Darf man beim Fasten Alkohol trinken?

Darf man beim fasten Alkohol trinken

Nein, während des Fastens sollten Sie keinen Alkohol trinken. Beim Heilfasten und bei jedem mehrtägigen Fasten ist Alkohol tabu, weil er auf leeren Magen stärker wirkt, Unterzuckerungen auslösen kann und dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entzieht. Beim Intervallfasten beendet jedes alkoholische Getränk die Fastenphase, denn Alkohol liefert Kalorien. Im Essensfenster ist ein Glas zwar möglich, gesundheitlich empfehlenswert ist es aber auch dann nicht. In der christlichen Fastenzeit ist der Verzicht auf Alkohol eine verbreitete, freiwillige Übung, im Islam ist Alkohol nicht nur im Ramadan, sondern grundsätzlich verboten.

Warum Alkohol und Fasten nicht zusammenpassen

Alkohol wirkt auf leeren Magen stärker

Ohne Nahrung im Magen gelangt Alkohol schneller ins Blut, und der Blutalkohol steigt höher als nach einer Mahlzeit. Schon kleine Mengen beeinträchtigen dann Reaktionsvermögen, Gleichgewicht und Urteilsvermögen. Nach einigen Fastentagen und mit weniger Körpergewicht verstärkt sich dieser Effekt.

Schwimmer krault durch eine überflutete Landstraße, Fotomontage

Gefahr der Unterzuckerung

Beim Fasten hält die Leber den Blutzucker stabil, indem sie neuen Zucker bildet. Alkohol bremst genau diesen Vorgang, weil die Leber ihn vorrangig abbaut. Sind die Zuckerspeicher nach einigen Fastenstunden leer, kann der Blutzucker deutlich fallen. Zittern, Schwitzen, Schwäche und Verwirrtheit sind die Folge und lassen sich leicht mit einem Rausch verwechseln. Besonders gefährlich ist das für Menschen, die Diabetesmedikamente einnehmen.

Flüssigkeit und Mineralstoffe

Alkohol wirkt harntreibend. Beim Fasten verliert der Körper ohnehin mehr Wasser und Mineralstoffe als sonst. Zusammen begünstigt das Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme und Muskelkrämpfe.

Harnsäure und Gicht

Fasten lässt den Harnsäurespiegel steigen, Alkohol ebenfalls. Bei Menschen mit Veranlagung zu Gicht kann diese Kombination einen Gichtanfall auslösen.

Kalorien

Ein Gramm Alkohol liefert rund 7 Kilokalorien, fast so viel wie Fett. Ein Glas Wein oder Bier entspricht damit einer kleinen Zwischenmahlzeit und hebt die Fastenphase auf.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Viele Arzneimittel vertragen sich nicht mit Alkohol, etwa Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Mittel gegen Diabetes und Bluthochdruck. Beim Fasten werden manche dieser Medikamente ohnehin anders dosiert. Kommt Alkohol hinzu, lassen sich Wirkung und Nebenwirkungen noch schlechter abschätzen. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, klären Sie das Fasten deshalb vorher ärztlich ab und verzichten Sie in dieser Zeit ganz auf Alkohol.

Was gilt beim Intervallfasten?

In der Fastenphase sind nur kalorienfreie Getränke erlaubt: Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee. Im Essensfenster ist Alkohol beim Intervallfasten nicht ausdrücklich verboten. Aus gesundheitlicher Sicht spricht trotzdem wenig dafür. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht davon aus, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Alkoholmenge gibt, und empfiehlt, auf Alkohol zu verzichten. Wer dennoch trinkt, tut das zum Essen und nicht als erstes Getränk nach der Fastenphase auf leeren Magen. Alkohol am späten Abend verschlechtert außerdem den Schlaf und fördert am nächsten Tag Heißhunger, was das Fasten erschwert.

Ab wann ist nach dem Fasten wieder ein Glas möglich?

Nach einem mehrtägigen Fasten gehört Alkohol weder zum Fastenbrechen noch in die Aufbautage. Verdauung und Stoffwechsel brauchen einige Tage, um sich wieder an normale Kost zu gewöhnen, und Alkohol wirkt in dieser Zeit noch stärker als gewohnt. Wenn Sie überhaupt Alkohol trinken möchten, warten Sie bis nach den Aufbautagen, beginnen Sie mit einer kleinen Menge und trinken Sie ihn zu einer Mahlzeit. Welche Getränke während der Fastenzeit erlaubt sind, lesen Sie im Beitrag Darf man in der Fastenzeit trinken.

Gute Alternativen zu Alkohol

Während des Fastens sind Wasser und Kräutertee die Grundlage, beim Heilfasten ergänzt um kleine Mengen Gemüsebrühe und verdünnten Saft. Mit Zitrone, Ingwer, Minze oder Gurke bekommt Wasser mehr Geschmack. Mehr dazu im Beitrag Heilfasten Tee und Wasser.

Alkoholfreies Bier oder alkoholfreier Wein sind beim Heilfasten keine Lösung: Sie liefern Kalorien, und „alkoholfrei“ darf in Deutschland bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten. Beim Intervallfasten können sie im Essensfenster eine Alternative zu alkoholischen Getränken sein. Was Sie rund um das Fasten essen können, lesen Sie im Beitrag Was essen beim Fasten.

Alkohol ist mehr als nur ein Fastenthema

Alkohol gilt als Risikofaktor für mehr als 200 Krankheiten und Verletzungen, darunter Lebererkrankungen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten. Unter Alkoholeinfluss steigt zudem das Risiko für Unfälle. Eine Fastenzeit kann ein guter Anlass sein, die eigenen Trinkgewohnheiten zu überprüfen, etwa mit ein paar alkoholfreien Wochen.

Wenn der Verzicht schwerfällt

Fällt es Ihnen schwer, für die Dauer des Fastens auf Alkohol zu verzichten, verschieben Sie das Fasten besser und nehmen Sie das als Hinweis ernst. Wer regelmäßig größere Mengen trinkt, sollte nicht abrupt aufhören, ohne vorher ärztlichen Rat einzuholen: Bei körperlicher Abhängigkeit kann ein plötzlicher Entzug gefährlich werden, bis hin zu Krampfanfällen. Hilfe bieten die Hausarztpraxis, Suchtberatungsstellen vor Ort und die Informationsangebote des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA).