Die Diskussion über effektive Behandlungsmethoden zur Zahnerhaltung ist entscheidend, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und kosteneffiziente Strategien zu fördern. Aktuelle Studien zeigen, dass selbst stark beeinträchtigte Zähne über viele Jahre erhalten bleiben können, wenn endodontische und parodontale Therapien optimal kombiniert und konsequent nachgesorgt wird.
Endo-periodontale Läsionen (EPL) – hohe Zahnerhaltungsraten
Endo-periodontale Läsionen gelten häufig als „hoffnungslos“, weil sie mit tiefen parodontalen Taschen, starkem Attachmentverlust und Schmerzen einhergehen. Dennoch belegen mehrere Studien, dass die Zahnerhaltungsrate bei korrekter Therapie deutlich über 90 % liegt.
- Eine retrospektive Kohortenstudie von Tietmann et al. (2023) mit 39 Zähnen (Grad III EPL) zeigte nach bis zu sieben Jahren einen Zahnerhalt von 90 % sowie einen Knochenzugewinn von fast 5 mm und eine Reduktion der Sondierungstiefe um etwa 5 mm.
- Eine ältere Studie von Cortellini und Kollegen (2011) berichtete von 92 % Zahnerhalt nach fünf Jahren bei vergleichbaren Fällen.
- Die vertikale Ausdehnung der Läsion ist ein entscheidender Prädiktor: Zähne mit EPL Grad II (Subklassen A / B) erreichten in einer Studie von Tonetti et al. (2017) 91 % bzw. 67 % Überlebenswahrscheinlichkeit über zehn Jahre, während die Klasse C nur 23 % erreichte.
Der Zeitpunkt des Übergangs von der endodontischen zur parodontalen Therapie (sofort, 3 oder 6 Monate) zeigte keinen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis.
Vertikale Ausdehnung und langfristiger Therapieerfolg
Die vertikale Klassifikation (Grad II vs. Grad III) korreliert stark mit dem Langzeiterfolg. Während Grad-II-Läsionen häufig langfristig erhalten bleiben, sinkt die Prognose bei Grad-III-Läsionen signifikant, sofern keine unterstützende Parodontaltherapie (UPT) erfolgt.
Langzeitergebnisse bei aggressiver Parodontitis
Bei aggressiver Parodontitis wurden ebenfalls beeindruckende Erhaltungsraten dokumentiert, sofern regelmäßige Nachsorge und unterstützende Parodontaltherapie durchgeführt wurden.
- Graetz et al. (2011) berichteten, dass 78 % der Zähne mit fraglicher Prognose nach 15 Jahren erhalten blieben; bei „hoffnungslosen“ Zähnen lag die Rate bei etwa 60 %.
- Initial als hoffnungslos eingestufte Zähne (≥70 % Attachmentverlust) blieben nach einer mittleren Beobachtungsdauer von 15 Jahren zu 35-45 % erhalten.
- Bei Patienten mit chronischer Parodontitis waren 80 % der fraglichen und 66 % der hoffnungslosen Zähne nach 15 Jahren erhalten.
Regelmäßige UPT senkt das Risiko von Zahnverlust, insbesondere in den ersten zwei Jahren nach Einführung der neuen PAR-Richtlinie.
Erfolgsquote endodontischer Behandlungen
Endodontische Therapien weisen ebenfalls hohe Langzeiterfolgsraten auf, was den kombinierten Ansatz bei EPL unterstützt.
- Die „Torontostudie“ (Friedman & Mor, 2004) zeigte eine Erfolgsquote von 92-98 % nach einfacher Wurzelkanalbehandlung.
- 91-97 % der Zähne mit periapikaler Läsion blieben nach Behandlung funktionell, 74-86 % heilten vollständig.
- Prospektive Studien (Ng et al., 2011) berichteten von 93 % Erfolg nach 4-5 Jahren und 87 % nach 8-10 Jahren.
- Fünf Jahre nach nicht-chirurgischer Behandlung lag die Zahnüberlebensrate bei 93 %, zehn Jahre später bei 85 %.
- Revisionsbehandlungen erreichten Erfolgsraten von 92-100 % bei Zähnen ohne periapikale Läsionen.
Die Anzahl der Sitzungen (Single- vs. Multi-Visit) hatte keinen signifikanten Einfluss; entscheidend waren Zahntyp, Vorhandensein einer Parodontitis und die Qualität der Versorgung.
Einflussfaktoren auf den Langzeiterfolg
Mehrere Faktoren bestimmen, ob ein Zahn langfristig erhalten bleibt:
- Qualität der Behandlung: Präzise endodontische Technik und regenerative parodontale Verfahren erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit.
- Zahntyp: Molaren sind bei gleicher Sondierungstiefe stärker gefährdet als Nicht-Molaren.
- Begleiterkrankungen: Rauchen, kardiovaskuläre Erkrankungen und Alter reduzieren die Überlebensrate.
- Attachmentverlust: Zähne mit >70 % Verlust gelten als hoffnungslos, können jedoch bei konsequenter UPT über 15 Jahre zu 35-60 % erhalten bleiben.
- Regelmäßige Nachsorge: Unterstützende Parodontaltherapie (UPT) über mindestens zwei Jahre senkt das Risiko signifikant.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange können „hoffnungslose“ Zähne erhalten bleiben?
Studien zeigen, dass nach 15 Jahren eine Erhaltungsrate von 35-45 % möglich ist, wenn regelmäßige Nachsorge durchgeführt wird (FAQ aus INFO 1).
Fazit
Der Mut zum Zahnerhalt lohnt sich: Selbst Zähne, die zunächst als hoffnungslos eingestuft werden, können über viele Jahre – teils über ein Jahrzehnt – erhalten bleiben. Die vorliegenden Studien umfassen Beobachtungszeiträume von fünf bis 15 Jahren und belegen, dass kombinierte endodontische und regenerative parodontale Therapien, unterstützt durch konsequente Nachsorge, die Langzeiterhaltung signifikant verbessern. Darüber hinaus sind diese Strategien häufig kostengünstiger und entsprechen dem Wunsch vieler Patienten, ihre natürlichen Zähne möglichst lange zu behalten.
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