Wie wirkt Kratom?

Kräutertherapien zur Darmreinigung
Die Kräutertherapien zur Darmreinigung sind heute aktuell wie nie und zur Eigenanwendung unbedenklich. Bildquelle: Paosun Rt / Shutterstock.com

Kratom ist eine tropische Pflanze aus der Familie der Kaffeegewächse, die vor allem in Südostasien wächst. In den vergangenen Jahren ist sie auch in Europa bekannt geworden, oft beworben als Mittel gegen Schmerzen, zur Stimmungsaufhellung oder zur Selbsthilfe bei einer Abhängigkeit. Die Wirkung reicht je nach Menge von anregend bis beruhigend. Gleichzeitig wirkt Kratom an denselben Rezeptoren im Gehirn wie Opioide und kann abhängig machen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt seit Juli 2025 ausdrücklich vor der Anwendung. Dieser Artikel erklärt, wie Kratom wirkt, welche Risiken bekannt sind und wie die Rechtslage in Deutschland aussieht. Stand Oktober 2026.

Was ist Kratom und woher kommt es?

Kratom, wissenschaftlich Mitragyna speciosa, ist ein immergrüner Baum aus den tropischen Wäldern Südostasiens. Traditionell kauten Menschen dort die Blätter oder bereiteten daraus Tee zu, um Müdigkeit bei harter körperlicher Arbeit zu bekämpfen und Schmerzen zu lindern. Die wichtigsten Wirkstoffe sind die Alkaloide Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin. Sie binden an Opioidrezeptoren im Gehirn und lösen darüber einen Teil ihrer Wirkungen aus.

Wie wird Kratom verwendet?

In den Herkunftsländern werden frische Blätter gekaut oder getrocknet, gemahlen und als Pulver geschluckt oder als Tee aufgebrüht. Im Internet wird Kratom meist als Pulver, Kapseln, Extrakt oder Tee angeboten. Wichtig zu wissen: Der Wirkstoffgehalt dieser Produkte ist nicht standardisiert. Besonders Extrakte und Produkte mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin können deutlich stärker wirken als die Blätter. Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt ausdrücklich vor Produkten mit Kratom und seinen Wirkstoffen.

Wie wirkt Kratom im Körper?

Kratom wirkt hauptsächlich über die Opioidrezeptoren im Gehirn. Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin binden vor allem an den μ-Opioidrezeptor, an dem auch Morphin wirkt, und daneben an weitere Rezeptoren. Zusätzlich beeinflusst Kratom andere Botenstoffsysteme, was die anregende Wirkung kleinerer Mengen erklärt. Kratom wirkt an Opioidrezeptoren und kann abhängig machen. Darauf, dass Kratom keine gefährliche Atemlähmung auslöst, wie es oft zu lesen ist, sollten Sie sich nicht verlassen: Besonders in Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Opioiden kann es lebensgefährlich werden.

Welche Effekte hat Kratom auf den Geist und den Körper?

In geringen Mengen wird Kratom überwiegend als anregend beschrieben: mehr Antrieb, Wachheit und Geselligkeit. Bei höheren Mengen überwiegen dämpfende Effekte, Schmerzlinderung, Entspannung und teils Euphorie, aber auch Benommenheit, Übelkeit und Verwirrtheit. Gerade diese Bandbreite verleitet manche dazu, Kratom zur Leistungssteigerung oder zur Selbstbehandlung von Schmerzen oder Abhängigkeiten einzusetzen. Davon raten Fachleute ab: Wer Schmerzen hat oder von Opioiden oder Alkohol loskommen möchte, findet in der Arztpraxis und bei Suchtberatungsstellen geprüfte Behandlungen.

Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung von Kratom?

Wie stark Kratom wirkt und wie riskant es ist, hängt unter anderem ab von:

  • Menge: Niedrige Mengen wirken eher anregend, höhere eher dämpfend. Mit der Menge steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen.
  • Produkt: Sorten werden nach der Farbe der Blattadern benannt (Rot, Grün, Weiß). Der tatsächliche Wirkstoffgehalt schwankt stark und ist auf der Verpackung meist nicht verlässlich angegeben. Extrakte sind oft deutlich stärker.
  • Individuelle Faktoren: Alter, Körpergewicht, Leberfunktion, Vorerkrankungen und eine frühere Gewöhnung an Opioide beeinflussen die Wirkung.
  • Mischkonsum: Zusammen mit Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmitteln, anderen Opioiden, bestimmten Medikamenten oder großen Mengen Koffein können sich Wirkungen gefährlich verstärken oder unvorhersehbar verändern.

Ist Kratom sicher zu verwenden?

