Eine angemessene Schmerzbehandlung ist entscheidend für die Lebensqualität von Patient*innen aller Altersgruppen. In der Zahnmedizin stehen insbesondere ältere Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Kinder mit Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) vor speziellen Herausforderungen. Der aktuelle Stand der Forschung zeigt hohe Prävalenz chronischer Schmerzen bei Senioren, effektive nicht-invasive Optionen wie Lachgas für Angstpatienten und gezielte Maßnahmen zur Schmerzreduktion bei MIH-Betroffenen.
Prävalenz chronischer Schmerzen bei Senioren
Studien belegen, dass zwischen 25 % und 75 % der älteren Patient*innen von chronischen Schmerzen betroffen sind. Bei institutionell lebenden Senioren steigt dieser Anteil auf bis zu 80 %. Die Hauptursachen liegen in degenerativen Prozessen und altersbedingten Veränderungen, die die Schmerzschwelle und -toleranz beeinflussen. Diese Zahlen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf für ein verbessertes Schmerzmanagement in der zahnmedizinischen Versorgung älterer Menschen.
- Anteil älterer Menschen in Pflegeeinrichtungen mit chronischen Schmerzen: bis zu 80 %
- Quelle: Lenth & Schwarz, “Incidence of Chronic Pain in the Elderly”, Osteologie, 2024
Warum chronische Schmerzen bei Senioren häufig übersehen werden
Ältere Patient*innen zeigen häufig eine verminderte Schmerzwahrnehmung (Presbyalgesie) und können Schmerzen nicht immer verbal ausdrücken. Besonders bei kognitiv beeinträchtigten oder demenzkranken Personen wird Schmerz oft unterschätzt, was zu einer unzureichenden Versorgung führt. Beobachtungs- und Verhaltensskalen, wie Smiley-Skalen oder thermografische Aufzeichnungen, werden empfohlen, um versteckte Schmerzen zu identifizieren.
Schmerztherapie bei Kindern mit MIH
Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) führt zu post-eruptiven Schmelzeinbrüchen und hoher Hypersensibilität, wodurch das Zähneputzen für betroffene Kinder schmerzhaft wird. Die Lebensqualität der Kinder ist dadurch stark eingeschränkt.
- Typische Probleme: eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit, fehlende Erfahrung, kognitive Schwierigkeiten.
- Hauptsymptom: posteriorer Schmelzeinbruch mit Schmerzen.
Empfohlene Maßnahmen zur Schmerzreduktion:
- Sealing mit Glasionomerzement: Studien zeigen sofortigen Schmerzabfall und langfristige Verbesserung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität.
- Tell-Show-Do-Technik: Kindgerechte Erklärung und Demonstration vor dem Eingriff.
- Verzicht auf Sauger und Luftpuster, stattdessen Einsatz von Watterollen oder Wattekügelchen zur Trockenlegung.
- Prämedikation: Eine Schmerzmittelgabe vor dem Eingriff, etwa mit Paracetamol oder Ibuprofen, kann sinnvoll sein. Ob, wann und in welcher Dosis, legt die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach Alter und Körpergewicht des Kindes fest; Eltern sollten Schmerzmittel nicht eigenmächtig vorab geben.
Ob nach dem Eingriff, etwa nach der Extraktion eines MIH-Molaren, weitere Schmerzmittel nötig sind, bespricht die Praxis mit den Eltern. Die für Alter und Gewicht zulässige Tageshöchstdosis darf dabei nicht überschritten werden.
Wie kann bei Kindern mit MIH die Schmerzbehandlung verbessert werden?
Durch den Einsatz von Sealing-Techniken kann die Schmerzempfindlichkeit signifikant reduziert werden, was auch die Mundgesundheit verbessert.
Lachgas als Sedierungsoption für Angstpatienten
Lachgas wird zunehmend als sichere, effektive Sedierung für Angstpatienten, insbesondere Kinder, eingesetzt. Studien zeigen eine gute Wirksamkeit bei der Reduktion von Angst und Würgereflex. Diese nicht-invasive Methode erleichtert die Behandlung im hinteren Zahnbereich und kann eine Vollnarkose in ausgewählten Fällen ersetzen.
- Quelle: UK National Clinical Guidelines in Paediatric Dentistry
- Vorteile: Reduktion von Angst, Senkung des Würgereflexes, vereinfachte Arbeit für das Behandlungsteam.
Praktische Anwendung von Lachgas
Die Sedierung mit Lachgas eignet sich besonders für sehr junge Patient*innen, bei denen Angst und Würgereiz die Behandlung erschweren. Sie stellt einen Zwischenschritt dar, wenn eine ambulante Versorgung nicht ausreicht, aber eine Vollnarkose noch nicht indiziert ist.
Herausforderungen und Gegenmaßnahmen in der Schmerztherapie
Ein zentrales Problem ist der Mangel an adäquaten Schmerztherapien für ältere Patient*innen. Dieser Mangel unterstreicht die Notwendigkeit, geeignete Strategien zu implementieren, um die Lebensqualität zu verbessern.
- Prämedikation: Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen) vor dem Eingriff nur nach zahnärztlicher Anordnung und mit einer Dosis nach Alter und Körpergewicht.
- Postoperative Kontrolle: nach Absprache mit der Praxis.
- Alternative Methoden: Lachgas, lokale Infiltrations- oder Leitungsanästhesie, intraossäre Techniken.
- Vermeidung von wiederholten Analgetikagaben, um Nebenwirkungen zu reduzieren.
Zusätzlich zu medikamentösen Ansätzen werden nicht-invasive Techniken wie die Anwendung von Smiley-Skalen, Verhaltensbeobachtungen und thermografische Bildgebung empfohlen, um Schmerzen bei nicht kommunikativen Patient*innen zu erkennen.
Fazit
Die Schmerztherapie in der Zahnmedizin muss sowohl die hohe Prävalenz chronischer Schmerzen bei Senioren als auch die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit MIH berücksichtigen. Maßnahmen wie Sealing-Techniken, eine ärztlich abgestimmte Prämedikation und der Einsatz von Lachgas zeigen klare Vorteile. Gleichzeitig erfordert der Mangel an adäquaten Schmerztherapien für ältere Patient*innen ein verstärktes Augenmerk auf individuelle Schmerzmanagement-Strategien. Durch die Kombination von medikamentösen, technischen und verhaltensbasierten Ansätzen kann die Lebensqualität von Patient*innen nachhaltig verbessert werden.















