Bio-Lebensmittel – gesundheitliche und ökologische Vorteile

abwechselungsreiche ernahrung
abwechselungsreiche ernahrung

Vitamine, Ballaststoffe und Mineralstoffe sind gesund, Pestizide nicht. Nahezu täglich konsumieren unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten, die mit Pestizidrückständen belastet sind. Es besteht der Verdacht, dass viele von ihnen sogar krebserregend sind. Wieso genau Pestizide so verteufelt werden und warum Bio-Lebensmittel als so viel gesünder gelten, klären wir in diesem Beitrag.

Wer kraftvoll in einen Apfel beißt, isst Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe…und wahrscheinlich auch eine Menge Funkizide und Insektizide. Zumindest wenn das Obst aus nicht-ökologischem Anbau stammt.

Denn mehrere Untersuchungen an Äpfeln haben gezeigt, dass an vielen Apfelsorten Rückstände von Pestiziden nachweisbar sind. In mehr als 90 % der Fälle sind auch Zitronenfrüchte belastet. Da viele Erntefrüchte sehr empfindlich und krankheitsanfällig sind, muss vor allem Gemüse und Obst, das außerhalb der Saison angebaut wird, mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Deshalb weist beispielsweise sogar Blattsalat im Winter eine große Menge an Pestizidrückständen auf.

So können uns auf einmal Lebensmittel, die eigentlich von Natur aus gesund sein sollten, krank machen. Doch auf Gemüse und Obst sollten Sie aus diesen Gründen nicht verzichten. Gemüse und Obst haben ein gesundheitsförderndes Potenzial, welches deutlich hoher ist, als die negativen Effekte von Pestizidenrückständen. Es ist deshalb am sichersten, solche Lebensmittel in einer Bio Qualität zu kaufen und zu essen. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel dürfen nämlich in einem biologischen Landbau nicht eingesetzt werden. Dadurch sind Bio-Lebensmittel vollkommen frei von Pestizidenrückständen. Oft haben sie auch einen intensiveren Geschmack und eine höhere Nährstoffdichte, weil sie weniger Wasser enthalten.

Aber was genau sind denn jetzt Pestizide und warum sind die so ungesund?

Was sind eigentlich Pestizide?

Das Wort Pestizide hat sich aus dem Englischen in unseren Wortschatz eingeschlichen und wird beinahe synonym für toxische Pflanzenschutzmittel verwendet. Ursprünglich kommt es aus dem Lateinischen von „pestis“ – Seuche – und „caedere“ – töten.

Im Grunde dient der Begriff Pestizid als Oberbegriff für Pflanzenschutzmittel. Das Umweltbundesamt definiert: „Pestizide sind chemische Substanzen, die lästige oder schädliche Lebewesen töten, vertreiben oder in Keimung, Wachstum oder Vermehrung hemmen.“

Zu den Pestiziden gehören:

  • Herbizide gegen Pflanzen
  • Fungizide gegen Pilze
  • Bakterizide gegen Bakterien
  • Insektizide gegen Insekten
  • Molluskizide gegen Schnecken
  • Akarizide gegen Milben
  • Nematizide gegen Fadenwürmer
  • Rodentizide gegen Nagetiere
  • Avizide gegen Vögel

Pestizide, die in Desinfektionsmitteln, als Rattengift, beim Kammerjäger und zu ähnlichen Zwecken eingesetzt werden, werden als Biozide klassifiziert. Für den Obst- und Gemüseanbau spielen vor allem Pflanzenschutzmittel eine Rolle, zu denen Fungizide, Herbizide, Insektizide und andere gehören. Praktisch sollen die eingesetzten Pestizide tatsächlich Organismen unschädlich machen, die den Nutzpflanzen und Tieren schaden können.

In Deutschland, wie in der gesamten EU, dürfen nur amtlich zugelassene Pestizide eingesetzt werden. Pflanzenschutzmittel werden nur zugelassen, wenn sie, bei sachgemäßer Anwendung, keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Welche Auswirkungen haben Pestizide auf Umwelt und Menschen

Egal ob ein Pestizid ein bestimmtes Insekt vernichten oder das Wachstum sogenannter Unkräuter verhindern soll, es beeinflusst das gesamte Ökosystem. Denn jeder Organismus ist Bestandteil der Nahrungskette. Einfaches Beispiel: Blühende Wildkräuter (achtlos als Unkraut benannt) ernähren Insekten, die wiederum von Vögeln gefressen werden. Durch die Vernichtung solcher „Unkräuter“ (bessere bezeichnet als „Beikräuter“) wirken sich Pflanzen- und Insektenschutzmittel negativ auf die Artenvielfalt aus – zumal in vielen Fällen niemand garantieren kann, dass ausschließlich der Schadorganismus vernichtet wird. Eine groß angelegte Studie hat ergeben, dass auf Bio-Feldern durchschnittlich 35 Prozent mehr Vögel und 23 Prozent mehr blütenbestäubende Insekten leben, als auf konventionell bewirtschafteten Feldern.