Nein, eine sichere Menge lässt sich nicht angeben. Das BfArM warnt ausdrücklich davor, Kratom zu medizinischen Zwecken einzunehmen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies im September 2025 darauf hin, dass die Einnahme gesundheitliche Beschwerden auslösen kann. Es gibt Berichte über Abhängigkeit, Leberschäden und Entzugssymptome, über Krampfanfälle sowie über Todesfälle, darunter einen in Deutschland. Besonders riskant ist die Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen Opioiden. Untersuchungen von Produkten fanden zudem Verunreinigungen, etwa Salmonellen und problematische Mengen Blei und Nickel. Bei Herzproblemen, insbesondere Herzrasen, sollte Kratom keinesfalls eingenommen werden.

Welche Nebenwirkungen hat Kratom?

Berichtet werden unter anderem Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Appetitverlust, Schwitzen, Juckreiz, Schwindel und Benommenheit. Schwerwiegender sind Leberschäden, Krampfanfälle, Halluzinationen und psychotische Symptome. Vor allem beim ersten Gebrauch sind auch allergische Reaktionen möglich. Wer regelmäßig größere Mengen nimmt und dann aufhört, kann Entzugsbeschwerden bekommen, etwa Unruhe, Muskel- und Gliederschmerzen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Durchfall und Stimmungsschwankungen. Bei Bewusstseinsstörungen, Atemproblemen oder Krampfanfällen nach der Einnahme rufen Sie sofort den Notruf 112.

Kann man von Kratom abhängig werden?

Ja. Kratom wirkt an Opioidrezeptoren und kann abhängig machen, vor allem bei regelmäßiger und höher dosierter Einnahme. Der Körper gewöhnt sich an die Substanz, sodass für dieselbe Wirkung mehr nötig wird, und beim Absetzen treten Entzugssymptome auf. Wie hoch das Abhängigkeitsrisiko im Vergleich zu klassischen Opioiden ist, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Wer merkt, dass er ohne Kratom nicht mehr auskommt, sollte sich an eine Suchtberatungsstelle oder die Hausarztpraxis wenden. Einen Entzug begleiten Sie am besten ärztlich, statt ihn auf eigene Faust zu versuchen.

Die rechtliche Stellung von Kratom ist weltweit uneinheitlich und ändert sich immer wieder. Im Folgenden geht es um die Lage in Deutschland und um die Frage, wie Regeln Verfügbarkeit und Forschung beeinflussen.

Ist Kratom in Deutschland legal?

In Deutschland ist Kratom weder als Arzneimittel noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Als Lebensmittel wäre es ein neuartiges Lebensmittel (Novel Food), das eine Sicherheitsprüfung in der EU bräuchte; einen Antrag dafür gibt es laut Verbraucherzentrale (Stand Dezember 2025) bisher nicht. Als Betäubungsmittel ist Kratom bislang nicht eingestuft, eine Expertenkommission befasst sich seit 2022 damit. Dass Kratom online erhältlich ist, heißt also nicht, dass es geprüft oder als unbedenklich eingestuft ist.

International ist die Lage gemischt. In den USA ist Kratom auf Bundesebene nicht verboten, mehrere Bundesstaaten und Städte schränken Verkauf oder Besitz aber ein, und die FDA warnt vor Kratom-Produkten. Thailand, eines der Herkunftsländer, hat Kratom 2021 von der Liste der Betäubungsmittel gestrichen. In mehreren europäischen Ländern wird Kratom wie eine kontrollierte Substanz behandelt.

Wie beeinflussen Gesetze die Verwendung und Forschung von Kratom?

Wo Kratom nicht geregelt ist, gibt es auch keine verbindlichen Vorgaben für Wirkstoffgehalt, Reinheit und Kennzeichnung. Verbraucher wissen deshalb oft nicht, wie viel Wirkstoff ein Produkt enthält und ob es verunreinigt ist. Strenge Regeln oder Verbote erschweren dagegen klinische Studien, die klären könnten, ob einzelne Wirkstoffe aus Kratom medizinisch nutzbar sind. Bis solche Studien vorliegen, gibt es keine Grundlage für eine Selbstbehandlung.

Unser Fazit: Kratom ist kein harmloses Kraut, sondern eine opioidartig wirkende Substanz mit Abhängigkeitspotenzial und ernsten Risiken. Die zuständigen Behörden in Deutschland raten von der Anwendung ab. Wenn Sie Schmerzen haben, unter Erschöpfung leiden oder von einer Sucht loskommen möchten, lassen Sie sich ärztlich oder in einer Suchtberatungsstelle beraten.