In der christlichen Fastenzeit vor Ostern dürfen Sie grundsätzlich jeden Tag essen. Sie ist eine Zeit des bewussten Verzichts, kein Nahrungsentzug. Feste Regeln gibt es in der katholischen Kirche vor allem für zwei Tage: An Aschermittwoch und Karfreitag ist nur eine volle Mahlzeit vorgesehen, dazu sind zwei kleine Stärkungen erlaubt, und es wird kein Fleisch gegessen. Die Sonntage zählen nicht zu den 40 Fastentagen. Im Ramadan dagegen wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken; gegessen wird nach Sonnenuntergang und in der Nacht bis vor der Morgendämmerung.
Dieser Beitrag beschreibt die Essenszeiten in religiösen Fastenzeiten. Wann Sie bei Heilfasten oder Intervallfasten essen dürfen, lesen Sie im Beitrag Fasten: Wann darf man essen?.
Christliche Fastenzeit: von Aschermittwoch bis Ostern
Die Fastenzeit, kirchlich auch österliche Bußzeit genannt, beginnt am Aschermittwoch und endet vor Ostern. Sie umfasst 40 Tage: Von Aschermittwoch bis Karsamstag sind es 46 Tage, die sechs Sonntage werden nicht mitgezählt. 2027 reicht die Fastenzeit von Aschermittwoch, dem 10. Februar, bis Karsamstag, dem 27. März; Karfreitag ist der 26. März, Ostersonntag der 28. März. Sonntage gelten als Feier der Auferstehung und sind keine Fastentage. Wer sich zum Beispiel Süßigkeiten verkneift, darf sie sonntags also guten Gewissens essen. Mehr zum Beginn der Fastenzeit erklärt der Beitrag Wann fängt das Fasten an?.
Katholische Kirche: Fast- und Abstinenztage
Das Kirchenrecht unterscheidet zwei Arten von Verzicht:
- Abstinenz: kein Fleisch. Sie gilt an Aschermittwoch, Karfreitag und grundsätzlich an den Freitagen. Verpflichtet sind Katholikinnen und Katholiken ab 14 Jahren. Fisch, Eier und Milchprodukte sind erlaubt.
- Fasten: eine einmalige Sättigung am Tag, dazu zwei kleine Stärkungen. Das gilt an Aschermittwoch und Karfreitag für Erwachsene ab 18 Jahren bis zum Beginn des 60. Lebensjahres.
Für die übrigen Freitage lässt die Kirche in Deutschland Spielraum: Statt auf Fleisch kann auch auf anderes verzichtet oder ein gutes Werk getan werden. Kranke, Schwangere, Stillende und Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit sind vom Fasten entbunden.
Evangelische Kirche: keine festen Speiseregeln
In der evangelischen Kirche gibt es keine verbindlichen Fastenvorschriften. Viele beteiligen sich an der Aktion „7 Wochen Ohne“ und verzichten in dieser Zeit auf etwas, das ihnen wichtig ist, etwa Alkohol, Süßes, Fleisch oder das Smartphone am Abend. Wann und was gegessen wird, entscheiden Sie selbst.
Orthodoxe Kirchen: strengere Tradition
In den orthodoxen Kirchen ist die Große Fastenzeit traditionell strenger. Verzichtet wird auf Fleisch, Eier und Milchprodukte, an vielen Tagen auch auf Fisch, Wein und Öl. Wie streng das im Alltag gehandhabt wird, ist von Familie zu Familie verschieden. Ostern fällt in der Orthodoxie oft auf ein späteres Datum als in der Westkirche, entsprechend verschiebt sich die Fastenzeit: 2027 beginnt sie am Reinen Montag, dem 15. März, orthodoxes Ostern ist am 2. Mai.
Ramadan: Essen zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung
Im Fastenmonat Ramadan verzichten Musliminnen und Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Rauchen. Gegessen wird zu zwei Zeiten:
- Iftar: das Fastenbrechen direkt nach Sonnenuntergang, traditionell mit Datteln und Wasser, danach eine Mahlzeit, oft gemeinsam mit Familie und Freunden.
- Suhur: eine Mahlzeit vor der Morgendämmerung, die über den Tag tragen soll. Vollkorn, Eiweiß und viel Flüssigkeit halten länger vor als Süßes.
Weil sich der Ramadan nach dem Mondkalender richtet, wandert er jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn. 2027 beginnt er voraussichtlich um den 8. Februar; der genaue Tag hängt von der Sichtung der Mondsichel ab. Fällt er in den Sommer, sind die Fastentage in Deutschland lang. Dann ist es besonders wichtig, zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung ausreichend zu trinken. Kranke, Schwangere, Stillende, Reisende, Kinder und ältere Menschen, denen das Fasten schadet, sind nach islamischem Verständnis vom Fasten befreit; versäumte Tage werden nachgeholt oder ausgeglichen.
Judentum: Fasttage wie Jom Kippur
Im Judentum gibt es keine wochenlange Fastenzeit, aber einzelne Fasttage. Am wichtigsten ist Jom Kippur, der Versöhnungstag: Rund 25 Stunden, von Sonnenuntergang bis nach Einbruch der Dunkelheit am folgenden Tag, wird weder gegessen noch getrunken. 2027 beginnt Jom Kippur am Abend des 10. Oktober und endet am 11. Oktober nach Einbruch der Dunkelheit. Kranke, Schwangere und Kinder sind auch hier ausgenommen.
Fastenzeit ohne religiösen Hintergrund
Viele Menschen nutzen die Wochen vor Ostern heute für ihren eigenen Verzicht, unabhängig von einer Religion. Dann legen Sie die Regeln selbst fest: Sie können wie gewohnt dreimal am Tag essen und nur auf bestimmte Lebensmittel verzichten, Intervallfasten ausprobieren oder in dieser Zeit eine Heilfastenwoche einplanen. Welche Getränke dabei infrage kommen, beschreibt der Beitrag Darf man in der Fastenzeit trinken?.
Wer im Restaurant isst, kann vorab die Speisekarte ansehen und gezielt fleischlose oder leichte Gerichte wählen. Fragen Sie im Zweifel nach den Zutaten, etwa ob eine Soße auf Fleischbrühe basiert. Beim Intervallfasten hilft es, den Restaurantbesuch in das eigene Essenszeitfenster zu legen.
Gesundheitliche Hinweise
Religiöses Fasten ohne Trinken über viele Stunden belastet den Kreislauf, besonders an heißen Tagen und im Alter. Wer Diabetes hat, insbesondere mit Insulin oder blutzuckersenkenden Tabletten, sollte das Fasten im Ramadan oder an strengen Fasttagen vorher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, weil Medikamente und Essenszeiten aufeinander abgestimmt werden müssen. Das gilt auch für alle, die Medikamente zu festen Tageszeiten einnehmen. Schwangerschaft, Stillzeit, Essstörungen und Untergewicht sprechen gegen strenges Fasten; die Religionen sehen hierfür selbst Ausnahmen vor.
Ob und wann Fasten der Gesundheit nützt, ordnet der Beitrag Ist Fasten gesund oder ungesund? ein.


