Wussten Sie…
… dass Chlorella keine Meeresalge ist, sondern eine Süßwasser-Mikroalge, die nur wenige Tausendstel Millimeter groß ist?
… dass Algen in der Kosmetik seit Langem als pflegender Bestandteil von Cremes und Masken verwendet werden?
… dass Chlorella-Präparate in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel gelten und nicht als Arzneimittel?
Algen in der Hautpflege
Schon seit dem 18. Jahrhundert ist Thalasso bekannt, also die Pflege des Körpers mit Meerwasser, Meeresluft, Sand, Schlick und Algen. Im Bereich Wellness und Kosmetik werden Algenextrakte vor allem als feuchtigkeitsspendende und pflegende Zutat eingesetzt. Viele Menschen empfinden Algenpackungen und -cremes als angenehm für die Haut. Weitergehende Versprechen wie ein Verschwinden von Cellulite oder eine verbesserte Magnesiumaufnahme über die Haut sind wissenschaftlich nicht belegt.
Chlorella: Was steckt hinter der Mikroalge?
Chlorella ist ein kleiner, grüner Einzeller von kugelrunder Form. Getrocknet und zu Pulver oder Tabletten verarbeitet, wird die Alge als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Händler, etwa Spezialshops für Chlorella, heben vor allem die hohe Nährstoffdichte hervor. Ein Wundermittel ist Chlorella aber nicht: Für die oft beworbenen Wirkungen gegen Krankheiten gibt es keine ausreichenden Belege.
Botanisch handelt es sich um eine Süßwasser-Mikroalge, die es seit sehr langer Zeit in Gewässern auf der ganzen Welt gibt. Seit einigen Jahrzehnten wird sie in Zuchtanlagen kultiviert und als Lebensmittel genutzt. Aussagen, Chlorella helfe gegen Krebs, Strahlenkrankheiten oder Virusinfektionen, sind nicht belegt. Solche Heilversprechen sind für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel in der EU zudem nicht erlaubt.
Um welche Art handelt es sich genau?
Die eine Alge Chlorella gibt es eigentlich nicht, der Name bezeichnet eine ganze Algengattung mit mehreren Arten. Am bekanntesten sind „Chlorella vulgaris“ und „Chlorella sorokiniana“, aus denen die meisten Nahrungsergänzungsmittel hergestellt werden.
Die Mikroalgen vermehren sich durch Zellteilung: Aus einer Mutterzelle entstehen mehrere Tochterzellen. Unter guten Bedingungen geschieht das innerhalb von etwa einem Tag, weshalb sich Chlorella gut in großen Anlagen züchten lässt.
Welche Inhaltsstoffe befinden sich in der Mikroalge?
Getrocknete Chlorella ist eiweißreich, der Proteinanteil wird je nach Produkt mit rund 50 bis 60 % angegeben. Enthalten sind auch alle essenziellen Aminosäuren. 100 Gramm Pulver liefern etwa 300 bis 400 Kilokalorien. Daneben enthält die Alge Chlorophyll, Eisen, Magnesium, Kalzium, Zink und weitere Mineralstoffe. Die Gehalte schwanken allerdings stark zwischen Herstellern und Chargen. Da die üblichen Verzehrmengen bei wenigen Gramm am Tag liegen, ist der Beitrag zur täglichen Nährstoffversorgung meist gering.
Keine verlässliche Quelle für Vitamin B12
Chlorella wird häufig als pflanzliche Quelle für Vitamin B12 beworben. Die gemessenen Gehalte schwanken jedoch stark, und ein Teil des enthaltenen B12 kann in einer Form vorliegen, die der Körper nicht verwerten kann. Wer sich vegan ernährt, sollte sich deshalb nicht auf Algen verlassen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen Veganerinnen und Veganern ein Vitamin-B12-Präparat und eine regelmäßige Kontrolle der Versorgung beim Arzt.
Hilft Chlorella beim Entgiften?
