Die Optimierung zahnmedizinischer Rehabilitationen ist für die Lebensqualität von Patienten, besonders älteren Menschen, von zentraler Bedeutung. Ein aktuelles Fallbeispiel einer 80-jährigen Patientin verdeutlicht, wie eine individuell angepasste, gefräste Stegkonstruktion sowohl ästhetischen als auch funktionalen Anforderungen gerecht werden kann. Gleichzeitig entscheiden sich zunehmend auch ältere Patienten für Implantatbehandlungen, was die Notwendigkeit maßgeschneiderter Lösungen unterstreicht.
Steigende Nachfrage nach Implantatbehandlungen bei älteren Patienten
In den letzten Jahren hat die Zahl der Zahnimplantat-Behandlungen in Deutschland zugenommen. Dieser Anstieg spiegelt das wachsende Bedürfnis nach festsitzenden Lösungen wider, die sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugen.
Auch ältere Patientengruppen sind zunehmend bereit, implantologische Versorgungen in Anspruch zu nehmen. Das macht individuelle Behandlungsansätze umso wichtiger.
Fallstudie: 80-jährige Patientin und die Entscheidung für einen gefrästen Steg
Die 80-jährige Patientin, ehemalige Zahnmedizinische Fachangestellte, wünschte sich eine festsitzende Rehabilitation mit angemessener Lippenabstützung. Die vorhandene, metallverstärkte Oberkieferprothese war mittig über dem Kieferkamm positioniert, wobei der Kamm im Laufe der Zeit zentripetal zurückgezogen war. Zusätzlich waren die Zahnhalspartien zu weit palatinal ausgerichtet und die Okklusionsebene lag zu hoch im Verhältnis zur Lippe.
Eine Toronto-Brücke konnte die Anforderungen nicht erfüllen, da die notwendige Kunststoff-Lippenabstützung die Mundhygiene beeinträchtigt hätte. Deshalb wurde gemeinsam mit der Patientin die Entscheidung für eine gefräste Stegkonstruktion getroffen, ergänzt durch eine Sekundärstruktur mit Friktionsstiften und elektroerosiv eingefügten Riegeln.
digitale Planung und KI-gestützte Segmentierung
Die bestehende Prothese konnte nicht als radiologische Schablone verwendet werden, da sie metallverstärkt war. Das Team unterfütterte die Prothese, scannte sie und druckte röntgenopake Referenzmarken, um einen Abgleich mit den radiologischen Daten zu ermöglichen. So konnte die Prothese später als präzise Schablone für die Implantatplanung dienen. Mehr zu herausnehmbaren Prothesen lesen Sie in unserem Beitrag Wirksamkeit herausnehmbarer Prothesen – Ein Fallbeispiel und aktuelle Daten.
Digitale Planung und KI-gestützte Segmentierung
Nach der DVT-Aufnahme wurden die DICOM-Daten in das Programm coDiagnostiX importiert. Künstliche Intelligenz segmentierte die Knochenstruktur in 2-D- und 3-D-Ansichten, wodurch eine exakte Planung der Implantatpositionen möglich war. Die radiologische Schablone wurde zunächst dislokiert erkannt und anschließend manuell korrigiert, um ein korrektes Matching sicherzustellen.
Vorteile gefräster Stegkonstruktionen
Gefräste Stege bieten mehrere klinische Vorteile, die im vorliegenden Fall entscheidend waren:
- Starke und stabile Verbindung zwischen Implantaten und Prothese
- Verbesserte Ästhetik durch präzise Anpassung an die Lippenabstützung
- Erleichterte Mundhygiene im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen
- Kompatibilität mit Sekundärstrukturen wie Friktionsstiften und elektroerosiv eingefügten Riegeln
Welche Vorteile bietet eine gefräste Stegkonstruktion?
Sie ermöglicht eine starke und stabile Verbindung zwischen Implantaten und Prothese, verbessert die Ästhetik und erleichtert die Mundhygiene.
Risiken und Gegenmaßnahmen bei älteren Patienten
Bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen. Deshalb ist eine sorgfältige Planung unabdingbar. Faktoren wie Alter, manuelle Geschicklichkeit, anatomische Strukturen, ästhetische Ansprüche, Reinigungsmöglichkeiten, Lippenabstützung, Okklusion und finanzielle Aspekte müssen individuell bewertet werden, um Komplikationen zu minimieren.
Schritte der Umsetzung – Von der Planung bis zur finalen Versorgung
Der gesamte Behandlungsablauf lässt sich in folgende zentrale Schritte gliedern:
- Unterfütterung und Scan der bestehenden Prothese mit röntgenopaken Referenzmarken.
- DVT-Aufnahme und Import der DICOM-Daten in coDiagnostiX.
- KI-gestützte Segmentierung der Knochenstruktur und Implantatplanung.
- Manuelle Korrektur des radiologischen Schablonen-Matchings.
- Design und Fertigung einer chirurgischen Schablone aus lasergesintertem Polyamid.
- Implantation und Osseointegration der geplanten Implantate.
- Intraoralscan nach Osseointegration und Druck des Modells.
- Herstellung des gefrästen Stegs mit elektroerosiv eingefügten Riegeln.
- Fertigung der Sekundärstruktur mit Friktionsstiften und Anbringen von neo.lign-Veneers.
- Einschrauben des Stegs und Integration der Sekundärstruktur im Mund.
- Ästhetische Feinjustierung der Mittellinie und abschließende Kontrolle.
Jeder Schritt wurde dokumentiert und mit Bildmaterial (z. B. Abbildungen 1-60) verifiziert, um die Präzision und den Behandlungserfolg sicherzustellen.
Fazit
Die Fallstudie demonstriert, dass eine gefräste Stegkonstruktion bei älteren Patienten nicht nur ästhetische und funktionale Vorteile bietet, sondern auch die Mundhygiene signifikant verbessert. Angesichts des steigenden Bedarfs an Implantatbehandlungen, auch bei älteren Patienten, sind individuell angepasste, digitale Planungsprozesse und präzise Fertigungstechniken unverzichtbar. Gleichzeitig müssen mögliche Komplikationen bei älteren Patienten berücksichtigt und durch sorgfältige, patientenorientierte Planung minimiert werden. Das Ergebnis: Eine stabile, ästhetisch ansprechende und pflegbare Rehabilitation, die den Wunsch der Patientin nach fester Versorgung und Lippenabstützung erfüllt. Mehr zu Vorteilen, digitaler Planung und klinischer Umsetzung lesen Sie in unserem Beitrag Rehabilitation mit gefrästem Steg in der Implantatprothetik – Vorteile, digitale Planung und klinische Umsetzung.

