In Deutschland ist das Bewusstsein für die Gefährlichkeit von UV-Strahlung erstaunlich hoch. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) geben 96 % der Befragten an, dass UV-Strahlung krebserregend ist und 97 % wissen, dass ein einmaliges Eincremen am Tag nicht ausreicht. Trotz dieses Wissens erleiden mehr als die Hälfte der Bevölkerung jedes Jahr einen Sonnenbrand, bei den 18- bis 34-Jährigen liegt die Quote sogar bei 79 %. Die Kluft zwischen Wissen und täglichem Handeln ist damit ein zentrales Gesundheitsproblem.
Wissensstand der Deutschen zum UV-Schutz
Die aktuelle BfS-Erhebung liefert klare Zahlen zum Kenntnisstand:
- 96 % wissen, dass UV-Strahlung krebserregend ist (Forsa-Umfrage 2024).
- 97 % kennen die Aussage, dass einmaliges Eincremen nicht ausreicht.
- Nur 4 % glauben, dass ein hoher Lichtschutzfaktor (LSF) den ganzen Tag schützt.
- Ebenso nur 4 % denken, dass dunklere Hauttypen keinen Sonnenschutz benötigen.
- Nur 4 % gehen davon aus, dass gebräunte Haut ausreichend vor UV-Strahlung schützt.
- Nur 6 % glauben, dass Sonnencreme eine Bräunung der Haut verhindert.
Diese Zahlen zeigen, dass klassische Mythen weitgehend ausgeräumt sind.
Praxis: Wie das Verhalten tatsächlich aussieht
Die Umsetzung des Wissens in den Alltag fällt jedoch deutlich geringer aus:
- Nur 53 % der Befragten geben an, im Sommer am Strand oder Badesee Sonnencreme zu verwenden.
- 49 % hatten im Vorjahr mindestens einen Sonnenbrand (BfS-Daten 2024).
- Bei den 18- bis 34-Jährigen liegt die Sonnenbrandquote bei 79 %.
- 77 % sehen Sonnencreme als primären Schutz, ohne Schatten oder Kleidung als ergänzende Maßnahmen zu berücksichtigen.
- 19 % glauben, dass bei bewölktem Himmel kein Sonnenschutz nötig ist.
- 18 % denken, Sonnenschutz sei nur im Sommer oder im Urlaub erforderlich.
Die Diskrepanz zwischen hohem Wissensstand und hoher Inzidenz von Sonnenbränden ist damit eindeutig belegt.
Mythen vs. neue Fehlvorstellungen
Während klassische Irrtümer – etwa die Annahme, ein hoher LSF schütze den ganzen Tag – fast vollständig verschwunden sind, entstehen neue Fehlvorstellungen:
- 77 % der Befragten betrachten Sonnencreme als alleinige Schutzmaßnahme (IKW-Studie 2024).
- Der Glaube, dass Sonnencreme die Bräunung verhindert, ist auf 6 % gesunken.
- Dennoch wird häufig vergessen, dass Sonnenschutz auch bei bewölkter Witterung notwendig ist (19 % glauben das Gegenteil).
Diese neuen Fehlvorstellungen erklären, warum das Wissen nicht automatisch in konsequentes Handeln übergeht.
Schutzkraft gebräunter Haut und natürliche Schutzillusion
Die Forschung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) aus dem Jahr 2026 bestätigt, dass gebräunte Haut nur einen sehr geringen natürlichen Schutz bietet:
- Der Lichtschutzfaktor (LSF) gebräunter Haut liegt zwischen 1 und 3.
- Die UV-Absorption beträgt lediglich 32 % bis 40 % bei durchschnittlich gebräunter Haut.
Damit ist die Annahme, dass ein gebräunter Teint ausreichend schützt, wissenschaftlich nicht haltbar. Selbst bei einer leichten Bräune bleibt der Schutz deutlich unter den empfohlenen Werten.
Psychologische und soziale Einflussfaktoren
Soziopsychologische Analysen (Psychologie Heute, 2024) zeigen, dass mehrere Faktoren das Verhalten prägen:
- Heuristik von Routine vs. Aufwand: Das Auftragen von Creme wird als einmaliger Aufwand wahrgenommen, während das Tragen von Kleidung oder das Suchen von Schatten als umständlicher gilt.
- Marketing und Medien: Werbebotschaften präsentieren Sonnencreme als Allheilmittel, was die Wahrnehmung verstärkt, dass weitere Schutzmaßnahmen überflüssig sind.
- Soziale Medien: Influencer propagieren Bräunen als Schönheitsideal, ohne die damit verbundenen Risiken zu thematisieren.
- Tröstender Glaube an natürlichen Schutz: Dunklere Hauttypen erhalten weniger Aufmerksamkeit für UV-Schutz, obwohl der tatsächliche Schutz gering ist.
Diese Mechanismen erklären, warum ein hoher Wissensanteil nicht automatisch zu sicherem Verhalten führt.
Empfohlene Schutzstrategien (laut Leitlinien)
Die DDG-Leitlinien betonen, dass Sonnenschutz ein mehrstufiges Konzept sein muss. Auf Basis der vorliegenden Daten lassen sich folgende Kernmaßnahmen ableiten:
- Sonnencreme mit geeignetem Lichtschutzfaktor: Der empfohlene SPF liegt deutlich über 1-3 und sollte regelmäßig (alle 2 Stunden) nachgecremt werden.
- Schatten suchen: Gerade bei starkem Sonnenstand und an bewölkten Tagen ist Schatten ein unverzichtbarer Schutz.
- Schutzkleidung tragen: Langärmlige Oberteile, Hüte und Sonnenbrillen reduzieren die UV-Exposition erheblich.
- Bewusstsein für Fehlvorstellungen schärfen: Aufklärung über die begrenzte Schutzkraft gebräunter Haut und die Notwendigkeit von Mehrfachmaßnahmen.
Erst die Kombination dieser Maßnahmen kann die hohe Sonnenbrandquote wirksam senken.
Fazit
Die BfS-Erhebung von 2024 macht deutlich, dass in Deutschland ein hohes Wissen über UV-Gefahren existiert, das jedoch nicht in entsprechendes Handeln übersetzt wird. Klassische Mythen sind größtenteils ausgeräumt, dafür haben neue Fehlvorstellungen – vor allem die Überschätzung von Sonnencreme als alleinige Schutzmaßnahme – an Bedeutung gewonnen. Zusätzlich unterschätzen viele Menschen die UV-Exposition bei bewölktem Himmel und überschätzen den natürlichen Schutz gebräunter Haut. Psychologische Faktoren und die Wirkung von Marketing und sozialen Medien verstärken diese Lücken. Um die steigenden Hautkrebsraten zu bremsen, ist ein konsequenter, mehrstufiger Ansatz nötig, der Wissen, Verhaltensänderung und klare Leitlinien miteinander verknüpft.

