Parodontitis betrifft fast die Hälfte aller Erwachsenen (47 % im Jahr 2019, Quelle S1) und erhöht das Risiko für schwere Systemerkrankungen. Die neu entwickelte Zahnpasta aus dem Fraunhofer-Spin-off PerioTrap nutzt die Substanz Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat, um gezielt die Erreger zu hemmen, ohne das gesunde orale Mikrobiom zu schädigen. Dieser Ansatz verspricht nicht nur eine bessere Mundgesundheit, sondern könnte auch das Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen senken.
Herausforderung: Parodontitis und ihre systemischen Risiken
Der Erreger Porphyromonas gingivalis ist ein zentraler Auslöser der Parodontitis. Studien zeigen, dass das Vorhandensein dieses Bakteriums das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes um das Zwei- bis Dreifache erhöht (2022). Damit stellt die Bekämpfung dieses Erregers nicht nur eine zahnmedizinische, sondern auch eine präventive Maßnahme für die allgemeine Gesundheit dar.
Wichtige Kennzahlen
- Erkrankungsrisiko bei Vorhandensein von P. gingivalis: 2-3 × höher (2022)
- Prävalenz von Parodontitis bei Erwachsenen: 47 % (2019, Quelle S1)
- Studien zu P. gingivalis bis 2022: 120 Studien (Quelle S2)
Die innovative Substanz Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat
Die Substanz blockiert gezielt das Wachstum von Parodontitis-Erregern. Prof. Stephan Schilling (Leiter Fraunhofer-IZI-Außenstelle Molekulare Wirkstoffbiochemie) erklärt: „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht ab, sondern blockiert nur deren Wachstum. Sie können ihre giftige Wirkung nicht entfalten, und die gesunden Keime können ihnen sonst verwehrte Nischen besetzen.“
Wie die neue Zahnpasta das orale Mikrobiom schützt
Im Gegensatz zu herkömmlichen Mundspülungen, die sowohl pathogene als auch nützliche Bakterien zerstören, bewahrt die neue Zahnpasta das natürliche Gleichgewicht. Nach der Anwendung von Chlorhexidin beispielsweise besiedelt sich die Mundflora innerhalb von 1-2 Wochen erneut, wobei pathogene Keime bevorzugt wachsen. Die neue Technologie verhindert diesen Ungleichgewichtseffekt und unterstützt langfristig die gesunde Bakterienpopulation.
Vergleich zu herkömmlichen Produkten
- Alkohol- oder Chlorhexidin-Mundspülungen: töten sowohl schädliche als auch nützliche Bakterien; Wiederbesiedelungszeitraum 1-2 Wochen; fördert Wachstum pathogener Keime.
- Neue Fraunhofer-Zahnpasta: blockiert ausschließlich das Wachstum von P. gingivalis und ähnlichen Erregern; erhält gesunde Mikroben; unterstützt ein stabiles Mikrobiom.
Entwicklung und Markteinführung durch Fraunhofer-Spin-off PerioTrap
Die Basis der Technologie stammt aus einem EU-Projekt mit internationalen Partnern. 2018 wurde das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals in Halle gegründet. In enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) entstand die Mikrobiom-Zahnpasta. Dr. Mirko Buchholz, Mitgründer, betont: „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis und enthält, wie eine normale Zahnpasta, Putzstoffe und Fluorid zur Kariesprophylaxe.“ Das IMWS testete jede Variante auf Wirksamkeit.
Zusätzlich entwickelte PerioTrap ein Pflege-Gel, das nach einer professionellen Zahnreinigung appliziert wird. Es blockiert pathogene Bakterien, stabilisiert die Mundflora und hält das Zahnfleisch gesund – ein weiterer Schritt zu nachhaltigen Lösungen im Bereich der Mundpflege.
Studien zur Wiederbesiedelung der Mundflora
Forschungsergebnisse zeigen, dass die Wiederbesiedelung nach antibakteriellen Mundspülungen häufig zu einem Ungleichgewicht führt und das Wachstum pathogener Keime begünstigt. Der Wiederbesiedelungszeitraum beträgt 1-2 Wochen, wobei Chlorhexidin das Wachstum von P. gingivalis innerhalb dieses Zeitraums fördert. Diese Befunde unterstreichen, dass die neue Zahnpasta eine nachhaltigere Lösung zur Erhaltung einer gesunden Mundflora darstellt.
Risiken und offene Fragen
Ein kritischer Punkt bleibt die Langzeitwirkung der neuen Zahnpasta. Es ist noch zu untersuchen, ob langfristiger Einsatz zu Resistenzen gegen die Substanz führen kann. Eine gründliche Evaluation ist notwendig, um die Sicherheit und Wirksamkeit über Jahre hinweg zu bestätigen.
FAQ zur neuen Zahnpasta
- Wie wirkt die neue Zahnpasta genau? Die Zahnpasta blockiert das Wachstum von schädlichen Bakterien wie Porphyromonas gingivalis, ohne die gesunde Mundflora zu schädigen.
- Haben herkömmliche Mundspülungen Nebenwirkungen? Ja, viele herkömmliche Mundspülungen töten auch nützliche Bakterien, was zu einem Ungleichgewicht der Mundflora führen kann.
Fazit
Die Fraunhofer-Entwicklung einer Zahnpasta, die gezielt Parodontitis-Erreger hemmt und gleichzeitig das orale Mikrobiom schützt, adressiert ein zentrales Problem der modernen Mundpflege. Angesichts der hohen Prävalenz von Parodontitis und der damit verbundenen systemischen Gesundheitsrisiken bietet die Technologie eine vielversprechende, nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Produkten. Während weitere Langzeitstudien nötig sind, um mögliche Resistenzen zu prüfen, legt die aktuelle Evidenz nahe, dass diese Innovation die Prävention von Parodontitis und die allgemeine Gesundheit signifikant verbessern kann.
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