Der Arbeitsmarkt für Gesundheitsmanager erlebt ein beachtliches Wachstum. Ende April 2023 verzeichnete das Karriereportal karriere.at mehr als 360 offene Stellen im Bereich BGM in Österreich. Diese Entwicklung spiegelt die steigende Bedeutung von Gesundheit am Arbeitsplatz wider und zeigt, dass Unternehmen aktiv nach Fachkräften suchen, um den wachsenden Herausforderungen im Arbeitsumfeld zu begegnen.
Boom im Gesundheitsmanagement in Österreich
Mehrere Faktoren treiben den Boom im BGM an:
- Steigende Krankenstände und ein wachsender Anteil psychischer Erkrankungen an Fehlzeiten.
- Neue gesetzliche Vorgaben, insbesondere die geplante Teilzeit-Krankschreibung in Deutschland, die auch Auswirkungen auf österreichische Unternehmen haben könnte.
- Ein verstärktes Interesse an Mitarbeiterbindung, Work-Life-Balance und betrieblichen Gesundheitsangeboten.
Studien von Roland Berger belegen, dass 89 % der Unternehmen gezielt auf stärkere Bindung ihrer Mitarbeitenden setzen, während 77 % das Wohlbefinden in den Fokus stellen. Im Durchschnitt bieten Arbeitgeber bereits mehrere Gesundheitsleistungen an, und ein erheblicher Teil der Beschäftigten wünscht sich zusätzlich eine betriebliche Krankenversicherung.
Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Österreich stellen, entstehen neue Marktchancen. Initiativen von BGW und DGAUM konzentrieren sich auf niedrigschwellige Angebote wie Telemedizin und digitale Gefährdungsbeurteilungen, um den Zugang zu BGM-Leistungen zu erleichtern.
Steigende Gesundheitskosten durch psychische Fehlzeiten
Laut einer Studie der European Agency for Safety and Health at Work (EASHEK, 2021) belaufen sich die Kosten für Fehlzeiten, die durch psychische Störungen verursacht werden, in Deutschland auf rund 34 Milliarden Euro im Jahr 2021. Obwohl diese Zahl für Deutschland gilt, wird für Österreich ein vergleichbarer Trend erwartet, da die gleichen Risikofaktoren vorliegen.
Der wirtschaftliche Druck wird durch folgende Kennzahlen verdeutlicht:
- psychische Erkrankungen machen 30 % der Fehlzeiten in österreichischen Unternehmen aus (2022, Quelle S2).
- Muskel-Skelett-Leiden verursachen ebenfalls hohe Kosten, wobei Prognosen der Zurich Insurance Group für Deutschland von Produktionsausfällen in Milliardenhöhe sprechen – ein Indikator für potenzielle Kosten in Österreich.
Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit, in BGM zu investieren, um langfristig Kosten zu reduzieren und die Produktivität zu sichern.
Regulatorische Entwicklungen und ihre Auswirkungen
Die geplante Teilzeit-Krankschreibung in Deutschland wird voraussichtlich zu einer Steigerung der Koordinationskosten um 15 % führen (Prognose 2024, Quelle S1). Obwohl die Regelung zunächst in Deutschland gilt, könnte sie auch österreichische Unternehmen betreffen, da grenzüberschreitende Lieferketten und Unternehmensstrukturen häufig eng verflochten sind.
Folgende Konsequenzen ergeben sich daraus:
- Erhöhter administrativer Aufwand für die Abstimmung von Teilzeit-Krankenständen.
- Steigender Bedarf an qualifizierten BGM-Managern, die als Schnittstelle zwischen Arbeitgebern, Beschäftigten und Medizinern fungieren.
- Notwendigkeit, digitale Prozesse und Telemedizin-Lösungen zu implementieren, um den Koordinationsaufwand zu reduzieren.
Fachkräftemangel und Zukunftsperspektiven
Die Nachfrage nach BGM-Fachkräften erstreckt sich über alle Hierarchiestufen. Beispiele aus dem österreichischen Arbeitsmarkt verdeutlichen die Attraktivität der Positionen:
- In Linz wird für eine Bereichsleitung Arbeitsmedizin und BGM ein Bruttogehalt von 4.300 Euro pro Monat angeboten.
- Im Außendienst in der Steiermark starten Gehälter bei rund 65.000 Euro jährlich.
Unternehmen investieren gezielt, um diese Fachkräfte zu gewinnen, und positionieren BGM-Manager als Schlüsselpersonen für die Umsetzung von Gesundheitsstrategien.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Ein möglicher Gegenpunkt ist die Gefahr einer Sättigung des Arbeitsmarktes für BGM-Fachkräfte. Es besteht das Risiko, dass der Bedarf überschätzt wird, was langfristig die Beschäftigungsfähigkeit gefährden könnte. Unternehmen sollten daher:
- Langfristige Personalplanungen entwickeln, die sowohl aktuelle als auch zukünftige Bedürfnisse berücksichtigen.
- Weiterbildungsprogramme etablieren, um vorhandenes Personal für erweiterte Aufgaben zu qualifizieren.
- Flexibilitätsmodelle wie Teilzeit-BGM-Rollen prüfen, um die Nachfrage besser zu steuern.
FAQ – Häufige Fragen zum BGM
Was sind die Hauptverursacher für Fehlzeiten in Unternehmen?Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Laut einer Studie sind psychische Erkrankungen für etwa 30 % der Fehltage verantwortlich.
Fazit
Die Marktentwicklung im Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Österreich befindet sich in einer dynamischen Wachstumsphase. Die Kombination aus steigender Zahl offener Stellen, hohen wirtschaftlichen Kosten psychischer Fehlzeiten und bevorstehenden regulatorischen Veränderungen schafft einen klaren Handlungsbedarf für Unternehmen. Durch gezielte Investitionen in BGM-Fachkräfte, digitale Gesundheitslösungen und präventive Maßnahmen können Unternehmen nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheit ihrer Mitarbeitenden leisten. Gleichzeitig gilt es, potenzielle Risiken einer Markt-Sättigung frühzeitig zu erkennen und durch strategische Personalentwicklung zu adressieren.
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