Produktionsstopp analoger OPG-Filme 2026 – Handlungsbedarf für Zahnarztpraxen

ein geteiltes bild zeigt links die filmentwicklung in einer fabrik und rechts die entwicklung von zahnärztlichen röntgenfilmen in einer zahnarztpraxis

Im Juni 2026 hat der langjährige Hauptlieferant Carestream (ehemals Kodak) die Produktion analoger Panoramaschicht-Röntgenfilme (OPG) überraschend eingestellt. Der Wegfall dieses zentralen diagnostischen Materials gefährdet die Übersichtsdiagnostik in zahnarztpraxen, die bislang auf analoge OPG-Aufnahmen setzen. Ohne rechtzeitige Umstellung auf digitale Alternativen droht ein temporärer Stillstand der Bildgebung. Die Situation erfordert ein koordiniertes Vorgehen von Praxisteams, Fachverbänden und Aufsichtsbehörden.

Hintergrund des Produktionsstopps

Der Produktionsstopp beruht auf mehreren zusammenwirkenden Faktoren:

  • Carestream war nach dem Ausstieg von Agfa der letzte große Hersteller von extraoralen Dentalfilmen.
  • Vor der Einstellung wurden Produktionsrechte nach Asien übertragen, jedoch erfolgte im Juni 2026 die vollständige Abschaltung der Fertigung (Quelle S2).
  • Regulatorisch ist die kurzfristige Einfuhr von Ersatzfilmen aus Drittstaaten nicht möglich, weil EU-weite MDR-Zertifizierungen fehlen (BZÄK 2026).

Regulatorische Hürden nach EU-MDR

Die EU-Medical-Device-Regulation (MDR) 2017/745 stellt klare Vorgaben für den Import und die Zulassung von Medizinprodukten, zu denen auch Röntgenfilme zählen.

  • Artikel 59 MDR (2026): Gibt der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) den rechtlichen Rahmen für mögliche Sonderzulassungen.
  • Fehlende MDR-Zertifizierung von Filmen aus Drittstaaten verhindert reguläre Importe (FAQ-Antwort).
  • Die Aufbewahrungsfrist analoger Röntgenaufnahmen beträgt mindestens 10 Jahre (oder bis zum 28. Lebensjahr bei Minderjährigen) – ein wichtiger Aspekt bei der Umstellung (Datapunkt S4).

Strahlenschutzrechtliche Vorgaben beim Filmwechsel

Ein Wechsel des Filmmaterials ist nicht nur eine logistische, sondern auch eine rechtlich relevante Maßnahme:

  • Bei jedem Wechsel muss eine Konstanzprüfung der Bilddiagnostik durchgeführt werden, um die Bildqualität sicherzustellen.
  • Die Aufbewahrungspflicht von zehn Jahren gilt unabhängig vom eingesetzten Material.
  • Fehlende oder mangelhafte Prüfungen können zu Verstößen gegen das Strahlenschutzgesetz führen.

Praxisnahe Umrüstoptionen und Marktreaktionen

Um den akuten Engpass zu überbrücken, haben Fachverbände und Hersteller schnell reagiert:

  • Der Bundesverband Dentalhandel e.V. (BVD) hat eine zentrale Informationsplattform ( www.bvdental.de/service/roentgenangebote/ ) eingerichtet, die aktuelle Sonderaktionen und Umrüstmodelle bündelt.
  • Hersteller wie Dürr Dental bieten sofort verfügbare OPG-Speicherfolienscanner an, inklusive IT-Integration und Montage (Datapunkt 2026).
  • Leasing-Modelle, bei denen die Raten an das tatsächliche OPG-Aufkommen gekoppelt sind, ermöglichen Praxen mit kurzer Investitionsperspektive den Einstieg.
  • Die Plattform des BVD wird kontinuierlich mit Fachhändlern abgestimmt, um maßgeschneiderte Angebote, IT-Anbindung und rechtssichere Einweisungen zu gewährleisten.

Risiken von Fehlentscheidungen

Einige vermeintliche Sofortlösungen können langfristig nachteilig sein:

  • Hamsterkäufe von verbliebenen OPG-Filmen sind nicht sinnvoll, da das Verfallsdatum und die chemische Instabilität nach längerer Lagerung die Brauchbarkeit einschränken (Counterpoint).
  • Der Einsatz digitaler Vollsysteme kann für Praxen, die kurz vor der Abgabe stehen, wirtschaftlich nicht rentabel sein, weil die Amortisationszeit die verbleibende Praxisdauer übersteigt (Counterpoint).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer hat die Produktion analoger OPG-Filme eingestellt?Der Hersteller Carestream (früher Kodak) hat diese Produktion im Juni 2026 nach vorangegangenen Ausstiegen anderer Anbieter wie Agfa überraschend eingestellt.Warum ist der Import aus Drittstaaten nicht möglich?Röntgenfilme unterliegen in der EU der MDR 2017/745; aus Drittmärkten lieferbare Alternativen sind meist nicht zertifiziert.Warum ist die Konstanzprüfung wichtig für einen Filmwechsel?Durch einen Wechsel an Filmmaterial kann die Bildqualität beeinträchtigt werden; strahlenschutzrechtliche Prüfungen sind zwingend.

Fazit

Der unerwartete Produktionsstopp von Carestream stellt Zahnarztpraxen vor eine kritische Phase: Ohne analoge OPG-Filme droht eine Unterbrechung der Übersichtsdiagnostik. Die regulatorischen Hürden der EU-MDR verhindern kurzfristige Importe aus Drittstaaten, während die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Umstellung betonen. Durch die von BVD und BZÄK koordinierten Plattformen sowie die sofort verfügbare Speicherfolienscanner-Technologie stehen praktikable, kostengünstige Alternativen bereit. Gleichzeitig sollten Praxen von Hamsterkäufen absehen und die Wirtschaftlichkeit digitaler Vollsysteme kritisch prüfen. Eine strukturierte, rechtssichere Umrüstung – unterstützt durch Konstanzprüfungen und die Nutzung von Leasing-Modellen – ermöglicht es, die diagnostische Kontinuität zu wahren und gleichzeitig den regulatorischen Vorgaben gerecht zu werden.