Zahnmedizin für Praxis und Labor

Zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern – aktuelle Herausforderungen und politische Maßnahmen

eine moderne zahnarztpraxis mit einem behandlungsstuhl zahnärztlichen instrumenten und einem monitor auf dem eine zahnröntgenaufnahme zu sehen ist durch große fenster blickt man auf eine landschaft mit feldern und bäumen

Die wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung ist ein zentraler Faktor für die Gesundheit der Bevölkerung, besonders in ländlichen Regionen mit geringer Dichte. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit rund 1,6 Millionen Einwohnern und der geringsten Bevölkerungsdichte Deutschlands, stellt die Sicherstellung einer flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung eine permanente gesundheitspolitische Aufgabe dar.

Rückgang der Vertragszahnärzte – Fakten und Folgen

Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der niedergelassenen Vertragszahnärzte in Deutschland deutlich gesunken. Dieser Rückgang wirkt sich besonders stark in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern aus, wo bereits eine kritische Lage herrscht.

Unterversorgung in ländlichen Regionen

Eine drohende Unterversorgung wurde bereits im Dezember 2024 im KfO-Planungsbereich Ludwigslust-Parchim festgestellt und im April 2026 für Nordwestmecklenburg bestätigt. Diese formalen Feststellungen ermöglichen die Einrichtung gezielter Maßnahmen wie die Landzahnarztquote.

Bevorstehende Ruhestandswelle und ihre Auswirkungen

Ein weiteres Fünftel der Praxisinhaber steht kurz vor dem Ruhestand. Zusammen mit dem Rückgang der Vertragszahnärzte führt dies zu einer zusätzlichen Belastung der Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum. Zum demografischen Ersatzbedarf lesen Sie auch unseren Beitrag Demografischer Ersatzbedarf in der Zahnärzteschaft.

Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung

Nachwuchsförderung und Praxisnachfolge

Seit Jahren werden vielfältige Initiativen umgesetzt, um junge Zahnärzte für die Niederlassung zu gewinnen und Praxisnachfolgen zu erleichtern:

  • Angebote zur Berufsfelderkundung
  • Informationsveranstaltungen wie der “Tag der Chancen”
  • Förderinstrumente aus dem Strukturfonds
  • Intensive Niederlassungsberatung
  • Beratung von Kommunen zur Steigerung der Standortattraktivität
  • Seminare für Praxisabgeber zu Vorbereitungs- und Weiterbildungsassistenten
  • Flexible Arbeitsmodelle und gleitende Übergangsmodelle für Berufseinsteiger

Erweiterung der Landarztquote auf Zahnärzte

Das Gesundheitsversorgungsunterstützungsgesetz (GVUG M-V) vom 2. Februar 2026 erlaubt die Ausweitung der Landarztquote auf Zahnärzte. Ab dem Wintersemester 2026/27 werden jeweils vier Studienplätze pro Jahr in Rostock und Greifswald über die Landzahnarztquote vergeben. Insgesamt stehen in Mecklenburg-Vorpommern 80 Studienplätze pro Jahr in der Zahnmedizin zur Verfügung.

Die ersten Auswahlgespräche wurden bereits durchgeführt; die Bilanz des Programms wird nach weiteren Runden erstellt.

Flexibilisierung von Arbeitsmodellen

Die Zahl der angestellten Zahnärzte in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu, während die Zahl der niedergelassenen zurückgeht. Übergangsmodelle, Teilzeit- und Anstellungsoptionen ermöglichen es jungen Kolleginnen und Kollegen, Praxisnähe zu erleben, bevor sie eine eigene Niederlassung gründen.

Kontroverse Themen

Zulassungssperren in überversorgten Regionen

Zulassungssperren in Regionen mit angeblicher Überversorgung werden als Steuerungsinstrument diskutiert; für Vertragszahnärzte gibt es eine solche Bedarfszulassung seit 2007 nicht mehr, und sie würde die Berufsfreiheit einschränken. Kritiker warnen zudem, dass solche Sperren die Versorgungsstrukturen langfristig destabilisieren und die tatsächliche Versorgungssituation – etwa in wichtigen Zentren wie Wismar – nicht adäquat abbilden.

Fachzahnarztvorbehalt in der Kieferorthopädie

Die Landeszahnärztekammer MV lehnt einen Fachzahnarztvorbehalt für die Kieferorthopädie ab. Nach Ansicht von Präsidentin Stefanie Tiede gibt es keinen erkennbaren Mehrwert; die Versorgung erfolgt bereits auf hohem fachlichem Niveau, und ein Vorbehalt würde die Berufsausübung unnötig einschränken.

Wann tritt die Erhöhung der Studienplätze über die Landarztquote in Kraft?

Die neuen Studienplätze werden ab dem Wintersemester 2026/27 vergeben.

Fazit

Die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern steht vor einer doppelten Herausforderung: dem anhaltenden Rückgang der Vertragszahnärzte und einer bevorstehenden Ruhestandswelle. Gleichzeitig zeigen demografische Veränderungen und die Abwanderung jüngerer Menschen die Notwendigkeit gezielter politischer Maßnahmen. Die Erweiterung der Landarztquote auf Zahnärzte, die Förderung von Nachwuchs- und Nachfolgemodellen sowie die Flexibilisierung von Arbeitsformen bilden zentrale Bausteine, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Kontroverse Instrumente wie Zulassungssperren oder ein Fachzahnarztvorbehalt werden kritisch hinterfragt, weil sie die Berufsfreiheit gefährden könnten, ohne nachweisbaren Nutzen. Eine nachhaltige Lösung erfordert einen ausgewogenen Mix aus politischen Rahmenbedingungen, regionalen Initiativen und einer starken Selbstverwaltung, die gemeinsam darauf abzielt, die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern langfristig zu stabilisieren und zu verbessern.

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