Außerdem gelangen Reste der Pestizide ins Grundwasser, belasten den Boden oder werden durch die Luft verbreitet. Den Beleg und weiterführende Informationen liefert das Umweltbundesamt in dem Dokument zur Pflanzenschutzmittelverwendung in der Landwirtschaft.

Risiken und Nebenwirkungen

Schon daraus ergeben sich Folgen und gesundheitliche Risiken für den Menschen. Ein großes Problem ergibt sich aus den Rückständen der Pestiziden auf den Lebensmitteln. Diese gelangen zum Beispiel durch Besprühen auf Äpfel, durch Futtermittel in Eier, durch Antibiotika in Fleisch und so weiter. Viele dieser Substanzen stehen im Verdacht, Krebs und andere Krankheiten zu verursachen oder zu begünstigen. Kein Wunder, dass der Einsatz von Pestiziden so intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Die Meinungen gehen weit auseinander. Viele Institutionen halten den Verzehr von Lebensmitteln für unbedenklich, wenn die Grenzwerte für Pestizidrückstände eingehalten werden. Gegner wie Verbraucherschutz und Umweltorganisationen kämpfen für Verbote von Pestiziden.

apfel am baum

Warum Pflanzenschutz – Beispiel Apfel

Können Äpfel von Natur aus wirklich so makellos rund und schön sein, wie sie in die Supermarktauslage kommen? Kein Schorf verschandelt die Schale, keine Made dringt bis ins Kerngehäuse vor. Für diese Makellosigkeit und gesicherte Erträge müssen die Erzeuger etwas tun. Gegen den Apfelschorf setzt der konventionelle Obstbauer chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein, der Bio-Apfelbauer spritzt das Pestizid Kupfer. Letzteres ist wasserlöslich und wird vom Regen oder später durch den Verbraucher abgewaschen. Somit bleibt es nicht am Apfel. Allerdings gelangt es mit dem Niederschlagswasser in den Boden und der Bauer muss mehrmals spritzen.

Übrigens: Ab einer gewissen Menge an Reinkupfer im Boden flüchten Regenwürmer! (Quelle)

Trotzdem, Fachleute sehen bisher keine echte Alternative für den Einsatz von Kupfer im Obst-, Wein- und Hopfenanbau.

Chemisch-synthetische Mittel sind oft nicht wasserlöslich und haften auf der Apfelschale. Allerdings kann der Wind den Sprühnebel auch abseits der Apfelplantagen verbreiten. Obwohl Äpfel vor dem Verkauf oft gewaschen werden, gelangen pestizidbelastete Früchte in den Handel. Dabei sitzen die Substanzen in der Regel auf aber auch direkt unter der Schale. Die Verbraucherzentrale Südtirol hat diesbezüglich Äpfel und Apfelsäfte unter die Lupe genommen und ist zu interessanten Ergebnissen gekommen.

Was Bio-Lebensmittel ausmacht

Bio-Lebensmittel sind also nicht mit synthetischen Mitteln gespritzt und können so unbedenklich verzehrt werden. Egal ob beim Discount-Supermarkt oder im Bioladen – Gemüse und Obst aus biologischem Anbau können Sie heute in jeder Auslage finden. Es gibt immer mehr Bio-Betriebe und die meisten sind auf mehrere Kulturen spezialisiert.

Aber auch bei Biolebensmittel kann geschummelt werden! Deshalb sollten sie beim Kauf von Bio-Lebensmitteln auf die in Deutschland geschützten Begriffe „Bio“ und „Öko“ achten. Nur diese erfüllen auch den EU-Bio-Standard. Indem Sie Bio-Lebensmittel konsumieren, schützen Sie sich selbst durch gesundes Gemüse und Obst, aber auch die Umwelt und die produzierenden Unternehmen, die nicht mit giftigen und gefährlichen Stoffen arbeiten wollen. Damit haben Bio-Lebensmittel gesundheitliche, ökologische, aber auch ethische Vorteile gegenüber den konventionell erzeugten Lebensmitteln.

salat kopfe

Kaum Rückstände bei Bio-Produkten

Für den zertifizierten ökologischen Landbau sind nur bestimmte, relativ unbedenkliche Pestizide zugelassen. Daher sind echte Bio-Produkte sehr viel weniger bis gar nicht mit gesundheitlich bedenklichen Pflanzenschutzmitteln belastet. Wenn Sie sichergehen wollen, achten Sie beim Einkauf auf das EU-Biosiegel oder das deutsche Bio-Siegel. Wenn ein Produkt als bio oder öko vermarktet wird, muss es von einer amtlichen Stelle zertifiziert werden und die vorgeschriebenen Standards erfüllen.

