Die prothetische Zahnmedizin steht im Zentrum einer wachsenden Diskussion über ihre weitreichenden Auswirkungen auf die Gesamtgesundheit von Patientinnen und Patienten. Durch die enge Verknüpfung von zahnärztlichen und allgemeinmedizinischen Aspekten ergeben sich neue Perspektiven für die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen, für die Ernährung älterer Menschen und für die Gestaltung interdisziplinärer Fachkongresse. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Fakten, Studienergebnisse und Diskussionen zusammen, die im Rahmen der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) im Juni 2026 präsentiert wurden.
Prothetische Zahnmedizin und neurodegenerative Erkrankungen
Ein zentraler Punkt der Tagung war der nachgewiesene Zusammenhang zwischen dem Tragen von Zahnprothesen und kognitiven Beeinträchtigungen. Eine Studie der Springer Nature aus dem Jahr 2021 zeigte, dass 34 % der Patienten mit Zahnprothesen kognitive Beeinträchtigungen aufweisen. Diese Erkenntnis unterstreicht die Relevanz der prothetischen Zahnmedizin für die Prävention und das Management von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz.
Kognitive Beeinträchtigungen und Prothesen – Was die Zahlen bedeuten
- Messgröße: Anteil der kognitiven Beeinträchtigungen
- Wert: 34 %
- Jahr: 2021
- Quelle: Springer Nature (Studie zu kognitiven Beeinträchtigungen bei Patienten mit Zahnprothesen)
Die Autoren der Studie, vertreten durch Dr. Maria Stein, betonen, dass die zahnärztliche Versorgung nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern im Kontext einer ganzheitlichen medizinischen Betreuung stehen muss.
Ernährung als Schlüsselfaktor in der Prothetik
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Einfluss der Ernährung auf die Akzeptanz und den Erfolg von Prothesen, insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten. Laut einer Untersuchung der Universität Köln aus dem Jahr 2022 leiden 50 % der älteren Menschen an Ernährungsproblemen, was ihre Fähigkeit, Prothesen zu nutzen, erheblich beeinträchtigt.
- Messgröße: Prozent der älteren Menschen mit Ernährungsproblemen
- Wert: 50 %
- Jahr: 2022
- Quelle: Universität Köln (Untersuchung zu Ernährung und Zahngesundheit)
Prof. Dr. Klaus Müller, Autor der Studie, weist darauf hin, dass eine ganzheitliche Herangehensweise – die sowohl zahnärztliche als auch ernährungsmedizinische Aspekte berücksichtigt – für die Wirksamkeit prothetischer Maßnahmen entscheidend ist.
Interdisziplinärer Austausch – Erkenntnisse der DGPro-Tagung 2026
Die 73. Jahrestagung der DGPro in Bonn (11.-13. Juni 2026) brachte rund 350 Teilnehmende zusammen, die in 20 unterschiedlichen Diskussionsthemen die Wechselwirkungen zwischen prothetischer Zahnmedizin und Allgemeinmedizin beleuchteten. Das Leitthema „Prothetische Zahnmedizin meets Medizin“ setzte den Fokus auf die Verbindung von Zahnmedizin, Neurologie, Ernährungswissenschaft und Werkstofftechnik.
- Teilnehmerzahl: 350 Personen (2026)
- Anzahl Diskussionsthemen: 20 Themen (2026)
- Hauptredner: Prof. Dr. Eckart von Hirschhausen – Vortrag zur „planetaren Gesundheit“
- Veranstaltungsort: Modernes Hörsaalgebäude, Bonn
Vorteile des Austauschs zwischen Fachgesellschaften
- Förderung innovativer Ansätze durch Kombination von Prothetik- und Allgemeinmedizin-Wissen
- Entstehung neuer Leitlinien, z. B. die S3-Leitlinie „Angstpatienten“
- Praxisnahe Vorstellung moderner dentaler Werkstoffe im gemeinsamen Werkstoffkundeforum mit der EADT
- Einbindung junger Forschender im Science Slam zu Digitalisierung und KI
Die Tagungspräsidenten, Univ.-Prof. Dr. Helmut Stark und Priv.-Doz. Dr. Dominik Kraus, beschrieben die Veranstaltung als „gelungenen intensiven Austausch mit neuen Impulsen, Inspirationen und persönlichen Begegnungen“.
Herausforderungen und Gegenargumente
Trotz der vielen positiven Erkenntnisse wurde ein kritischer Punkt hervorgehoben: Mangelnde interdisziplinäre Zusammenarbeit kann zu unzureichenden Behandlungsansätzen für komplexe Patientenfälle führen. Dieses Risiko wird insbesondere dann relevant, wenn Prothesenpatienten gleichzeitig von neurodegenerativen Erkrankungen und Ernährungsdefiziten betroffen sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie beeinflusst Zahnmedizin die Gesundheit von Demenzpatienten?Prothetische Zahnmedizin kann die Lebensqualität von Demenzpatienten erhöhen, indem sie das Kauen und Sprechen verbessert, was sich positiv auf die kognitive Funktion auswirken kann.
Fazit
Die vorgestellten Daten und Diskussionen verdeutlichen, dass die prothetische Zahnmedizin weit über die reine Wiederherstellung von Kau- und Sprechfunktionen hinausgeht. Der nachweisliche Zusammenhang zwischen Zahnprothesen und kognitiven Beeinträchtigungen (34 % im Jahr 2021) sowie die hohe Prävalenz von Ernährungsproblemen bei älteren Menschen (50 % im Jahr 2022) machen deutlich, dass ein interdisziplinärer Ansatz unverzichtbar ist. Die DGPro-Tagung 2026 zeigte, wie der Austausch zwischen Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Ernährungswissenschaft und Werkstofftechnik innovative Lösungsansätze fördert und gleichzeitig die Notwendigkeit betont, strukturelle Barrieren in der Zusammenarbeit zu überwinden. Nur durch ein ganzheitliches, patientenzentriertes Konzept kann die prothetische Zahnmedizin einen nachhaltigen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit leisten.
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