Fasten ist für viele Menschen eine Möglichkeit, bewusster zu essen, Gewohnheiten zu hinterfragen oder einen Neuanfang bei der Ernährung zu machen. Im Netz kursiert dabei auch eine besonders strenge Form: das Fasten ohne Essen und ohne Trinken, oft „Trockenfasten“ genannt. Dieser Beitrag erklärt, was dahintersteckt, warum der Verzicht auf Flüssigkeit gefährlich ist und welche Fastenformen eine sichere Alternative sind.
Beim Fasten mit Flüssigkeit verzichtet der Körper eine Zeit lang auf feste Nahrung und greift auf seine Reserven zurück: zuerst auf die Glykogenspeicher (gespeicherter Zucker) in Leber und Muskeln, danach zunehmend auf Fettreserven. Wasser dagegen kann der Körper kaum speichern. Er verliert ständig Flüssigkeit über Urin, Atem und Haut und muss sie täglich ersetzen. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen Fasten mit und ohne Trinken.
Was ist dran an der Theorie von der Entscheidungsfreiheit beim Essen und Trinken?
Manche Menschen berichten, dass sie nach einer Fastenzeit bewusster entscheiden, was und wie viel sie essen. Die Idee dahinter: Wer eine Weile verzichtet, nimmt Hunger und Sättigung deutlicher wahr und isst danach weniger aus Gewohnheit oder Langeweile. Das klingt plausibel, ist aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Fasten kann ein Anstoß sein, Essgewohnheiten zu überdenken. Eine dauerhafte Veränderung entsteht aber vor allem durch eine alltagstaugliche Ernährung nach dem Fasten.
Unsere Entscheidungen beim Essen hängen von vielen Faktoren ab: von Zeitdruck, Gewohnheiten, Stress, der Umgebung und davon, was gerade verfügbar ist. Viele von uns haben bestimmte Orte oder Situationen, in denen sie immer zu denselben Dingen greifen. Wer das erkennt, kann gezielt gegensteuern, und zwar ganz ohne Verzicht auf Flüssigkeit.
Seien Sie deshalb vorsichtig mit der Annahme, dass eine Fastenkur allein das Essverhalten dauerhaft verbessert. Der Einfluss des Fastens auf das Essverhalten ist noch nicht vollständig verstanden. Sinnvoll ist es, die Fastenzeit zu nutzen, um sich über die eigene Ernährung Gedanken zu machen und danach schrittweise etwas zu verändern.
Wie funktioniert das Fasten ohne Essen und Trinken?
Beim Trockenfasten wird für einen oder mehrere Tage weder gegessen noch getrunken. Anhänger behaupten, der Körper entgifte so besonders gründlich. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Die Entgiftung übernehmen Leber und Nieren, und gerade die Nieren brauchen ausreichend Flüssigkeit, um Abbauprodukte über den Urin auszuscheiden. Eine Ausnahme mit anderem Hintergrund ist das religiöse Fasten, etwa im Ramadan: Dort wird tagsüber verzichtet, in den Nachtstunden aber gegessen und getrunken. Wer krank, schwanger oder auf Medikamente angewiesen ist, sollte auch dieses Fasten vorher ärztlich besprechen.
Welche Risiken hat das Fasten ohne zu essen und zu trinken?
Fasten ohne zu trinken ist gefährlich. Schon nach kurzer Zeit drohen Austrocknung, Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufprobleme bis hin zum Kollaps. Bei längerem Flüssigkeitsmangel können die Nieren Schaden nehmen. Zusätzlich gerät der Haushalt der Mineralstoffe (Elektrolyte) durcheinander, was Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Ältere Menschen spüren Durst oft weniger deutlich und sind besonders gefährdet. Was es mit der Reinigungskrise beim Fasten auf sich hat, lesen Sie im Beitrag Reinigungskrise bzw. Heilkrise.
Die Behauptung, Trockenfasten senke Blutzucker und Cholesterin besser als andere Fastenformen, ist nicht belegt. Auch das schnelle Gewichtsminus auf der Waage täuscht: Es besteht zu einem großen Teil aus Wasser, das nach dem Fasten wieder eingelagert wird. Wer abnehmen möchte, erreicht mit einer dauerhaften Ernährungsumstellung und mehr Bewegung deutlich mehr.
Unser Rat: Verzichten Sie beim Fasten nie auf Flüssigkeit. Trinken Sie über den Tag verteilt reichlich, mindestens etwa 1,5 Liter, an heißen Tagen oder bei Bewegung mehr. Geeignet sind Wasser, ungesüßter Kräutertee und beim klassischen Heilfasten auch Gemüsebrühe. Sprechen Sie vor einer Fastenkur mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, vor allem wenn Sie Medikamente einnehmen oder Vorerkrankungen haben. Zum Fasten mit Honiggetränken lesen Sie mehr im Beitrag Honig fasten wie lange.
Worauf müssen Sie beim Fasten achten?
Wer fasten möchte, wählt am besten eine Form mit ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel das Heilfasten mit Wasser, Tee, Saft und Brühe oder das Intervallfasten, bei dem nur die Essenszeiten begrenzt werden. Längere Fastenkuren gehören in ärztliche Begleitung oder in eine Fastenklinik. Planen Sie Entlastungstage vor dem Fasten und Aufbautage danach ein, damit sich der Körper langsam umstellen kann. Wie sich eine Woche nur mit Wasser auswirkt, lesen Sie im Beitrag 7 Tage nur Wasser trinken und nichts essen.
Nicht fasten sollten ohne ärztliche Rücksprache unter anderem Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Essstörungen, mit Diabetes, mit Herz- oder Nierenerkrankungen sowie Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen tut während des Fastens gut, auf intensiven Sport sollten Sie verzichten. Wenn Ihnen schwindelig wird, Sie starkes Herzklopfen bekommen oder sich unwohl fühlen, brechen Sie das Fasten ab und holen Sie ärztlichen Rat ein.
