Dass Bioprodukte allgemein kaum mit Rückständen von chemisch-synthetischen Pestiziden belastet sind, beweist der Ökomonitor Baden-Württembergs.  Darin heißt es: „Öko-Frischobst und -gemüse sind weiterhin signifikant geringer mit Rückständen belastet als konventionell erzeugtes Obst und Gemüse.“ Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Früchte mit nachgewiesenen Rückständen zum Verzehr geeignet sind, solange der zugelassene Höchstgehalt nicht überschritten ist.

Dieser Hinweis ist wichtig: Denn zur Wahrheit gehört auch: Bio-Produkte sind in der Regel teurer als konventionelle Produkte. Bei allem Gesundheits- und Umweltbewusstsein passen die Bio-Preise (noch?) nicht in jedes Budget.

Unterschied: konventionelle und ökologische Lebensmittelproduktion

Was heute konventionell heißt war jahrzehntelang normale Landwirtschaft. Aus klein- auch großbäuerlicher Arbeitsweise hat sich eine industrielle Agrarwirtschaft entwickelt, die massenhaft Lebensmittel erzeugen konnte. Dies erfolgte durch Spezialisierungen, das Bewirtschaften großer Ackerflächen und Massentierhaltung. Die Betriebe kauften zum Beispiel Futtermittel, Saatgut, Düngemittel zu, statt diese selbst zu erzeugen. Im Pflanzenbau setzten sich synthetische-chemische Schädlingsbekämpfungsmittel durch, die Unkraut, Schadinsekten oder Pilzbefall wirkungsvoll bekämpfen sollten. Immer häufiger wurden Tiere vorbeugend mit Antibiotika behandelt, um die Ausbreitung von Krankheiten in den Massenställen zu verhindern.

Eine Gegenbewegung zu dieser Wirtschaftsweise setzte bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts ein. Ab den 1960er Jahren stellten erste Betriebe auf organisch-biologischen Anbau um und mit der einsetzenden Umweltbewegung rückte dieses Landbausystem in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im Kern dieser Konzepte ging es um umweltverträgliches Wirtschaften und natürliche Kreisläufe. Beispielsweise wurden Viehhaltung und Ackerbau wieder zusammen betrieben, mit tierischen und pflanzlichen Abfällen gedüngt und auf vielfältige Fruchtfolge gesetzt. Auf Pestizide wurde verzichtet. Daraus ging das System hervor, dass wir heute Öko- oder Bio-Landwirtschaft nennen. Um beide Systeme zu unterscheiden, wurde immer häufiger das Adjektiv „konventionell“ für die übliche Landwirtschaftsart verwendet.

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Könnte konventionelle Landwirtschaft auch ökologisch und nachhaltig sein?

In Sachen Umweltschutz hat der Ökolandbau eindeutig die Nase vorn, zumindest auf seinen Feldern. Um ähnliche Mengen an Lebensmitteln zu erzeugen, benötigt die Biolandwirtschaft allerdings mehr Anbaufläche als die konventionelle Landwirtschaft. Statistiker haben herausgefunden, das Bioerzeuger im Durchschnitt 48 Prozent der Erträge konventioneller Erzeuger erreichten (Zeitraum 2012 bis 2018.)  Gibt es so viel Ackerland, werden wir alle mit Bioprodukten satt? Langfristig brauchen wir wahrscheinlich beide Systeme. Gut, dass auch in der herkömmlichen Agrarwirtschaft das Umweltbewusstsein immer weiter steigt. Denn immer mehr Landwirte setzen auf die Einheit zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialverträglichen Aspekten und wirtschaften nachhaltig.

Fazit

Das Thema Pestizide ist vielschichtig und lässt sich nicht mit schwarz/weiß oder gut und böse abtun. Offensichtlich geht es in der Landwirtschaft nicht ohne Pflanzenschutzmittel, egal ob synthetisch erzeugt, oder natürlich gewonnen. Aus Umweltschutzgründen ist auf jeden Fall ein überlegter, sparsamer Einsatz dieser Mittel angesagt. Wenn es um die gesunde Ernährung und pestizidbelastete Lebensmittel geht, schneiden Bio Obst und Gemüse besser ab, als Früchte aus konventionellem Anbau. Dieser Unterschied zeigt sich leider auch im Preis. Entscheiden Sie selbst.

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