Parodontalerkrankungen stellen ein ernstes Gesundheitsproblem dar, das weltweit Millionen von Menschen betrifft. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO, Global Oral Health Status Report 2022) haben rund 19 % der Erwachsenen weltweit eine schwere Parodontitis, das sind mehr als eine Milliarde Menschen. Diese alarmierende Zahl verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf für Prävention und Aufklärung.
Globale Prävalenz von Parodontalerkrankungen
Die WHO-Daten für das Jahr 2019 zeigen:
- Schwere Parodontitis weltweit: mehr als 1 Milliarde Fälle
- Anteil der Erwachsenen mit schwerer Parodontitis: rund 19 %
- Munderkrankungen insgesamt (vor allem Karies, Parodontitis, Zahnverlust): rund 45 % der Weltbevölkerung
Die WHO-Daten aus dem Global Oral Health Status Report belegen, dass Parodontalerkrankungen zu den häufigsten non-communicable diseases gehören und damit ein zentrales Thema für die öffentliche Gesundheit sind.
Ursachen und Risikofaktoren
Experten im SEPA-Webinar identifizierten sowohl systemische als auch lokale Faktoren, die das Risiko für Parodontalerkrankungen erhöhen:
- Immunschwäche und chronische Grunderkrankungen
- Einschränkungen der Feinmotorik, geringe Eigenmotivation, Gebrechlichkeit oder fortgeschrittenes Alter
- Ausgeprägte Gingivitis und erschwerter Zugang zur Zahnreinigung (z. B. durch festsitzende kieferorthopädische Apparaturen oder prothetische Versorgungen)
- Anatomische Gegebenheiten, die die Reinigung erschweren
Die frühzeitige Identifikation dieser Risikogruppen ist entscheidend, um gezielte Präventionsmaßnahmen zu ermöglichen.
Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Mundgesundheit
Im Rahmen des SEPA-Webinars betonten vier internationale Parodontologie-Experten – Prof. Mariano Sanz, Prof. Elena Figuero, Prof. Gustavo Avila Ortiz und Prof. Iain Chapple – die Dringlichkeit, die Wahrnehmung und Priorisierung parodontaler Gesundheit weltweit zu verändern. Sie fordern einen Paradigmenwechsel, der die aktive Prävention in den Mittelpunkt stellt und die tägliche häusliche Plaque-Kontrolle als zentralen Baustein versteht.
Nach den WHO-Daten hat rund jeder fünfte Erwachsene weltweit eine schwere Parodontitis. Diese alarmierende Zahl verdeutlicht den globalen Handlungsbedarf in der Mundgesundheit und macht deutlich, dass Präventionsstrategien wie die 3-fach-Prophylaxe nicht nur zu empfehlen, sondern dringend notwendig sind. Mehr zu den gesellschaftlichen Kosten der Parodontitis lesen Sie in unserem Beitrag Prävalenz und gesellschaftliche Kosten von Parodontitis.
Dennoch gibt es Herausforderungen, insbesondere für Patienten mit eingeschränktem Zugang zu zahnärztlicher Versorgung. Es ist entscheidend, diese Barrieren zu erkennen und Strategien zu entwickeln, um sicherzustellen, dass alle Betroffenen, insbesondere aus gefährdeten Gruppen, die benötigte Unterstützung erhalten.
Evidenzbasierte Präventionsstrategien: Die 3-fach-Prophylaxe
Die 3-fach-Prophylaxe kombiniert mechanisches und chemisches Biofilmmanagement und umfasst drei zentrale Bausteine:
- Zähneputzen (mechanische Reinigung)
- Interdentalreinigung mit Interdentalbürsten oder Zahnseide
- Ergänzende Anwendung einer antibakteriellen Mundspülung
Studien zeigen, dass die Ergänzung des Zähneputzens um Interdentalreinigung und eine antibakterielle Mundspülung Plaque und Zahnfleischbluten zusätzlich verringern kann.
Herausforderungen und Zugang zu professioneller Zahnpflege
Ein wichtiger Gegenpunkt ist, dass nicht alle Patienten gleichberechtigten Zugang zu professioneller Zahnpflege haben. Dieser Umstand kann die Wirksamkeit von Präventionsstrategien einschränken, insbesondere in Regionen mit begrenzten zahnärztlichen Ressourcen. Die Notwendigkeit, Barrieren abzubauen und flächendeckende Präventionsprogramme zu etablieren, wird daher immer wieder betont.
Wie kann ich mein Risiko für Parodontalerkrankungen reduzieren?
Regelmäßige Mundpflege, einschließlich der 3-fach-Prophylaxe, und regelmäßige Kontrollen in der Zahnarztpraxis helfen, das Risiko zu senken. Rauchen ist ein wichtiger zusätzlicher Risikofaktor.
Fazit
Die globale Prävalenz von Parodontalerkrankungen ist mit über einer Milliarde Fällen schwerer Parodontitis alarmierend hoch. Die Kombination aus systemischen und lokalen Risikofaktoren erfordert ein umfassendes Präventionskonzept. Ein Paradigmenwechsel, der die 3-fach-Prophylaxe als evidenzbasierte Kernmaßnahme etabliert, kann die Mundgesundheit nachhaltig verbessern. Gleichzeitig müssen Zugangsbarrieren zu professioneller Zahn- und Mundpflege adressiert werden, um die Wirksamkeit der Prävention für alle Bevölkerungsgruppen sicherzustellen.















