Die wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung ist ein zentraler Faktor für die Gesundheit der Bevölkerung, besonders in ländlichen Regionen mit geringer Dichte. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit rund 1,6 Millionen Einwohnern und der geringsten Bevölkerungsdichte Deutschlands, stellt die Sicherstellung einer flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung eine permanente gesundheitspolitische Aufgabe dar.
Rückgang der Vertragszahnärzte – Fakten und Folgen
Im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der Vertragszahnärzte in Deutschland um ein Viertel gesunken. Laut Statistik der Zahnärztekammer Deutschland (Quelle S1) betrug der Rückgang im Vergleich zu 2011 24 % im Jahr 2021. Dieser Rückgang wirkt sich besonders stark in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern aus, wo bereits eine kritische Lage herrscht.
- Metric: Vertragszahnärzte
- Wert: 24 % Rückgang
- Jahr: 2021
- Quelle: S1 – Statistik über die zahnärztliche Versorgung in Deutschland
Unterversorgung in ländlichen Regionen
Eine drohende Unterversorgung wurde bereits im Dezember 2024 im KfO-Planungsbereich Ludwigslust-Parchim festgestellt und im April 2026 für Nordwestmecklenburg bestätigt. Diese formalen Feststellungen ermöglichen die Einrichtung gezielter Maßnahmen wie die Landzahnarztquote.
Bevorstehende Ruhestandswelle und ihre Auswirkungen
Ein weiteres fünftel der Praxisinhaber steht kurz vor dem Ruhestand. Zusammen mit dem Rückgang der Vertragszahnärzte führt dies zu einer zusätzlichen Belastung der Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum.
Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung
Nachwuchsförderung und Praxisnachfolge
Seit Jahren werden vielfältige Initiativen umgesetzt, um junge Zahnärzte für die Niederlassung zu gewinnen und Praxisnachfolgen zu erleichtern:
- Angebote zur Berufsfelderkundung
- Informationsveranstaltungen wie der „Tag der Chancen“
- Förderinstrumente aus dem Strukturfonds
- Intensive Niederlassungsberatung
- Beratung von Kommunen zur Steigerung der Standortattraktivität
- Seminare für Praxisabgeber zu Vorbereitungs- und Weiterbildungsassistenten
- Flexible Arbeitsmodelle und gleitende Übergangsmodelle für Berufseinsteiger
Erweiterung der Landarztquote auf Zahnärzte
Das Gesundheitsversorgungsunterstützungsgesetz (GVUG M-V) vom 2. Februar 2026 erlaubt die Ausweitung der Landarztquote auf Zahnärzte. Ab dem Wintersemester 2026/27 werden jeweils vier Studienplätze pro Jahr in Rostock und Greifswald über die Landzahnarztquote vergeben. Insgesamt stehen in Mecklenburg-Vorpommern 80 Studienplätze pro Jahr in der Zahnmedizin zur Verfügung.
- Metric: Studienplätze über Landarztquote
- Wert: 4 Plätze pro Jahr (Rostock & Greifswald)
- Jahr: 2026
- Quelle: S2 – Gesetz über die Landarztquote
- Gesamtstudienplätze Zahnmedizin MV: 80 Plätze/Jahr (2026)
Die ersten Auswahlgespräche wurden bereits durchgeführt; die Bilanz des Programms wird nach weiteren Runden erstellt.
Flexibilisierung von Arbeitsmodellen
Die Zahl der angestellten Zahnärzte in Mecklenburg-Vorpommern nimmt zu, während die Zahl der niedergelassenen zurückgeht. Übergangsmodelle, Teilzeit- und Anstellungsoptionen ermöglichen es jungen Kolleginnen und Kollegen, Praxisnähe zu erleben, bevor sie eine eigene Niederlassung gründen.
Kontroverse Themen und Gegenargumente
Zulassungssperren in überversorgten Regionen
Zulassungssperren sollen in Regionen mit angeblicher Überversorgung die Berufsfreiheit der Zahnärzte schützen. Kritiker warnen jedoch, dass solche Sperren die Versorgungsstrukturen langfristig destabilisieren und die tatsächliche Versorgungssituation – etwa in wichtigen Zentren wie Wismar – nicht adäquat abbilden.
Fachzahnarztvorbehalt in der Kieferorthopädie
Die Landeszahnärztekammer MV lehnt einen Fachzahnarztvorbehalt für die Kieferorthopädie ab. Nach Ansicht von Präsidentin Stefanie Tiede gibt es keinen erkennbaren Mehrwert; die Versorgung erfolgt bereits auf hohem fachlichem Niveau, und ein Vorbehalt würde die Berufsausübung unnötig einschränken.
Statistiken und Quellen
- Vertragszahnärzte: – 24 % Rückgang (2021) – Quelle S1
- Studienplätze Zahnmedizin MV: – 80 Plätze/Jahr (2026) – Quelle S2
- Landzahnarztquote: – 4 Studienplätze/Jahr in Rostock & Greifswald (ab WS 2026/27) – Quelle S2
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Vertragszahnärzte gab es 2021 in Deutschland?
2021 gab es in Deutschland einen Rückgang der Vertragszahnärzte um 24 % im Vergleich zu 2011.
Wann tritt die Erhöhung der Studienplätze über die Landarztquote in Kraft?
Die neuen Studienplätze werden ab dem Wintersemester 2026/27 vergeben.
Fazit
Die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern steht vor einer doppelten Herausforderung: dem anhaltenden Rückgang der Vertragszahnärzte und einer bevorstehenden Ruhestandswelle. Gleichzeitig zeigen demografische Veränderungen und die Abwanderung jüngerer Menschen die Notwendigkeit gezielter politischer Maßnahmen. Die Erweiterung der Landarztquote auf Zahnärzte, die Förderung von Nachwuchs- und Nachfolgemodellen sowie die Flexibilisierung von Arbeitsformen bilden zentrale Bausteine, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Kontroverse Instrumente wie Zulassungssperren oder ein Fachzahnarztvorbehalt werden kritisch hinterfragt, weil sie die Berufsfreiheit gefährden könnten, ohne nachweisbaren Nutzen. Eine nachhaltige Lösung erfordert einen ausgewogenen Mix aus politischen Rahmenbedingungen, regionalen Initiativen und einer starken Selbstverwaltung, die gemeinsam darauf abzielt, die zahnmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern langfristig zu stabilisieren und zu verbessern.
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