Zahnmedizin für Praxis und Labor

Keramikimplantate in der Zahnmedizin – Fokus Zirkonoxid: Evidenz, klinische Anwendung und Praxisempfehlungen

Keramikimplantate, insbesondere aus Zirkonoxid, gewinnen in der modernen Zahnmedizin immer stärker an Bedeutung. Sie bieten eine metallfreie Alternative zu herkömmlichen Titanimplantaten und sprechen damit einen wachsenden Patientenkreis an, der metallfreie Lösungen bevorzugt. Gleichzeitig stellen Qualität und Quantität des Knochens zentrale Faktoren für den langfristigen Erfolg einer Implantation dar. Forschungsergebnisse zeigen, dass das Osseointegrationsverhalten von Zirkonoxidimplantaten mit dem von Titanimplantaten vergleichbar ist.

Warum Zirkonoxidimplantate zunehmend an Bedeutung gewinnen

  • Metallfreie Versorgung entspricht dem Wunsch vieler Patienten nach ästhetisch und biokompatibel verträglichen Lösungen.
  • Die S3-Leitlinie “Keramikimplantate” stuft Zirkonoxid als valide Therapieoption ein, sofern die Indikation und Planung sorgfältig erfolgen.
  • Studien belegen, dass Zirkonoxidimplantate eine vergleichbare Osseointegration wie Titanimplantate erreichen.

Klinische Evidenz: Überlebensraten und Osseointegration

Studien berichten für Zirkonoxidimplantate hohe Erfolgs- und Überlebensraten, vor allem für einteilige Systeme. Sie sprechen dafür, dass das Osseointegrationsverhalten von Zirkonoxid sowohl bei einteiligen als auch bei zweiteiligen Systemen mit dem von Titan vergleichbar ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Zunahme der Anwendungen von Zirkonoxidimplantaten in der Zahnmedizin.

Periimplantäre Gesundheit: Plaqueakkumulation und Periimplantitis

Als weiterer Vorteil von Zirkonoxidimplantaten gilt eine geringere Plaqueanlagerung im Vergleich zu Titan. Eine reduzierte Plaquebildung kann das Risiko für Periimplantitis senken und unterstützt somit die langfristige Mundgesundheit.

Langzeitdaten und kritische Bewertung

Obwohl die vorhandenen Daten für einteilige Zirkonoxidimplantate solide Langzeitnachweise liefern, ist die Datenlage für zweiteilige Systeme noch begrenzt. Der Mangel an Langzeitstudien kann zu Bedenken bei Zahnärzten und Patienten führen:

  • Unzureichende Langzeitdaten für zweiteilige Zirkonoxidimplantate sind ein relevanter Einwand.

Erste Beobachtungsstudien stützen die Annahme, dass zweiteilige Implantate in puncto Überlebensrate mit einteiligen Systemen vergleichbar sind.

Praxisbeispiel: Metallfreie Implantation bei reduziertem Knochenangebot

Diagnostik und Behandlungsplanung

Ein 66-jähriger Patient stellte sich mit chronischen Schmerzen im Bereich regio 36 vor. Der betroffene Zahn war nicht erhaltungswürdig und wurde extrahiert. Aufgrund eines unzureichenden vertikalen und horizontalen Knochenangebots wurde ein zweizeitiges Vorgehen mit augmentativen Maßnahmen gewählt. Die Planung erfolgte nach der S3-Leitlinie “Keramikimplantate” und umfasste digitale 3-D-Planung (Primescan, Dentsply Sirona) sowie die Erstellung einer Bohrschablone.

Chirurgisches Vorgehen

Nach der atraumatischen Zahnextraktion wurde eine Hartgewebsaugmentation nach der “Sausage-Technik” von Prof. Dr. Istvan Urban durchgeführt. Xenogenes Knochenersatzmaterial (cerabone plus) wurde mit Hyaluronsäure und Schmelzmatrixproteinen kombiniert, um sowohl knöcherne als auch parodontale Regeneration zu unterstützen. Die Membran (Jason membrane) wurde mit Titanpins fixiert, um die Formstabilität des Augmentats zu gewährleisten.

Sechs Monate nach der Augmentation zeigte die digitale Volumentomographie ein ausreichendes vertikales und horizontales Knochenlager, sodass die Implantation geplant werden konnte.

Implantation und prothetische Versorgung

Ein zweiteiliges Zirkonoxidimplantat (Neodent, Straumann, Durchmesser 4,3 mm, Länge 11,5 mm) wurde unter Lokalanästhesie mit navigierter Pilotbohrung und einer Primärstabilität von 30 Ncm eingesetzt. Ein Gingivaformer aus Zirkonoxid (3 mm) bildete das Emergenzprofil. Nach einer dreimonatigen Einheilphase erfolgte die prothetische Versorgung mit einer Hybrid-Abutmentkrone: ein individualisiertes Zirkonoxid-Abutment, auf dem eine Lithium-Disilikat-Keramikkrone (IPS e.max CAD, Ivoclar) verschraubt wurde (35 Ncm). Der Schraubenkanal wurde okklusal versiegelt.

Ergebnisse und Nachsorge

Kontrollröntgenaufnahmen bestätigten die korrekte Implantatposition und ausreichende Abstände zu den Nachbarzähnen. Der Patient wird seitdem im sechs-monatigen Recall kontrolliert und zeigt ein gesundes periimplantäres Gewebe ohne Blutungen oder erhöhte Sondierungstiefen.

Sind Zirkonoxidimplantate immer die bessere Wahl?

Zirkonoxidimplantate sind eine gute Option für Patienten, die metallfreie Lösungen bevorzugen. Die Wahl sollte dennoch individuell und unter Berücksichtigung aller Faktoren getroffen werden.

Fazit für die Praxis

Der dargestellte Patientenfall illustriert ein leitliniengerechtes Behandlungskonzept: strukturierte Diagnostik, digitale Planung, augmentatives Vorgehen und die Implantation eines zweiteiligen Zirkonoxidimplantats. Zirkonoxidimplantate gewinnen im klinischen Alltag zunehmend an Bedeutung, insbesondere bei Patienten mit ästhetischen Ansprüchen oder metallfreier Therapiepräferenz. Trotz positiver Ergebnisse bleibt die Datenlage für zweiteilige Systeme begrenzt; daher ist eine umfassende Aufklärung des Patienten unerlässlich.

Zahnärzte sollten die Patienten umfassend über die derzeitigen Erkenntnisse und möglichen Risiken aufklären, um informierte Entscheidungen zu ermöglichen.

Anzeige

Die Stoffwechsel Kur - Ernährung - Rezepte

Weitere Beiträge aus Zahnmedizin für Praxis und Labor

Alle Beiträge aus Zahnmedizin für Praxis und Labor

Neueste Beiträge