Die zahnärztliche Prothetik entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Baustein der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung. Neben der Wiederherstellung von Kaufunktion und Ästhetik werden Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit diskutiert – auch im Kontext von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Dieser Artikel fasst die Themen und interdisziplinären Diskussionen zusammen, die auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) im Juni 2026 präsentiert wurden.
Neueste Entwicklungen in der zahnärztlichen Prothetik
Unter dem Leitthema „Prothetische Zahnmedizin meets Medizin“ standen auf der DGPro-Tagung die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Zahnersatz und Allgemeinmedizin im Fokus. Expertenvorträge behandelten Themen wie Neurodegeneration, Ernährung, Stoffwechsel und den Einfluss der Kaufunktion auf die Sprache. Ein Highlight war der Impulsvortrag von Prof. Dr. Eckart von Hirschhausen mit Denkanstößen zur „planetaren Gesundheit“. Die Tagungspräsidenten Univ.-Prof. Dr. Helmut Stark und PD Dr. Dominik Kraus setzten auf intensiven Austausch und neue Impulse für die Patientenversorgung.
Vielfältige Kongressthemen
Im Gemeinschaftssymposium „DGPro meets DGI“ wurden etablierte und neue Prothetik-Konzepte aus unterschiedlichen Perspektiven kontrovers beleuchtet. Eine interdisziplinäre Diskussion zum Thema Demenz und Kognition widmete sich der Frage, was die prothetische Zahnmedizin bei Demenz leisten kann und was es aus zahnmedizinischer Sicht zu beachten gibt. Weitere Programmpunkte waren die Themen Psychogene Prothesenunverträglichkeit sowie S3-Leitlinie Angstpatienten. Im Bereich Kiefer- und Gesichtsprothetik wurde gegenübergestellt, was jeweils eine spezialisierte Universitätsklinik und eine spezialisierte Praxis leisten können. Ein eigenes Diskussionsforum beschäftigte sich mit dem Thema Ernährung und Zahngesundheit mit dem Fokus auf prothetischer Zahnmedizin. Zum Prothetik Symposium von Merz Dental und Quintessenz lesen Sie mehr im Beitrag Strategische Neuausrichtung des Prothetik Symposiums.
Die Relevanz der zahnärztlichen Prothetik erstreckt sich über die unmittelbare Versorgung der Zähne hinaus. Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Zahnverlust und einem erhöhten Demenzrisiko. Ob eine prothetische Versorgung dieses Risiko senkt, ist bislang nicht nachgewiesen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Einfluss der prothetischen Zahnmedizin auf die allgemeine Gesundheit.
Darüber hinaus stellen psychogene Faktoren eine Herausforderung bei der Akzeptanz von Prothesen dar. Ein Teil der Patienten berichtet über Probleme, die auf psychologische Ursachen zurückzuführen sind. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes zur Verbesserung der Patientenversorgung.
In Zukunft wird es entscheidend sein, diese Erkenntnisse in den klinischen Alltag zu integrieren, um das volle Potenzial der prothetischen Zahnmedizin auszuschöpfen und somit die Gesamtgesundheit der Patienten nachhaltig zu verbessern.
Einfluss prothetischer Zahnmedizin auf neurodegenerative Erkrankungen
Beobachtungsstudien bringen eine schlechte Mundgesundheit und Zahnverlust mit einem höheren Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung. Prothesen unterstützen die Kaufunktion und damit die Ernährung, was sich günstig auf die allgemeine Gesundheit auswirken kann. Ein ursächlicher Schutz vor Demenz durch Zahnersatz ist jedoch nicht belegt.
Psychogene Prothesenunverträglichkeit – ein interdisziplinäres Problem
Psychologische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Akzeptanz von Prothesen. Bei einem Teil der Patienten haben Unverträglichkeiten psychogene Ursachen.
Diese Erkenntnisse erweitern das Verständnis für die Herausforderungen in der prothetischen Zahnmedizin und betonen die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze.
Gegenpositionen und Risiken
Ein häufiges Hindernis ist das mangelnde Bewusstsein über die Bedeutung zahnmedizinischer Gesundheit. Ein geringes Bewusstsein kann dazu führen, dass Patienten keine prothetischen Lösungen in Anspruch nehmen, was ihre allgemeine Gesundheit beeinträchtigt.
Welche Rolle spielt Prothetik bei Menschen mit Demenz?
Prothetik kann helfen, die Kaufunktion und somit auch die Ernährung bei Demenzpatienten zu unterstützen, was wiederum die Lebensqualität verbessert.
Fazit
Prothetische Zahnmedizin liefert weit mehr als nur Zahnersatz: Sie unterstützt Kaufunktion und Ernährung, kann die Lebensqualität steigern und erfordert ein tiefes Verständnis psychologischer Akzeptanzfaktoren. Durch den wachsenden Austausch auf interdisziplinären Kongressen und die Integration neuer Forschungsergebnisse in die klinische Praxis lässt sich das volle Potenzial der Prothetik für die allgemeine Gesundheit realisieren. Einen Rückblick auf die Entwicklung der Prothetik in Heidelberg finden Sie im Beitrag Ruhestand von Prof. Dr. Peter Rammelsberg.

