Ja, in der Fastenzeit dürfen Sie trinken. Die christliche Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern kennt kein Trinkverbot: Wasser, Tee, Kaffee und Säfte sind auch an den strengen Fasttagen erlaubt. Selbst Alkohol ist kirchlich nicht verboten. Viele verzichten in diesen sieben Wochen aber freiwillig darauf, und aus gesundheitlicher Sicht ist das eine gute Entscheidung. Anders ist es beim Heilfasten: Dort ist reichliches Trinken Pflicht und Alkohol tabu.
Die Frage „Darf man in der Fastenzeit trinken?“ meint also meist zwei Dinge: Was gilt für Getränke allgemein, und was gilt für Alkohol? Beides beantwortet dieser Beitrag, getrennt nach religiöser Fastenzeit und gesundheitlichem Fasten.
Was die Kirche für die Fastenzeit vorsieht
Die österliche Bußzeit beginnt am Aschermittwoch und endet vor Ostern. Sie umfasst 40 Tage, die Sonntage zählen nicht mit. Wann genau sie in welchem Jahr beginnt, lesen Sie im Beitrag Wann fängt das Fasten an.
Nach katholischem Kirchenrecht sind nur zwei Tage strenge Fast- und Abstinenztage: Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen nehmen Volljährige bis zum Beginn des 60. Lebensjahres nur eine volle Mahlzeit zu sich, kleine Stärkungen sind erlaubt. Auf Fleisch verzichten an diesen Tagen alle ab 14 Jahren. Getränke sind davon nicht betroffen. Kranke, Schwangere und Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit sind vom Fastengebot ausgenommen. Die evangelische Kirche kennt keine verbindlichen Fastenregeln; sie lädt mit der Aktion „7 Wochen Ohne“ dazu ein, sich bewusst für einen Verzicht zu entscheiden.
Was in der Fastenzeit auf den Teller darf, beschreibt der Beitrag Fastenzeit: wann darf man essen.
„Flüssiges bricht das Fasten nicht“
Dass Trinken in der Fastenzeit erlaubt ist, hat eine lange Tradition. Ein alter Grundsatz lautet, dass Flüssiges das Fasten nicht bricht. In Bayern entstand daraus der Brauch, in der Fastenzeit kräftiges Starkbier zu brauen, das als „flüssiges Brot“ galt. Heute ist das vor allem ein Stück Brauchtum. Mit dem Sinn der Fastenzeit, bewusst auf etwas zu verzichten, hat das Starkbierfest wenig zu tun.
Alkohol in der Fastenzeit: erlaubt, aber nicht empfehlenswert
Kirchlich ist ein Glas Wein in der Fastenzeit kein Verstoß. Viele Menschen nutzen die sieben Wochen trotzdem für eine alkoholfreie Zeit, und das aus gutem Grund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt seit 2024, ganz auf Alkohol zu verzichten, weil es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt. Schon kleine Mengen erhöhen zum Beispiel das Risiko für mehrere Krebsarten.
Eine alkoholfreie Fastenzeit zeigt Ihnen außerdem, wie sehr Alkohol zu Gewohnheiten gehört, etwa zum Feierabend oder zum Essen mit Freunden. Wer merkt, dass der Verzicht sehr schwerfällt oder der Konsum danach schnell wieder steigt, findet bei Suchtberatungsstellen und in der Hausarztpraxis vertrauliche Unterstützung.
Was Sie in der Fastenzeit gut trinken können
- Wasser: Leitungs- oder Mineralwasser, auf Wunsch mit Zitrone, Minze oder Gurkenscheiben.
- Ungesüßter Tee: Kräuter-, Früchte-, Grün- oder Schwarztee.
- Kaffee: in üblichen Mengen kein Problem, wenn Sie ihn gut vertragen.
- Alkoholfreie Alternativen: alkoholfreies Bier oder Saftschorlen. Alkoholfreies Bier darf in Deutschland bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten; wer ganz verzichten möchte, achtet auf die Angabe 0,0 Prozent.
Wer in der Fastenzeit zusätzlich auf Süßes verzichtet, lässt am besten auch Limonaden, Eistee und gesüßte Säfte weg. Sie liefern viel Zucker, ohne satt zu machen.
Tipps für sieben Wochen ohne Alkohol
- Vorräte reduzieren: Was nicht im Haus ist, wird abends seltener geöffnet.
- Rituale ersetzen: Ein besonderes Glas mit Schorle oder ein Tee nach Feierabend übernimmt die Rolle des Feierabendbiers.
- Offen sagen: Wer bei Einladungen gleich erwähnt, dass er in der Fastenzeit verzichtet, wird meist nicht weiter gedrängt.
- Bilanz ziehen: Viele bemerken nach einigen Wochen besseren Schlaf. Notieren Sie, was sich verändert, und entscheiden Sie nach Ostern bewusst, wie viel Alkohol Sie künftig trinken möchten.
Unterschied zum Heilfasten: Hier ist Trinken Pflicht
Beim gesundheitlichen Fasten, etwa beim Heilfasten nach Buchinger, verzichten Sie einige Tage auf feste Nahrung. Gerade dann ist ausreichend Trinken entscheidend: mindestens etwa 2,5 Liter Wasser und Kräutertee am Tag, dazu Gemüsebrühe und verdünnte Säfte. Alkohol ist dabei tabu, weil er den Kreislauf belastet und bei leerem Magen deutlich stärker wirkt. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Darf man beim Fasten Alkohol trinken.
Heilfasten ist nur für gesunde Erwachsene geeignet. Wer schwanger ist, stillt, eine Essstörung hat oder Medikamente nimmt, deren Dosis vom Essen abhängt, spricht vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.
Häufige Fragen
Darf man am Aschermittwoch und Karfreitag Kaffee trinken?
Ja. Das Fastengebot betrifft die Mahlzeiten, nicht Getränke wie Kaffee, Tee oder Wasser.
Gilt der Sonntag in der Fastenzeit als Fastentag?
Nein. Die Sonntage werden bei den 40 Tagen nicht mitgezählt. Viele, die auf etwas verzichten, machen sonntags deshalb eine Ausnahme.
















