Einfluss der prothetischen Zahnmedizin auf die allgemeine Gesundheit – Interdisziplinäre Erkenntnisse

auf einem schreibtisch liegen ein zahnmodell ein stift und ein notizbuch neben einem teller mit gesundem essen einem glas wasser einem grünen apfel und einem gehirnmodell im hintergrund

Die prothetische Zahnmedizin steht im Zentrum einer wachsenden Diskussion über ihre weitreichenden Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit von Patientinnen und Patienten. Durch die enge Verknüpfung von zahnärztlichen und allgemeinmedizinischen Aspekten ergeben sich neue Perspektiven für die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen, für die Ernährung älterer Menschen und für die Gestaltung interdisziplinärer Fachkongresse. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Fakten, Studienergebnisse und Diskussionen zusammen, die im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) im Juni 2026 präsentiert wurden.

Prothetische Zahnmedizin und neurodegenerative Erkrankungen

Ein zentraler Punkt der Tagung war der diskutierte Zusammenhang zwischen Mundgesundheit, Zahnverlust und kognitiven Beeinträchtigungen. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Zahnverlust mit einem höheren Demenzrisiko einhergeht; ob eine prothetische Versorgung dieses Risiko senkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Thema unterstreicht die Relevanz der prothetischen Zahnmedizin für die Prävention und das Management von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz.

Deutlich wurde, dass die zahnärztliche Versorgung nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern im Kontext einer ganzheitlichen medizinischen Betreuung stehen muss.

Ernährung als Schlüsselfaktor in der Prothetik

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Einfluss der Ernährung auf die Akzeptanz und den Erfolg von Prothesen, insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten. Viele ältere Menschen sind von Mangelernährung bedroht, und eine eingeschränkte Kaufähigkeit kann die Nutzung von Prothesen und die Auswahl der Lebensmittel zusätzlich erschweren.

Eine ganzheitliche Herangehensweise – die sowohl zahnärztliche als auch ernährungsmedizinische Aspekte berücksichtigt – ist deshalb für die Wirksamkeit prothetischer Maßnahmen entscheidend.

Interdisziplinärer Austausch – Erkenntnisse der DGPro-Tagung 2026

Die 73. Jahrestagung der DGPro in Bonn (11.-13. Juni 2026) brachte rund 350 Teilnehmende zusammen, die in 20 unterschiedlichen Diskussionsthemen die Wechselwirkungen zwischen prothetischer Zahnmedizin und Allgemeinmedizin beleuchteten. Das Leitthema „Prothetische Zahnmedizin meets Medizin“ setzte den Fokus auf die Verbindung von Zahnmedizin, Neurologie, Ernährungswissenschaft und Werkstofftechnik.

  • Teilnehmerzahl: 350 Personen (2026)
  • Anzahl Diskussionsthemen: 20 Themen (2026)
  • Hauptredner: Prof. Dr. Eckart von Hirschhausen – Vortrag zur „planetaren Gesundheit“
  • Veranstaltungsort: Modernes Hörsaalgebäude, Bonn

Vorteile des Austauschs zwischen Fachgesellschaften

  • Förderung innovativer Ansätze durch Kombination von Prothetik- und Allgemeinmedizin-Wissen
  • Entstehung neuer Leitlinien, z. B. die S3-Leitlinie „Angstpatienten“
  • Praxisnahe Vorstellung moderner dentaler Werkstoffe im gemeinsamen Werkstoffkundeforum mit der EADT
  • Einbindung junger Forschender im Science Slam zu Digitalisierung und KI

Die Tagungspräsidenten, Univ.-Prof. Dr. Helmut Stark und Priv.-Doz. Dr. Dominik Kraus, beschrieben die Veranstaltung als „gelungenen intensiven Austausch mit neuen Impulsen, Inspirationen und persönlichen Begegnungen“.

Herausforderungen und Gegenargumente

Trotz der vielen positiven Erkenntnisse wurde ein kritischer Punkt hervorgehoben: Mangelnde interdisziplinäre Zusammenarbeit kann zu unzureichenden Behandlungsansätzen für komplexe Patientenfälle führen. Dieses Risiko wird insbesondere dann relevant, wenn Prothesenpatienten gleichzeitig von neurodegenerativen Erkrankungen und Ernährungsdefiziten betroffen sind.

Wie beeinflusst Zahnmedizin die Gesundheit von Demenzpatienten?

Prothetische Zahnmedizin kann die Lebensqualität von Demenzpatienten erhöhen, indem sie das Kauen und Sprechen verbessert. Ob sich das auch auf die kognitive Funktion auswirkt, ist noch nicht ausreichend belegt.

Fazit

Die vorgestellten Daten und Diskussionen verdeutlichen, dass die prothetische Zahnmedizin weit über die reine Wiederherstellung von Kau- und Sprechfunktionen hinausgeht. Die diskutierten Zusammenhänge zwischen Zahnverlust und kognitiven Beeinträchtigungen sowie die häufigen Ernährungsprobleme bei älteren Menschen machen deutlich, dass ein interdisziplinärer Ansatz unverzichtbar ist. Die DGPro-Tagung 2026 zeigte, wie der Austausch zwischen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Ernährungswissenschaft und Werkstofftechnik innovative Lösungsansätze fördert und gleichzeitig die Notwendigkeit betont, strukturelle Barrieren in der Zusammenarbeit zu überwinden. Nur durch ein ganzheitliches, patientenzentriertes Konzept kann die prothetische Zahnmedizin einen nachhaltigen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit leisten. Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Einfluss zahnmedizinischer Prothetik auf die allgemeine Gesundheit und neurodegenerative Erkrankungen.