids werden in Deutschland außerdem besteuert, seit 01.01.2026 mit 0,32 Euro je Milliliter (Stand Oktober 2026).

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