Der Konsum von Suchtmitteln am Arbeitsplatz stellt ein zentrales Risiko für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten dar. Aktuelle Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHSS) verdeutlichen das Ausmaß des Problems, die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen und die vorhandenen Defizite in der betrieblichen Prävention.
Umfang der Suchtmittelproblematik am Arbeitsplatz
Laut einer repräsentativen DGUV-Umfrage, an der mehr als 2.000 Erwerbstätige teilnahmen, kennt jeder vierte Beschäftigte Fälle, in denen Kolleg*innen innerhalb der letzten zwei Jahre durch Alkohol, Cannabis oder andere Suchtmittel am Arbeitsplatz auffielen. Alkohol ist dabei mit 21 % das am häufigsten genannte Suchtmittel, gefolgt von Cannabis und Nikotin mit jeweils 5 %.
- 25 % der Erwerbstätigen geben an, selbst problematischen Suchtmittelkonsum zu erleben (2023, Quelle S1).
- 18,5 % der Erwerbstätigen zeigen einen riskanten Alkoholgebrauch – definiert als übermäßiger Konsum mit gesundheitlichen Risiken (2021, BZgA).
Besonders häufig wird problematischer Konsum in den Branchen Verkehr und Logistik, Sozialwesen, öffentliche Verwaltung sowie im verarbeitenden Gewerbe berichtet.
Wirtschaftliche Folgen des Suchtmittelmissbrauchs
Der finanzielle Impact von Suchtmittelmissbrauch ist enorm. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt, dass in deutschen Unternehmen jährlich mehr als 30 Milliarden Euro an Folgekosten entstehen. Diese Summe umfasst Produktionsausfälle, Behandlungskosten für betroffene Mitarbeitende und Kosten, die durch Fluktuation und Neueinstellungen entstehen (2022, Quelle S2).
Die monetären Belastungen verdeutlichen, dass Suchtmittelkonsum nicht nur ein gesundheitliches, sondern auch ein erhebliches betriebswirtschaftliches Risiko darstellt.
Aktuelle Situation der Prävention in Unternehmen
Die DGUV-Umfrage zeigt deutliche Defizite in der betrieblichen Suchtprävention:
- Fast jeder zweite Beschäftigte kennt die Regelungen des eigenen Unternehmens zum Umgang mit Suchtmitteln nicht.
- 48 % der Betriebe verfügen über Betriebs- oder Dienstvereinbarungen zum Thema Suchtmittel.
- Nur 28 % der Befragten erleben eine offene Gesprächskultur zum Thema Suchtmittelkonsum.
- Knapp die Hälfte beschreibt den betrieblichen Umgang mit dem Thema als zurückhaltend.
Diese Zahlen belegen, dass trotz vorhandener Regelungen die Umsetzung und Kommunikation häufig unzureichend sind.
Unterstützungsangebote und Handlungsempfehlungen
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bieten Unternehmen gezielte Unterstützung an, um die Prävention zu stärken:
- Beratungen zur Entwicklung und Implementierung von Suchtpräventionsprogrammen.
- Qualifizierungen und Schulungen für Führungskräfte und Personalverantwortliche.
- Digitale Lernangebote, die flexibel in betriebliche Weiterbildungsprogramme integriert werden können.
Die DGUV empfiehlt als zentrale Bausteine einer wirksamen Prävention:
- Klar definierte betriebliche Regelungen zum Umgang mit Suchtmitteln.
- Gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung, die Stress und Belastungen reduziert.
- Eine offene Kommunikationskultur, die es Mitarbeitenden ermöglicht, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Durch die Kombination dieser Maßnahmen können Unternehmen nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden schützen, sondern auch erhebliche Kosteneinsparungen erzielen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Welche Unternehmen bieten Unterstützung zur Suchtprävention an? Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bieten Beratungen, Qualifizierungen und digitale Lernangebote zur betrieblichen Suchtprävention an.
Fazit
Problematischer Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz ist weit verbreitet und hat sowohl gravierende gesundheitliche als auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die vorliegenden Zahlen – von einem Viertel der Beschäftigten, die problematischen Konsum kennen, über 30 Milliarden Euro jährliche Folgekosten bis hin zu unzureichender Kenntnis betrieblicher Regelungen – zeigen eindeutig Handlungsbedarf. Eine konsequente Präventionsstrategie, die klare Regelungen, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen und eine offene Kommunikationskultur vereint, kann sowohl die Sicherheit der Mitarbeitenden erhöhen als auch erhebliche finanzielle Belastungen für Unternehmen reduzieren. Unternehmen, die die angebotenen Beratungs- und Schulungsleistungen von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen nutzen, sind gut positioniert, um wirksame Präventionsprogramme zu implementieren und damit langfristig Gesundheit und Wirtschaftlichkeit zu sichern.
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