In der Werbung wird Chlorella oft als Mittel zum Ausleiten von Schwermetallen und Umweltgiften angepriesen. Richtig ist, dass die Zellwand der Alge im Wasser Schwermetalle binden kann. Dass eine Detox-Kur mit Chlorella beim Menschen Schadstoffe aus dem Körper entfernt, ist aber nicht belegt. Für die Entgiftung sind beim gesunden Menschen Leber und Nieren zuständig.
Die Fähigkeit, Schwermetalle zu binden, hat auch eine Kehrseite: Wächst die Alge in belastetem Wasser, kann sie selbst Schwermetalle enthalten. Bei einer vermuteten Schwermetallbelastung gehört die Abklärung in ärztliche Hände, eine Detox-Kur mit Nahrungsergänzungsmitteln ersetzt keine Behandlung.
Welche Wirkungen und Nebenwirkungen sind bekannt?
Zu Chlorella gibt es einige kleinere Studien, etwa zu Blutdruck, Blutfetten oder Immunwerten. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, die Studien meist klein und kurz. Eine Wirkung gegen Diabetes, Krebs, Allergien, Infektionen oder Fibromyalgie ist nicht nachgewiesen. Wer an einer solchen Erkrankung leidet, sollte Chlorella nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung verstehen.
Die Behauptung, alle Studien würden eine positive Wirkung bestätigen, trifft nicht zu. Seriös lässt sich sagen: Chlorella ist ein eiweißreiches Lebensmittel, für gesundheitliche Zusatznutzen fehlen belastbare Belege.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Auch ein Naturprodukt ist nicht frei von Nebenwirkungen. Bei Chlorella werden vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder Durchfall beschrieben, außerdem eine grünliche Verfärbung des Stuhls. Seltener treten Hautreaktionen bei Licht oder allergische Reaktionen auf. Chlorella enthält Vitamin K und kann deshalb die Wirkung blutverdünnender Mittel wie Phenprocoumon (Marcumar) beeinflussen. Auch bei Autoimmunerkrankungen, einem geschwächten Immunsystem, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollten Sie die Einnahme vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin besprechen. Das gilt grundsätzlich, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.
Als Kapsel, Pulver oder Tablette?
Die einzelne Alge ist nur wenige Tausendstel Millimeter groß und hat eine feste Zellwand, die der Mensch schlecht verdauen kann. Deshalb wird Chlorella nach der Ernte getrocknet und die Zellwand mechanisch aufgebrochen. Das Pulver wird lose verkauft oder zu Tabletten und Kapseln gepresst.
Eine amtlich festgelegte Tagesdosis gibt es nicht. Halten Sie sich an die Verzehrempfehlung auf der Packung und überschreiten Sie diese nicht. Von einer eigenmächtigen Verdopplung der Menge, um eine „stärkere Wirkung“ zu erzielen, ist abzuraten, weil dadurch vor allem das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden steigt.
Worauf sollten Sie beim Kauf achten?
Chlorella gibt es in Drogeriemärkten, Bioläden, Apotheken und im Internet. Achten Sie auf Anbieter mit Sitz in der EU, eine vollständige Kennzeichnung und, wenn möglich, Analysen auf Schwermetalle und Keime. Eine Bio-Kennzeichnung sagt etwas über die Herstellung aus, garantiert aber keine gesundheitliche Wirkung. Verbraucherzentralen haben bei Algenprodukten wiederholt auf schwankende Gehalte und mögliche Belastungen hingewiesen. Seien Sie bei Produkten aus unbekannter Herkunft und bei Werbung mit Heilversprechen besonders vorsichtig.
Algen in Kosmetikprodukten
Neben Nahrungsergänzungsmitteln finden sich Algen auch in Kosmetikserien, zum Beispiel in der LR Algetics Thalasso Cosmetics Serie. Solche Produkte enthalten etwa Chlorella vulgaris (Grünalge), Palmaria palmata (Rotalge) und Laminaria digitata (Braunalge) sowie Zusätze wie Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie können die Haut pflegen und mit Feuchtigkeit versorgen. Dass Cellulite dadurch verschwindet, sollten Sie allerdings nicht erwarten.

