Rehabilitation mit gefrästem Steg in der Implantatprothetik – Ein Fallbeispiel und aktuelle Trends

zahnimplantatmodell mit künstlichen zähnen die auf einem metallgerüst befestigt sind ausgestellt auf einem gips kiefer in einem dentallabor

Die Optimierung zahnmedizinischer Rehabilitationen ist für die Lebensqualität von Patienten, besonders älteren Menschen, von zentraler Bedeutung. Ein aktuelles Fallbeispiel einer 80-jährigen Patientin verdeutlicht, wie eine individuell angepasste, gefräste Stegkonstruktion sowohl ästhetischen als auch funktionalen Anforderungen gerecht werden kann. Gleichzeitig zeigen aktuelle Statistiken einen deutlichen Anstieg von Implantatbehandlungen bei älteren Patienten, was die Notwendigkeit maßgeschneiderter Lösungen unterstreicht.

Steigende Nachfrage nach Implantatbehandlungen bei älteren Patienten

In den letzten Jahren hat die Zahl der Zahnimplantat-Behandlungen in Deutschland kontinuierlich zugenommen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI) wurden im Jahr 2022 über 2,4 Millionen Zahnimplantate gesetzt. Dieser Anstieg spiegelt das wachsende Bedürfnis nach festsitzenden Lösungen wider, die sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugen.

Ein weiterer relevanter Trend zeigt, dass im Jahr 2023 45 % der Patienten über 65 Jahre sich für Zahnimplantate entschieden haben (Quelle S2). Diese Zahlen belegen, dass ältere Patientengruppen zunehmend bereit sind, implantologische Versorgungen in Anspruch zu nehmen, und damit die Dringlichkeit individueller Behandlungsansätze betonen.

Fallstudie: 80-jährige Patientin und die Entscheidung für einen gefrästen Steg

Die 80-jährige Patientin, ehemalige Zahnmedizinische Fachangestellte, wünschte sich eine festsitzende Rehabilitation mit angemessener Lippenabstützung. Die vorhandene, metallverstärkte Oberkieferprothese war mittig über dem Kieferkamm positioniert, wobei der Kamm im Laufe der Zeit zentripetal zurückgezogen war. Zusätzlich waren die Zahnhalspartien zu weit palatinal ausgerichtet und die Okklusionsebene lag zu hoch im Verhältnis zur Lippe.

Eine Toronto-Brücke konnte die Anforderungen nicht erfüllen, da die notwendige Kunststoff-Lippenabstützung die Mundhygiene beeinträchtigt hätte. Deshalb wurde gemeinsam mit der Patientin die Entscheidung für eine gefräste Stegkonstruktion getroffen, ergänzt durch eine Sekundärstruktur mit Friktionsstiften und elektroerosiv eingefügten Riegeln.

digitale Planung und KI-gestützte Segmentierung

Die bestehende Prothese konnte nicht als radiologische Schablone verwendet werden, da sie metallverstärkt war. Das Team unterfütterte die Prothese, scannte sie und druckte röntgenopake Referenzmarken, um einen Abgleich mit den radiologischen Daten zu ermöglichen. So konnte die Prothese später als präzise Schablone für die Implantatplanung dienen.

Digitale Planung und KI-gestützte Segmentierung

Nach der DVT-Aufnahme wurden die DICOM-Daten in das Programm coDiagnostiX importiert. Künstliche Intelligenz segmentierte die Knochenstruktur in 2-D- und 3-D-Ansichten, wodurch eine exakte Planung der Implantatpositionen möglich war. Die radiologische Schablone wurde zunächst dislokiert erkannt und anschließend manuell korrigiert, um ein korrektes Matching sicherzustellen.

Vorteile gefräster Stegkonstruktionen

Gefräste Stege bieten mehrere klinische Vorteile, die im vorliegenden Fall entscheidend waren:

  • Starke und stabile Verbindung zwischen Implantaten und Prothese
  • Verbesserte Ästhetik durch präzise Anpassung an die Lippenabstützung
  • Erleichterte Mundhygiene im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen
  • Kompatibilität mit Sekundärstrukturen wie Friktionsstiften und elektroerosiv eingefügten Riegeln

Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 zeigte, dass 87 % der Patienten mit festsitzenden Prothesen mit ihrer Mundhygiene zufrieden waren. Zusätzlich lag der Anteil festsitzender Zahnersatzlösungen im Jahr 2023 bei 63 % (Quelle S1). Diese Zahlen untermauern die hohe Akzeptanz und Zufriedenheit, die mit gefrästen Stegkonstruktionen verbunden sind.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Frage: Welche Vorteile bietet eine gefräste Stegkonstruktion?
Antwort: Sie ermöglicht eine starke und stabile Verbindung zwischen Implantaten und Prothese, verbessert die Ästhetik und erleichtert die Mundhygiene.

Risiken und Gegenmaßnahmen bei älteren Patienten

Bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen. Deshalb ist eine sorgfältige Planung unabdingbar. Faktoren wie Alter, manuelle Geschicklichkeit, anatomische Strukturen, ästhetische Ansprüche, Reinigungsmöglichkeiten, Lippenabstützung, Okklusion und finanzielle Aspekte müssen individuell bewertet werden, um Komplikationen zu minimieren.

Schritte der Umsetzung – Von der Planung bis zur finalen Versorgung

Der gesamte Behandlungsablauf lässt sich in folgende zentrale Schritte gliedern:

  1. Unterfütterung und Scan der bestehenden Prothese mit röntgenopaken Referenzmarken.
  2. DVT-Aufnahme und Import der DICOM-Daten in coDiagnostiX.
  3. KI-gestützte Segmentierung der Knochenstruktur und Implantatplanung.
  4. Manuelle Korrektur des radiologischen Schablonen-Matchings.
  5. Design und Fertigung einer chirurgischen Schablone aus lasergesintertem Polyamid.
  6. Implantation und Osseointegration der geplanten Implantate.
  7. Intraoralscan nach Osseointegration und Druck des Modells.
  8. Herstellung des gefrästen Stegs mit elektroerosiv eingefügten Riegeln.
  9. Fertigung der Sekundärstruktur mit Friktionsstiften und Anbringen von neo.lign-Veneers.
  10. Einschrauben des Stegs und Integration der Sekundärstruktur im Mund.
  11. Ästhetische Feinjustierung der Mittellinie und abschließende Kontrolle.

Jeder Schritt wurde dokumentiert und mit Bildmaterial (z. B. Abbildungen 1-60) verifiziert, um die Präzision und den Behandlungserfolg sicherzustellen.

Fazit

Die Fallstudie demonstriert, dass eine gefräste Stegkonstruktion bei älteren Patienten nicht nur ästhetische und funktionale Vorteile bietet, sondern auch die Mundhygiene signifikant verbessert. Angesichts des steigenden Bedarfs an Implantatbehandlungen – über 2,4 Millionen Eingriffe im Jahr 2022 und ein hoher Anteil älterer Patienten, die Implantate erhalten – sind individuell angepasste, digitale Planungsprozesse und präzise Fertigungstechniken unverzichtbar. Gleichzeitig müssen mögliche Komplikationen bei älteren Patienten berücksichtigt und durch sorgfältige, patientenorientierte Planung minimiert werden. Das Ergebnis: Eine stabile, ästhetisch ansprechende und pflegbare Rehabilitation, die den Wunsch der Patientin nach fester Versorgung und Lippenabstützung erfüllt.

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