Unfälle in Lager- und Produktionsbereichen können schwerwiegende Folgen für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden haben. Ein systematischer Ansatz zur Unfallprävention ist deshalb nicht nur eine Frage der gesetzlichen Vorgaben, sondern ein entscheidender Faktor für betriebliche Kontinuität und Mitarbeitersicherheit.
Aktuelle Unfallstatistiken in Lager- und Produktionsbereichen
Die Zahlen der letzten Jahre verdeutlichen die Dringlichkeit gezielter Sicherheitsstrategien.
Unfälle auf Transportwegen (2019)
- 228.000 Unfälle auf Transportwegen im Betrieb oder betrieblichen Umfeld (Quelle S1).
Unfälle bei Lagerungsprozessen (2019)
- 89.000 Unfälle bei Lagerungsprozessen (Quelle S1).
Gesamtzahl der Arbeitsunfälle (2020)
- 265.000 Arbeitsunfälle in deutschen Betrieben (Quelle S2).
- Davon 95.000 Unfälle speziell bei Lagerungsvorgängen (Quelle S2).
Der Anstieg von 228.000 Unfällen auf Transportwegen im Jahr 2019 auf insgesamt 265.000 Arbeitsunfällen im Jahr 2020 unterstreicht den verstärkten Fokus auf Unfallvermeidung nach dem Anstieg der Zahlen.
Gesetzliche Vorgaben für mehr Sicherheit
Mehrere rechtliche Rahmenbedingungen bilden die Basis für sichere Lager- und Produktionshallen.
- Anfahrschutz: Die gesetzliche Vorschrift verlangt eine Mindesthöhe von 400 mm für Anfahrschutzvorrichtungen an Regalen (DGUV Information 208-061).
- DGUV V1: Diese Verordnung stellt allgemeine Anforderungen an die Sicherheit von Maschinen und Anlagen, um Unfälle zu verhindern.
Die Einhaltung dieser Vorgaben reduziert das Risiko von Beschädigungen durch Fahrzeuge und unterstützt die rechtssichere Gestaltung von Arbeitsplätzen.
Praktische Präventionsmaßnahmen im Lager
Auf Basis der genannten Statistiken und gesetzlichen Vorgaben empfehlen Experten folgende Maßnahmen:
Sichere Regalsysteme
- Beachtung der maximal zulässigen Fach- bzw. Feldlasten.
- Gleichmäßige Verteilung der gelagerten Ware, um Überlastungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Prüfung der Regalbestände; frühzeitige Erkennung von Kapazitätsauslastungen (Zitat Jürgen Effner, Geschäftsführer Topregal GmbH).
- Erweiterung des Regalsystems, wenn die vorhandene Kapazität fast vollständig ausgereizt ist.
Höhenbegrenzungen und Anfahrschutz
- Installation von Höhenbegrenzungen, um zu hohe Fahrzeugbauten oder angehobene Ladungen am Durchfahren zu hindern.
- Anbringen eines Anfahrschutzes mit einer Mindesthöhe von 400 mm an Eckbereichen und Durchfahrten.
Markierungen, Schilder und Rammschutz
- Klare Beschilderung von Tempolimits und engen Gängen.
- Aufbringen von Rammschutz an besonders gefährdeten Stellen.
- Zusätzliche Absturzsicherungen (Geländer, Bügel) an Kanten von Erhöhungen, um das Risiko von Fahrzeugabstürzen zu mindern.
Sichere Laufwege für Mitarbeitende
- Platzierung von Sicherheitsgeländern, um klare und sichere Fußwege zu schaffen.
- Trennung von Fahrzeug- und Fußgängerzonen durch farbige Markierungen.
Herausforderungen: Unzureichende Mitarbeiterschulungen
Ein zentraler Risikofaktor ist die fehlende oder mangelhafte Schulung von Mitarbeitenden. Ohne ausreichende Unterweisung können Sicherheitsvorkehrungen nicht korrekt umgesetzt werden, was das Unfallrisiko erhöht. Die DGUV betont, dass regelmäßige Trainings und Unterweisungen ein unverzichtbarer Baustein jeder Präventionsstrategie sind.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Unfällen in Lagerhallen
Was sind die häufigsten Ursachen für Unfälle in Lagerhallen?Häufige Ursachen sind unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, mangelnde Schulung der Mitarbeitenden und unachtsames Fahren von Flurförderzeugen.
Fazit
Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass Unfälle in Lager- und Produktionshallen nach wie vor ein erhebliches Risiko darstellen. Gesetzliche Vorgaben wie die Mindesthöhe von 400 mm für Anfahrschutz und die DGUV V1 bilden das Fundament, doch die praktische Umsetzung erfordert konsequente Maßnahmen: stabile Regalsysteme, klare Markierungen, geeignete Höhenbegrenzungen und regelmäßige Mitarbeiterschulungen. Nur durch eine Kombination aus rechtlicher Konformität, technischer Optimierung und kontinuierlicher Weiterbildung können Unternehmen die Unfallzahlen nachhaltig senken und ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen.
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