Was ist der Sinn des Fastens?

Eine Woche fasten abnehmen

Der Sinn des Fastens liegt je nach Hintergrund auf drei Ebenen. Religiös ist Fasten eine Zeit der Umkehr, des Gebets und der Solidarität mit Bedürftigen. Persönlich ist es eine Übung im bewussten Verzicht, die Gewohnheiten sichtbar macht. Gesundheitlich nutzen manche eine Fastenkur als Anstoß für eine andere Ernährung. Gemeinsam ist allen drei Ebenen: Fasten ist ein freiwilliger, zeitlich begrenzter Verzicht mit einem Ziel, das über das Essen hinausgeht.

Dieser Beitrag erklärt, wofür Menschen in verschiedenen Traditionen fasten. Ob Fasten der Gesundheit nützt oder schadet, beleuchtet der Beitrag Ist Fasten gesund oder ungesund?.

Fasten in den Religionen

Fasten gehört zu den ältesten religiösen Praktiken. Fast alle großen Religionen kennen Fastenzeiten, mit unterschiedlichen Regeln und Begründungen.

Christentum: 40 Tage vor Ostern

Die christliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und dauert bis Ostern. Sie umfasst 40 Tage, die Sonntage zählen nicht mit. Die Zahl erinnert an die 40 Tage, die Jesus nach den Evangelien fastend in der Wüste verbrachte. Sinn der Fastenzeit ist die Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung: Umkehr, Gebet und Nächstenliebe. In der katholischen Kirche sind Aschermittwoch und Karfreitag strenge Fast- und Abstinenztage. In der evangelischen Kirche steht seit vielen Jahren die Aktion „7 Wochen Ohne“ für ein freiwilliges Fasten, das nicht nur Essen betreffen muss. Wann genau die Fastenzeit beginnt, erklärt der Beitrag Wann fängt das Fasten an?.

Islam: der Fastenmonat Ramadan

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam. Einen Monat lang verzichten Musliminnen und Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Rauchen. Es geht um Gottesnähe, Selbstbeherrschung und Mitgefühl mit Menschen, die Hunger leiden. Abends wird das Fasten gemeinsam gebrochen, oft in großer Runde. Kranke, Reisende, Schwangere und Stillende sind vom Fasten ausgenommen oder können es nachholen. Zum Ende des Ramadan gehört eine Spende an Bedürftige.

Judentum: Jom Kippur und weitere Fasttage

Am Versöhnungstag Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, fasten gläubige Jüdinnen und Juden etwa 25 Stunden lang ohne Essen und Trinken. Im Mittelpunkt stehen Reue und Versöhnung mit Gott und den Mitmenschen. Daneben gibt es weitere Fasttage, die an Ereignisse der jüdischen Geschichte erinnern.

Hinduismus und Buddhismus

Im Hinduismus sind Fastentage weit verbreitet, oft an bestimmten Wochentagen oder Festen und einer Gottheit gewidmet. Gefastet wird ganz oder teilweise, etwa durch Verzicht auf Getreide. Im Buddhismus essen Mönche und Nonnen vieler Traditionen nach der Mittagszeit nichts mehr. Fasten dient hier der Achtsamkeit und der Lösung von Begierden, nicht der Buße.

Zitronenscheibe in sprudelndem Wasser, von unten fotografiert

Der persönliche Sinn: bewusster Verzicht

Auch ohne religiösen Bezug fasten viele Menschen, vor allem in der Zeit vor Ostern. Der Gedanke dahinter: Wer eine Zeit lang auf etwas Gewohntes verzichtet, merkt, wie sehr es den Alltag bestimmt. Das kann Süßes sein, Alkohol, Fleisch oder Fernsehen, aber auch das Auto oder das Smartphone. Viele berichten, dass sie nach der Fastenzeit bewusster entscheiden, was sie wieder aufnehmen und was nicht.

Fasten stärkt in diesem Sinn die Selbstwirksamkeit: Man erlebt, dass Hunger oder Verlangen kommen und wieder gehen und dass man nicht jedem Impuls folgen muss. Fasten hat dabei immer ein Ende. Wer merkt, dass Verzicht zum Zwang wird oder sich die Gedanken dauernd ums Essen drehen, sollte innehalten und sich gegebenenfalls Unterstützung holen.

Der soziale Sinn: Gemeinschaft und Solidarität

Fasten verbindet. Im Ramadan brechen Familien und Gemeinden das Fasten gemeinsam, in Kirchengemeinden treffen sich Fastengruppen, und Fastenkurse finden oft in der Gruppe statt. Viele Traditionen verbinden das Fasten mit Spenden: Was man durch den Verzicht spart, kommt Bedürftigen zugute. Die Erfahrung von Hunger, auch wenn sie freiwillig und kurz ist, schärft den Blick für Menschen, die nicht freiwillig hungern.

Der gesundheitliche Sinn: Anstoß, kein Heilmittel

Heilfasten nach Buchinger oder Intervallfasten werden oft aus gesundheitlichen Gründen gewählt. Fasten kann ein Anstoß sein, Essgewohnheiten zu überdenken, und kurzfristig Gewicht und Blutdruck senken. Ein „Entgiften“ oder „Entschlacken“ findet dabei nicht statt, und eine ärztliche Behandlung ersetzt das Fasten nicht. Fasten ist auch nicht für alle geeignet: Schwangere und Stillende, Kinder, Menschen mit Essstörungen, Untergewicht, Typ-1-Diabetes, schweren Erkrankungen oder Medikamenten, deren Dosis sich beim Fasten ändern kann, fasten nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache. Das gilt übrigens auch im religiösen Kontext: Die Religionen selbst nehmen Kranke und Schwangere vom Fasten aus.

Ist Fasten in der Fastenzeit dasselbe wie eine Fastenkur?

Nicht unbedingt. Die christliche Fastenzeit verlangt heute für die meisten Gläubigen keinen vollständigen Verzicht auf Essen, sondern vor allem Maßhalten und bewussten Verzicht. Eine Fastenkur dauert dagegen meist nur einige Tage, in denen Sie auf feste Nahrung verzichten. Was in der Fastenzeit auf den Teller darf, erklärt der Beitrag Fastenzeit: Wann darf man essen?.